Alize Cornet

Mail aus New York: Der weltberühmte Sport-BH von Alizè Cornet

Alizé Cornet stand im Mittelpunkt der US Open. Nicht weil sie im Einzel und Doppel in der ersten Runde verloren hat, sondern weil der Vorwurf des Sexismus im Raum stand. Die Französin äußerte sich zu der Kontroverse um die Verwarnung wegen ihres Shirtwechsels.

Als Alizé Cornet per Lautsprecher für den Hauptinterviewraum angekündigt wurde, schallte Gelächter durch das Pressezentrum. Die Französin hatte gerade ihr Erstrundenmatch im Doppel verloren. Kein Grund also für ausgiebige Nachfragen. Doch das Interesse an Cornet war groß. Der Voruwrf des Sexismus stand bei den US Open im Raum. Spätestens seit dem Vorfall in Indian Wells 2016 gehen die Amerikaner damit behutsam um. Raymond Moore, Turnierdirektor in Indian Wells, hatte damals in einem Pressegespräch Folgendes gesagt: „In meinem nächsten Leben möchte ich jemand von der WTA sein. Weil sie im Fahrwasser der Männer schwimmen. Sie treffen keine Entscheidungen und haben einfach Glück. Sie haben sehr, sehr viel Glück. Wenn ich eine Spielerin wäre, würde ich jeden Abend auf die Knie sinken und Gott dafür danken, dass Roger Federer und Rafael Nadal geboren wurden. Denn die haben diesen Sport getragen.“

USTA passt nach Cornet-Verwarnung Regel an

Es folgte ein Shitstorm gegen Moore, der letztlich um Entschuldigung bat und von seinem Posten zurücktrat. Und somit den Weg frei machte für Tommy Haas als Turnierdirektor in Indian Wells. Hier in New York gab es nun die nächste Sexismus-Diskussion in den USA. In der Hauptrolle: Alizé Cornet. Die Französin hatte am Dienstag in ihrem Erstrundenmatch eine Verwarnung kassiert. Die Französin kam nach dem zweiten Satz nach der zehnminütigen Pause wegen der Heat Policy zurück auf den Platz, bemerkte dann, dass sie ihr frisches Shirt falschrum angezogen hatte. Cornet entkleidete sich auf dem Platz, stand wenige Sekunden im Sport-BH da und drehte das Shirt auf die richtige Seite. Die Folge: Verwarnung wegen unsportlichen Verhaltens.

Der Vorfall sorgte für reichlich Wirbel. In den sozialen Medien äußerten sich viele Personen zur Causa Sport-BH. „Diese Regel ist veraltet und unpraktisch“, schrieb Tennis-Ikone Billie Jean King auf Twitter. Die zweimalige US-Open-Siegerin Tracy Austin twitterte: „Lächerlich. Männer wechseln ihr Shirt mehrfach pro Spiel.“ Der US-amerikanische Verband USTA, Ausrichter der US Open, meldete sich kurz nach Spielbeginn des dritten Tages zu Wort. Man „bedauere“ den Vorfall, ließ man wissen und stellte klar, dass „alle Spieler ihr Shirt wechseln dürfen, wenn sie auf ihrem Stuhl sitzen“. Zudem hätte jede Spielerin die Möglichkeit, sich an einem privateren Ort umzuziehen.

Riesige Dimensionen

Die WTA teilte kurz darauf später mit: „Die Verwarnung der USTA gegen Alizé Cornet war unfair und basiert nicht auf den Regeln der WTA.“ Die WTA habe überhaupt keine Regel für das Umziehen auf dem Platz. „Wir sind froh, dass die USTA diese Regel geändert hat. Alizé hat nichts falsch gemacht.“ Viel Aufregung also darum, dass der Sport-BH von Cornet für wenige Sekunden zu sehen war. Immerhin dauerte es nur wenige Stunden, bis die USTA die Umziehregel auf dem Platz anpasste.

