Aorangi Park: Der beste Spot in Wimbledon
Der Centre Court von Wimbledon ist das Nonplusultra? Ja, klar. Aber der interessanteste Spot im Londoner Stadtteil SW 19 ist der Aorangi Park.
Morgens um 10 Uhr in Wimbledon. Genauer gesagt im Aorangi Park. Für die Nicht-Freaks: So heißt das Trainingsgelände während der All England Championships. Es ist ein Club für sich. Und irgendwie auch eine Welt für sich. Der Name stammt übrigens vom Stamm der Maori. In der Sprache der Einheimischen bedeutet Aorangi Mount Cook, der höchste Berg Neuseelands. Sinngemäß bedeutet er: „Wolke am Himmel“ oder „Wolkenkratzer“.
Was Wimbledon mit Neuseeland zu tun hat? Das Gelände wurde in den 1960er-Jahren vom All England Lawn Tennis Club gepachtet und an den London New Zealand Rugby Football Club vergeben. Ein Social Club war auch noch dabei – daher der Name.
Herrlicher Sound beim Scan
Der Aorangi Park liegt neben dem Henman Hill und hinter Court No. 1. Den Eingang findet man kaum. Es kommt auch nicht jeder rein. Man muss schon eine besondere Erlaubnis haben – in meinem Fall eine ITWA-Akkreditierung, was für International Tennis Writers Association steht.
Ich Glücklicher. Dieser herrliche Sound beim Scan gewährt mir den Eintritt in ein Paradies. Zumindest für Tennisliebhaber. Die neidischen Blicke der Fans, die draußen an einem Zaun stehen und sich nichts sehnsüchtiger wünschen, als Einlass in dieses Heiligtum zu bekommen, bestätigen das Privileg.
Im Grunde spiegelt Aorangi unter dem Brennglas den ganzen Tenniskosmos wider: satte grüne Rasenplätze – 20 Stück gibt es hier –, ein efeubehanges Clubhaus mit Restaurant, Café und Umkleidekabinen. Vor allem: das Who ist Who des Tennis.
Hat man Glück, so wie heute, sieht man: Alexander Zverev mit seinem Clan, der auf Weg zu seinem bevorzugten Trainingsplatz, Court 1, ist. Sein Hittingpartner, Matthias Bachinger, eilt der Entourage hinterher. Goran Ivanisevic hat gerade sein Training mit Neuschützling Arthur Fils beendet. Weiter unten – die Plätze sind terrassenförmig angeordnet – sieht man Nick Kyrgios.
Weiter oben, neben der Workout-Fläche, wo Matteo Berrettini Fußball spielt, ist es gerade wuselig. Kamerateams, Fotografen, Manager, Ausstatter von großen Brands, Familie von Spielern. Coco Gauff gibt ein Interview. Mirra Andreeva, die gerade das Training mit Conchita Martinez beendet hat, schneit auf ihre typisch unerschrockene Art rein ins Gespräch und fragt: „Coco, entwirfst du deine Mode selbst?“ Der englische Kameramann hält fröhlich drauf. Das Ding dürfte gut klicken im Netz.

Training beendet: Mirra Andreeva im Aorangi Park.Bild: Imago
Mode ist in diesen Tagen in Wimbledon – und überhaupt auf der Tour ein großes Thema. Bei Naomi Osaka weiß man allerdings nicht, ob sie aktuell Wimbledon mit Mailand oder Paris verwechselt hat. Was kommt bei den US Open, fragt man sich. Mehr gaga geht eigentlich nicht.
Djokovic spielt auf PC 2
Die Trainingsplätze selbst sind Stars zugeordnet. Oder besser formuliert: Die Stars haben ihre Lieblingstrainingsplätze hier. Aryna Sabalenka spielt meist auf PC eins (steht für Practice Court). Djokovic auf Platz zwei. Der Serbe ist allerdings gerade nicht da, hat gestern spät abends noch sein Erstrundenmatch gespielt. Auf Platz zwei übt gerade Alexander Bublik. Der setzt die Bälle so gekonnt in die Ecken, dass man sich fragt, warum es auf der Tour zur Zeit nicht so für ihn läuft. Ach ja: PC 3 war früher immer der bevorzugte Platz von Roger Federer. Daneben, auf PC 4, trainierte Rafael Nadal.

Fitness first: Die Profis haben perfekte Bedingungen, sich aufzuwärmen.Bild: Imago
Begibt man sich weiter nach unten, geht man durch ein schwarzes, gusseisernes Tor mit den Initialien AELTC (All England Lawn Tennis Club). Dann überquert man die Bathgate Road und gelangt man zu den Practice Courts 15 bis 20. Hier ist es unfassbar ruhig, obwohl gerade alle Plätze besetzt sind. Ein kleines Clubhaus gibt es hier auch nochmal. Daneben spielt Pablo Carrena Busta – im Hintergrund ein schlossartiges Gebäude, was das Flair hier unterstreicht – very british.
Ach ja: Vorhin hat hier Andreeva noch trainiert. Sie hat in rund eineinhalb Stunden, ich schwöre es, keinen Ball verschlagen. Würde mich nicht wundern, wenn die Paris-Siegerin auch Wimbledon gewinnt.
