2018 French Open – Day Four

Mail aus Paris: Ausbaupläne und Nadals letztes Trainingsgeheimnis

Die French Open im Stade Roland Garros sind in vollem Gange. Und während auf 16 Plätzen geächzt und geackert wird, arbeitet man hinter den Kulissen an der Zukunft von Roland Garros 2020. Geschätzte Kosten: 500 bis 700 Millionen Euro. tennismagazin.de war auf Spurensuche am Rande des Bois de Boulogne und fand dabei ein letztes Trainingsgeheimnis von Rafael Nadal heraus.



Gilles Jourdan ist ein wichtiger Mann in Paris. Er ist zwar weitestgehend unbekannt, zumindest bei Tennisfans, aber er hat eine große Aufgabe. Jourdan, ein etwa 60-jähriger, sehr freundlicher Mann nennt sich: Directeur Projekt Nouveau Stade Roland-Garros. Zu deutsch: Er kümmert sich um die Zukunft des zweiten Grand Slam-Turnier des Jahres.

Zukunft ist in diesem Jahr das große Thema. Wer über die Anlage spaziert, sieht auf XXL-Screens Videos, wie die Anlage am Rande des Bois de Boulogne 2020 aussehen soll. Per Kamera wird aus der Luft spektakulär über eine Animation gefahren. Die Botschaft: ein absoluter Traum. Auf Flugblättern, die ausliegen, steht: „Neue Plätze und neue Ausblicke: die Transformation geht weiter.

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Wobei: Die Gegenwart ist schon ein bisschen Zukunft. Neu in diesem Jahr: „Le Village“, dieser riesige Tempel aus Holz und Glas, wo die Sponsoren ihre Lounges haben. Edle Möbel stehen hier, teure Pflanzen. Vom Dach hat man einen fantastischen Ausblick auf die Courts 7 und 9.

 

So sieht es aus, das Le Village, Roland Garros 2018. Foto: FFT

Court 18 ist ebenfalls neu. Er liegt hinter dem Court Suzanne Lenglen. Von hier kann man den Eiffelturm sehen. Wer Zeuge der Partie zwischen Dominik Thiem und Stefanos Tsitsipas war, die am Mittwoch begann und am Donnerstag fortgesetzt wurde, war fasziniert von dem Match – aber auch von dem Court. 2.000 Zuschauer passen drauf. Es ist eine intime Atmosphäre. Es erinnert ein bisschen an die kleinen Showcourts in Melbourne und Wimbledon.

Dominik Thiem sagt: „Ein toller Platz. Ich spiele lieber auf einem kleineren Court mit vielleicht 2.000 Zuschauern, der aber vollgepackt ist, als im Court Philippe Chartrier, der nur mit 7.000 Zuschauern gefüllt ist.“ Zum Verständnis: 15.000 Zuschauer haben im Hauptstadion in Paris Platz.

Court 18 ist ebenfalls neu in Roland Garros. Hier duellierten sich Dominic Thiem und Stefanos Tsitsipas. Foto: FFT

Jourdan, der bis 1977 für Roland Garros arbeitete, dann eine Auszeit nahm, unter anderem für die Tour de France zuständig war und 2011 ins Organisationsteam der FFT (französischer Verband) zurückkehrte, ist ebenfalls begeistert von dem neuen Platz. Nur heißt er, wenn alle Arbeiten abgeschlossen sind, nicht mehr Court 18, sondern Court 14. Wir sitzen inzwischen im Büro von Jourdan im Bauch des Court Philippe Chatrier. Es ist eine Art Kommandozentrale. An den Wänden hängen Fotos wie Roland Garros mal ausgesehen hat – auch von 1920 – und es hängen Pläne dort, wie es in Zukunft aussehen wird. Jourdan ist der Hüter der Pläne.

Er weiß sehr wohl, dass ein gewisser Druck auf Paris lastet. Es ist das kleinste Grand Slam-Turnier. Wenn alles fertig ist, wird die Fläche 12,5 Hektar betragen. Zum Vergleich: Wimbledon liegt bei ungefährt 17, die US Open bei 20 und die Australian Open bei 25 Hektar.