Und so saß Cornet also im großen Interviewraum und hielt ein Tag später Rede und Antwort. „Die Dimension, welches das ganze angenommen hat, ist riesig. Als ich heute Morgen aufgewacht bin, dachte ich nicht, dass die Verwarnung so bekannt werden würde in weniger als 24 Stunden. Ich bin davon sehr überrascht, weil auf dem Platz schien es mir so, dass es nur ein Fehler des Schiedsrichters war und nichts anderes. So habe ich das aufgefasst“, erklärte die 28-Jährige.

Kolleginnen wollten Revolution anzetteln

„Ich war überrascht über die Verwarnung, weil ich ganz schnell mein T-Shirt gewechselt habe. Das habe nicht erwartet. Ich habe dem Schiedsrichter gesagt, dass ich es seltsam finde.“ Warum es zu diesem Klamotten-Fauxpas überhaupt kam? „Als ich in der zehnminütigen Pause war, war ich spät dran und musste zurücklaufen. Ich habe mein T-Shirt ganz schnell angezogen und habe nicht bemerkt, dass ich es falschrum getan habe. Mein Freund sagte mir dann, dass mein T-Shirt umgedreht ist. Für mich war klar, dass ich den gesamten dritten Satz so nicht spielen kann“, klärte Cornet auf.“ Die Verwarnung habe sie aber nicht aus dem Spielrhythmus gebracht. „Das muss ich klar sagen. Ich war vielleicht gestört für zehn Sekunden.“

Die Französin erhielt nach dem Vorfall viele aufmunternde Reaktionen von Kolleginnen und ehemaligen Spielerinnen. „Als ich heute Morgen in der Umkleide war, kamen viele Spieler zu mir. Selbst ehemalige wie Tracy Austin. Ich fühlte mich davon sehr geehrt. Sie haben mir Unterstützung gegeben.“ Cornets größte Sorge: eine Geldstrafe für das Wechseln des Shirt auf dem Platz. „Jeder war besorgt, dass ich eine Geldstrafe erhalten könnte. Ich hatte eine Verwarnung wegen unsportlichen Verhaltens bekommen. Ich hatte Angst, dass es eine Strafe gibt. Alle Spielerinnen haben mich unterstützt und gesagt, dass sie zusammenstehen und eine Revolution anzetteln, wenn ich bestraft werden würde. Diese Unterstützung der Mädels war schön. Es fühlte sich an, dass wir eine Familie sind.“

„Einige Leute, die in einer anderen Welt leben”

Die Französin wollte wegen der kurzen Szene aber kein Fass aufmachen. „Ich denke, wir dürfen sehr glücklich sein als WTA-Spielerinnen, weil wir viel Gleichheit in unserem Sport haben. Das schätze ich sehr. Natürlich kann die Gleichheit zwischen Männern und Frauen besser sein, aber ich finde, wir sind auf dem richtigen Weg. Jeder arbeitet in die gleiche Richtung“, erklärte Cornet, schob dann aber eine Ausnahme hinterher. „Dann gibt es aber einige Leute, wie der Präsident meines Verbandes, die in einer anderen Welt leben und immer noch solche Kommentare machen können. Diese haben mich schockiert.“

Die Französin sprach das Verbot des Catsuits an, den Serena Williams bei den French Open getragen hatte. Der französiche Präsident Bernard Giudicelli kündigte wenige Tage zuvor an, dass es in Paris demnächst einen Dresscode geben werde. „Ich glaube, dass wir manchmal zu weit gegangen sind. Williams hatte sich im schwarzen Catsuit „wie eine Superheldin, eine Kriegerin, die Königin von Wakanda“ gefühlt. „Das wird nicht mehr akzeptiert. Der Sport und der Platz müssen respektiert werden“, sagte Giudicelli. Cornet ist anderer Meinung: „Was Bernard Giudicelli über Serena gesagt hat, war 10.000-mal schlimmer, was mir gestern auf dem Platz passiert ist. Er ist der Präsident des französischen Verbandes. Diese Person versteht nicht, dass wir alle bestrebt sind, dass es fairer für Frauen zugeht.“ Der große Gewinner in dieser Causa um Cornet: die Firma des Sport-BHs, der in etlichen Medien zu sehen ist.