Alcaraz: „Habe es satt, in jeder Runde gegen Roger Federer zu spielen“
Carlos Alcaraz ist bei den Miami Open schon früh gegen Sebastian Korda ausgeschieden. Ein Vergleich vom ihm beschäftigt die Tour aber noch.
Die Großturniere von Indian Wells und Miami liefen so gar nicht nach einem Geschmack: Carlos Alcaraz verlor in der kalifornischen Wüste als Titelverteidiger im Halbfinale gegen Daniil Medvedev. Und in Florida erwischte es ihn bereits in der dritten Runde, als er ziemlich überraschend gegen Sebastian Korda, Nummer 36 im Ranking, ausschied. Gegen einen derart niedrig platzierten Gegner hatte der Weltranglisten-Führende zuletzt vor einem Jahr verloren: 2025 scheiterte in er Miami zum Auftakt an David Goffin, der damals auf Platz 55 stand.
Bereits in Indian Wells, als Alcaraz gegen Arthur Rinderknech mit 6:7, 6:3, 6:2 gewann, hatte er sich über die Qualität seiner Gegner „beschwert“. Mit einem Schmunzeln im Gesicht sagte er: „Um ehrlich zu sein, habe ich es manchmal satt, in jeder Runde gegen Roger Federer spielen zu müssen. Manchmal fühlt es sich so an, als würden sie (seine Gegner, Anm. d. Red.) wirklich auf einem verrückten Niveau spielen. Ich weiß nicht, ob ich das falsch empfinde, jedoch habe ich das Gefühl, dass es immer gegen mich so ist. Wenn sie in jedem Match auf diesem Niveau spielen würden, dann müssten sie in der Weltrangliste höher stehen. Natürlich ist das etwas, das mich beschäftigt. Wenn ich spiele, denke ich daran.“
😂 Carlos Alcaraz sobre sus rivales:
🗣️ “Estoy harto de jugar contra Roger Federer en cada ronda (risas). Siento que los jugadores están jugando a un nivel increíble contra mí”.
pic.twitter.com/67dvGv3tAS https://t.co/mKJp9KzFAo— Tiempo De Tenis (@Tiempodetenis1) March 10, 2026
Alcaraz: „Sie spielen ohne Druck“
Das Thema kochte auch in Miami wieder hoch, nachdem Alcaraz gegen Korda ausgeschieden war: „Es fühlt sich so an, als hätten meine Gegner mehr zu gewinnen als zu verlieren, und es fühlt sich an, als würden sie ohne Druck spielen. Es ist ein bisschen nervig, jedoch man muss es akzeptieren und weitermachen.“ Alcaraz liegt mit seinen Einschätzungen sicherlich nicht falsch. Denn wer gegen die Nummer eins antritt, hat im Prinzip nichts zu verlieren und kann befreit aufspielen.
Ganz so einfach sei es nun aber auch wieder nicht, widersprach Arthur Rinderknech in einem Interview mit der L’Equipe: „Ich bin nicht sicher, ob er immer gegen Spieler antritt, die wie Federer spielen. Wenn das so wäre, würde Alcaraz nicht all diese Matches so gewinnen, wie er es tut. Wenn man sieht, wie er die meisten Gegner oft dominiert, dann denke ich, dass er in seinen Matches größere Probleme hätte, wenn diese Spieler tatsächlich wie Federer spielen würden.“
THE MOMENT SEBASTIAN KORDA BEAT CARLOS ALCARAZ IN MIAMI
Biggest win of his life
At 25 years old… he’s had so many injuries, he hasn’t been allowed to fulfill his massive potential
He’s letting nothing hold him back
Unreal talent ready to thrive 🇺🇸🥹
— The Tennis Letter (@TheTennisLetter) March 22, 2026
Dennoch äußerte sich Rinderknech aber auch verständnisvoll zu den Aussagen von Alcaraz: „Es ist ein bisschen wie bei allen Ligue-1-Teams (erste französische Liga, Anm d. Red.), wenn sie gegen Paris Saint-German spielen – das ist dann das Spiel des Jahres. Manchmal kommt dabei eine Partie heraus, die ein wenig über dem üblichen Niveau liegt.“
Sinner: „Muss man akzeptieren“
Auch Jannik Sinner wurde in Miami auf die Äußerungen seines Rivalen angesprochen. Und Sinner antwortete so, wie man es von ihm erwarten konnte – höchst sachlich. „Ich versuche, jeden Gegner auf die gleiche Weise zu behandeln. Ich habe viel Respekt vor allen. Ich versuche nur, mein Bestes zu geben und zu kontrollieren, was ich kann. Der Rest liegt nicht bei mir. Wenn der Gegner besser spielt, muss man es akzeptieren“, sagte er im Tennis Channel im Anschluss an seinen umkämpften 7:5, 7:6-Sieg gegen Alex Michelsen im Achtelfinale von Miami.
Alcaraz hatte bei seiner Niederlage gegen Korda auf dem Court laut geklagt. „Ich kann nicht mehr. Ich will nach Hause, Mann. Ich kann nicht mehr. Ich kann nicht mehr“, rief er auf spanisch in Richtung Spieler-Box. Auch dazu äußerten sich inzwischen einige Tennisgrößen. „Es ist völlig normal, dass man irgendwann müde wird und das auch so deutlich zur Sprache bringt. Das sind typische Gedanken, wenn man im Kopf ein wenig blockiert ist. Und genau das ist Carlos passiert“, meinte Eurosport-Experte Àlex Corretja. Alcaraz war mit 16 Siegen in Serie in die Saison gestartet: „Das ist zwar spektakulär, kann einen aber auch auslaugen“, so Corretja.
Nadal: „Niederlagen sind unwichtig“
Ähnlich sieht es auch Rafael Nadal, dem jüngst an der Universidad Politécnica de Madrid die Ehrendoktorwürde verliehen wurde. „Jeder, egal wie erfolgreich er ist, hat das Recht, sich eines Tages frustriert oder müde zu fühlen. Ich glaube, als er das bemerkte, hätte er es lieber nicht gezeigt. Es hat ihm wahrscheinlich nicht gefallen, sich so zu sehen, aber das ist verständlich. Wir werden uns keine Sorgen wegen zweier Niederlagen machen, sie sind unwichtig“, erklärte Spaniens Tennis-Legende.
Für Alcaraz geht es nun nach einer Pause in seiner Heimat Murcia auf Sand weiter. Am 6. April beginnt das Masters-1000er-Turnier von Monte Carlo, bei dem er als Titelverteidiger antreten wird. Je nachdem wie sich Konkurrent Jannik Sinner noch in Miami schlägt, könnte es gut sein, dass es in Monte Carlo bereits um die Nummer eins gehen wird. Sollte der Italiener das „Sunshine Double“ mit dem Miami-Titel komplett machen, wird es im Fürstentum ein echtes Duell um den Platz an der Sonne geben.
