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Fed Cup & Davis Cup: Die Bauernregeln der ITF

Es ist verwirrend: Die wichtigsten Team-Wettbewerbe im Welttennis – der Fed Cup und der Davis Cup – gleichen sich einerseits an. Gleichzeitig entfremden sie sich aber zusehends. Die Sandplatzgötter bemühen sich um Aufklärung.

So ein internationaler Tennisverband hat viele Aufgaben. Den Sport nach vorne zu bringen zum Beispiel. Und genügend Geld einzusammeln, um den Sport nach vorne zu bringen. Ob der neue von der Kosmos-Gruppe übernommene Davis Cup in dieser Hinsicht liefert – daran scheiden sich die Geister. Zumindest monetär scheint es, falls denn alle Versprechen und alle Laufzeiten eingehalten werden, ein guter Deal zu sein. Falls.

Ein Weltverband sollte seinen Sport aber auch dadurch nach vorne bringen, dass er sein Regelwerk und seine Modi möglichst einheitlich und damit verständlich hält. Auch der eher sporadische Zuschauer sollte nicht ständig komplett verwirrt werden. Das ist schon bei den Grand Slam-Turnieren grandios schief gegangen, die jetzt im Entscheidungssatz mit vier unterschiedlichen finalen Entscheidungsvarianten aufwarten. Kein Tiebreak, ein Tiebreak, ein Matchtiebreak? Bei 6:6 oder doch lieber bei 12:12? Wie hätten Sie es denn gerne? Bei den Australian Open waren sich teilweise sogar die Spieler nicht vollständig sicher, bei welchem Spielstand denn nun Schluss sei.

In dem großen Mannschaftswettbewerb, der immer noch Davis Cup heißt, kann man sich in Modus-Fragen auch nicht mehr unbedingt auf Erfahrungswerte verlasen. Gerne hätten ITF und Kosmos den Wettbewerb komplett in eine einwöchige Veranstaltung zum Saisonabschluss eingedampft. Jetzt hat man als kleine Reminiszenz an alte Zeiten doch noch eine Qualifikationsrunde mit Heimrecht und vier Einzeln vorgeschaltet. Natürlich aber nur mit Netz und doppeltem Boden.

Davis Cup-Qualifikation: Minimale Anzahl von Top-Spielern

Drei Gewinnsätze gibt es nicht mehr, auch sind die meisten Nationen mit Star-Potential ohne Vorrunde qualifiziert. Zwei weiteren Ländrn, in diesem Jahr Spanien und Argentinien, wird sie per Wildcard erspart. Das soll wohl die Unwägbarkeiten der Zusammensetzung des Feldes Ende November möglichst minimieren. Auch angesichts der Tatsache, dass sowieso  einige Stars der Szene wie Alexander Zverev ihren eigenen Kopf beweisen und zumindest der diesjährigen Premiere in Madrid fernbleiben. Resultat war nun aber auch eine minimale Anzahl von Top-Spielern in der Qualifikationsrunde.

Fed Cup

GELUNGENER AUFTRITT: Das deutsche Davis Cup-Team präsentierte sich in Frankfurt gegen Ungarn von seiner besten Seite.

Das deutsche Heimspiel gegen Ungarn hatte dabei trotz des absehbaren klaren Endresultats einen hohen Entertainment-Faktor. Der Grund dafür: ein höchstens in mittelmäßiger Form auflaufender Philipp Kohlschreiber und zwei beherzt agierende No-Name-Ungarn. Hier half der neue zweitägige Modus sogar vielleicht, denn weder Sascha noch Kohli blieb die Zeit, sich nach dem erfolgreich eingefahrenen dritten Punkt über Nacht noch irgendwelche tollen Ausreden zu überlegen, die das Antreten zu weiteren Einzeln unmöglich machen konnten.