Ist die Anlage also immer noch zu klein? „Nein“, sagt Jourdan, „es wird genug Platz da sein.“ Im Übrigen: „Der französische Verband hat sich 2011 entschieden, die Anlage hier zu behalten. Wir spielen nach wie vor mitten in Paris. Das gibt es nicht in London, New York oder Melbourne. Da sind die Tenniszentren außerhalb. Hier zu bleiben war eine gute Entscheidung.“

Jourdan nimmt die vergleichsweise kleine Größe gern in Kauf. Immerhin das Gelände ist größer als bisher, weil hinter dem Botanischen Garten zusätzliches Land gekauft wurde. Land, um das man lange gerungen hat. „Wir sind einen Kompromiss eingegangen“, sagt Jourdan. Er besteht darin, dass ganz Roland Garros künftig eine Art Botanischer Garten ist. „Hier werden 200 Bäume stehen. Wissen Sie, wieviele in Wimbledon stehen?“ Schulterzucken beim Reporter – „Einer!“

 

So soll die Anlage rund um den Centre Court 2020 aussehen. Foto: FFT

Im wesentlichen sieht der Plan so aus: Court 1, die bekannte Stierkampfarena, wird durch eine Art Park ersetzt, wo sich die Fans aufhalten können. Ist das nicht traurig? Jourdan lächelt: „Nein. Alle reden über diesen Platz, aber er ist nicht historisch, nicht die DNA des Turniers. Er entstand 1984 oder so.“ Klar sei er schön, aber die Ausmaße passen nicht mehr zum modernen Tennis.

Das konnte man wunderbar beobachten, als am Mittwoch Alexander Zverev gegen Dusan Lajovic spielte. Häufig wurden beide durch die Banden gestoppt, konnten nicht vernünftig ausholen. Es hat den Anschein: Für das moderne Spiel reicht die Stierkampfarena nicht mehr.

Court 1 wird durch den „Simonne-Matthieu Court“ ersetzt, ein Platz für 5.000 Zuschauer – hinter dem Botanischen Garten gelegen in Richtung Porte d’Auteuil, da wo das Nachtleben im 16. Arrondissement stattfindet. „Er ist in 15 Tagen fertig“, sagt Jourdan. Nächstes Jahr wird auf ihm gespielt. Dass es ein irrer Platz ist, sieht man schon jetzt. Topmodern, mit sehr viel Glas. Trainingsplätze und Fitnesscenter hat man ausgelagert, auf die andere Straßenseite, 500 Meter entfernt – elf Trainingsplätze gibt es dort –, wodurch noch mehr Platz im Herzen von Roland Garros entsteht.

In zwei Wochen ist der neue Platz samt botanischem Garten fertiggestellt. Foto: FTT

„Ach ja“, sagt Jourdan und grinst, „es gibt noch einmal vier Trainingsplätze. Im Bois de Boulogne, dem riesigen Wald gegenüber von Roland Garros, liegen sie. Jourdan: „Nadal trainiert hier gern.“ Das letzte Geheimnis von Paris? „Ja, ich denke, die Plätze kennen nicht viele.“

Insgesamt sollen sich die Umbaukosten zwischen 500 und 700 Millionen Euro einpendeln. Und was ist mit Dächern, die man so dringend braucht, um TV-Zeiten zu garantieren und Fans, Offizielle und Spieler bei Regen nicht zu frustrieren? 2020 wird Court Philippe Chatrier überdacht sein. Bei Suzanne Lenglen, dem mit 10.000 Plätzen zweitgrößten Platz muss man noch Überzeugungsarbeit leisten, die Anwohner mit ins Boot nehmen. Jourdan könnte sich vorstellen, dass es 2024 so weit ist, wenn die Olympischen Spiele in Paris Station machen. Dann nämlich soll Boxen im Court Suzanne Lenglen steigen – am besten mit Dach.

Die Planungen für Monsieur Jourdan – sie sind noch längst nicht abgeschlossen.

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