Rafael Nadal

Mail aus New York: Rafael Nadal und die Matches, die helfen

Rafael Nadal musste Schwerstarbeit verrichten, um sein Drittrundenmatch bei den US Open gegen Karen Khachanov zu gewinnen. Nach dem mehr als vierstündigen Abnutzungskampf war der Spanier auch ein wenig froh, solch ein hartes Match gespielt zu haben.

Der Weg zu einem Grand-Slam-Titel ist steinig. Wer nach zwei Wochen die Siegertrophäe in die Luft stemmen möchte oder im Fall von Rafael Nafal reinbeißen möchte, der muss meist ein besonderes Match überstehen, um im Turnier zu bleiben. Für Nadal könnte es das Drittrundenmatch gegen Karen Khachanov gewesen sein, das sehr viel von dem bot, was Tennis so unterhaltsam macht: packende Ballwechsel, wechselndes Momentum, flatterige Nerven und die größte Kulisse, die man im Tennis haben kann – im Arthur Ashe Stadion. Der Titelverteidiger taumelte, verhinderte mit Ach und Krach einen 0:2-Satzrückstand und einen fünften Satz. Die nackten Zahlen: 5:7, 7:5, 7:6 (9:7), 7:6 (7:3) nach 4:23 Minuten Spielzeit (kurze Regenpause mit eingerechnet).

Nadal: „Es war eine tolle Show”

„Das war ein hartes Match. Ich bin durch einige schwierige Situationen gegangen“, zeigte sich Nadal erleichtert nach der Schwerstarbeit. „Es war ein anspruchsvolles Match, physich und mental. Deshalb trainieren wir jeden Tag, um diese Matches in einer tollen Atmosphäre mit einem tollen Publikum zu spielen. Es war ein toller Sieg gegen einen harten Gegner, ohne dass ich mein höchstes Level gespielt habe. Aber es war eine tolle Show. Gute Unterhaltung. Die Zuschauer haben es genossen, schätze ich.“ Nadals Gegner Khachanov trat mit Standing Ovations aus der größten Tennisarena ab. „Ich habe alles gegeben, was ich hatte. Ich denke, das hat jeder gesehen. Ich bin stolz auf mich, dass ich heute gut spielen konnte und bis zum Ende gekämpft habe. Es waren nur ein paar Punkte, die auch anders hätten ausgehen können“, sagte der Russe.

Dass der Sieger in dieser Partie nicht Khachanov hieß, lag auch mal wieder am unbändigen Siegeswillen von Nadal. Doch man musste sich Sorgen um den Spanier machen, der das Match mit einem getapeten Knie spielte. Khachanov, der bis dato im Turnierverlauf nicht einmal sein Aufschlagspiel verloren hatte, war gekommen, um den Matador aus Spanien nicht nur zum ersten Mal einen Satz abzunehmen, sondern zu stürzen. Der Russe spielte fokussiert, diktierte die Rallys mit seiner krachenden Vorhand und ließ sich auch von seinem ersten kassierten Break nicht aus der Ruhe bringen. Der Satzgewinn gab Khachanov noch mehr Auftrieb. Als er im zweiten Satz den Ausgleich zum 4:4 kassierte und mit einem weiteren Break antwortete, verfinsterten sich die Mienen in der Box von Nadal um Trainer Carlos Moya und Freundin Xisca.

Netzkante verhindert zwei Satzbälle für Khachanov

Es schien so, dass der Russe zu einer 2:0-Satzführung stürmen würde. Oft sind es Millimeter, die ein Match in eine andere Richtung lenken. Ein Ball von Khachanov kullerte vom Netz zurück auf seine Seite. Statt zwei Satzbällen hieß es 30:30. Nadal schaffte den Ausgleich zum 5:5 und war wieder im Spiel. Nieselregen setzte ein, sodass das Dach des Arthur Ashe Stadions geschlossen werden musste. Für Nadal eine willkommene Gelegenheit, um sich in der Umkleidekabine kurz zu sammeln. Es kam, wie es fast schon kommen musste. Nach der mehrminütigen Pause schlug der Spanier erbarmunglos zu und schaffte den Satzausgleich.

Spätestens als Nadal im ersten Spiel des dritten Satzes drei Breakbälle in Folge abwehren konnte, war er auf Betriebstemperatur. Doch Khachanov ließ sich nicht beirren und spielte sich mit starken Aufschlag und geduldigem Powertennis in den Tiebreak. Umso länger das Match dauerte, umso spektakulärer und intensiver wurden teilweise die Ballwechsel. Im Tiebreak zeigten beide Spieler Nerven. Khachanov servierte drei Doppelfehler, sie kosteten ihn die erneute Satzführung. Nadal nutzte schließlich seinen fünften Satzball.

Der Spanier wurde nun von der Grundlinie immer stärker. Die Folge: das Break zum 2:1 im vierten Satz. Das Match schien gelaufen. Doch wie aus dem Nichts gelang dem Russen mit einem Break zu null der Ausgleich zum 5:5. Plötzlich wackelte Nadal wieder, er sah sich kurz darauf einem Satzball gegen sich gegenüber. Über vier Stunden zeigte die Uhr bereits an. Eine weitere Wendung? Nein, Nadal blieb cool und packte im Tiebreak mit sein beste Tennis in diesem Match aus.

Nadal: „Gefühl sagt mir, dass ich bei hundert Prozent sein werde”

Nach dem Abnutzungskampf erwähnte der Titelverteidiger mehrmals, wie wichtig solche Matches im Turnierverlauf sind. „Diese Art von Matches helfen. Sie helfen dir, selbstbewusst zu sein, dich stärker zu fühlen und zu verstehen, wie du in deinem nächsten Match spielen solltest. Zu einem bestimmten Punkt musst du durch solche taffen Momente gehen.“ Wenn Nadal in einer Woche im US-Open-Finale stehen sollte, seinen Titel verteidigen und damit Grand-Slam-Titel Nummer 18 eintüten würde, dann wird er sicherlich an dieses besondere Match gegen Khachanov denken. Es ist nicht so, dass der Spanier ganz dicht vor dem Aus bei den US Open gestanden hatte, doch der 0:2-Satzrückstand sowie ein fünfter Satz lagen in der Luft.

Die Frage wird sein, ob dieses Match bei ihm zusätzliche Kräfte freigesetzt hat, wie es schon so oft der Fall war, oder ob die Knieblessur und die 4:23 Stunden Spielzeit in den nächsten Tagen ihre Auswirkung zeigen. Über das getapete Knie wollte Nadal nicht ausführlich sprechen. „Ich habe etwas gespürt, aber ich versuche, während des Turniers nicht allzu sehr über solche Dinge zu reden. Wenn das Turnier zu Ende ist, ist es besser und einfacher. Aber mein Gefühl sagt mir, dass ich bei hundert Prozent sein werde in der nächsten Runde.“ Es klingt ein wenig nach einer Kampfansage an die Konkurrenz.