Damit ist es aber dann in Madrid genau wie mit der Mitwirkung der deutschen Nummer eins schlagartig vorbei. Wenn es erst in Gruppen und dann im K.O.-System wirklich um das geht, was noch wie der Davis Cup aussieht, aber nur noch wie dessen Light-Version ausgetragen wird, wird manch einer vergeblich auf die Chance hoffen, dass sich die Partie nach einem 1:2-Zwischenstand noch in Richtung des Landes seiner Wahl dreht. Beim Finale ist nämlich schon immer nach einem Tag und zwei Einzeln sowie einem Doppel Schluss. Anders ließe sich das Event auch nicht in eine Turnierwoche pressen.

Fed Cup: Ein Abschlussturnier gab es bis 1995

Apropos Turnierwoche: Einem einwöchigen Finalturnier kann das deutsche Fed Cup-Team im Gegensatz zu seinem Davis Cup-Pendant selbst bei einem überraschenden Erfolg an diesem Wochenende in Braunschweig über Weißrussland nicht näher kommen. Ironischerweise gab es genau so ein Abschlussturnier im Fed Cup bis 1995. Damals hieß er noch Federation Cup . Und es wurden pro Ländervergleich zwei Einzel und ein Doppel ausgespielt. Man muss kein Raketenphysiker sein, um die Ähnlichkeit des damaligen Modus zu erkennen, den sich die ITF, Kosmos, Piquet und Shakira in ihrer vereinten Fachkenntnis nun für den „neuen Davis Cup“ ausgedacht haben.

Fed Cup

DAS WAREN NOCH ZEITEN: 1986 wurde der Fed Cup, der damals noch „Federation Cup“ hieß, innerhalb einer Woche in Prag ausgespielt. Das Finale gewannen die USA: 3:0-Sieg gegen die Gastgeber aus der Tschechoslowakei.

Das wurde dann aber Mitte der 90er Jahre alles gekippt, zugunsten von Wochenend-Veranstaltungen bis einschließlich zum Finale. Mit vier Einzeln und einem Doppel. Ausgetragen in Partien mit Heimrecht für eine der beiden beteiligten Nationen. Man wollte sich doch damals tatsächlich dem als attraktiver, reizvoller und erfolgreicher geltenden Davis Cup angleichen.

Der wurde jetzt komplett umgebaut, nachdem er zur Rechtfertigung als komplett aus der Zeit gefallener und nicht überlebensfähiger Dinosaurier der Tennisgeschichte gebrandmarkt wurde. Die dann eigentlich ebenfalls logische Rolle rückwärts für den Fed Cup blieb allerdings bisher aus, die neuen Herren des Davis Cups, Gerard Piquets Kosmos-Gruppe, ließen lediglich verlauten, dass man sich den Fed Cup auch noch gerne einverleiben würde. Um ihn dann „irgendwann“ als Anhängsel zeitgleich zum Davis Cup auszutragen.

Kein gleicher Ablauf bei Fed Cup & Davis Cup

Aber wenigstens kann man doch jetzt bei den Damen in Braunschweig, wo wie vor einer Woche in Frankfurt vier Einzel und ein Doppel ausgetragen werden, den gleichen Ablauf erwarten wie bei den Herren? Nein, nein, die Verantwortlichen bei der ITF scheinen weder Fans von „Diner for One“ zu sein, noch ein Herz für Menschen zu haben, die wie Adrian Monk gerne ihren Gewohnheiten frönen.

Denn diesmal geht es nicht freitags los, sondern erst am Samstag. Obwohl es für die weiblichen Profis doch ebenfalls nicht unbedingt das Schlechteste wäre, den Sonntag wie die Herren als zusätzlichen Regenerations- und Reisetag vor dem nächsten Turnier zu haben. Zusätzlich ist das Doppel nicht etwa wie im Davis Cup mittig zwischen den Einzeln platziert, sondern bildet abweichend weiterhin den Abschluss der Veranstaltung. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Einen Mangel an Variantenreichtum wird der ITF jedenfalls zurzeit niemand vorwerfen.