2018 US Open – Day 4

Angelique Kerber nach dem Zittersieg: „Das gibt Selbstvertrauen“



Angelique Kerbers Zittersieg in der zweiten Runde der US Open muss kein Vorbote für ein frühes Aus sein. Das beweist der Blick in die erfolgreiche Grand-Slam-Vergangenheit der Kielerin.

New York (SID) Vielleicht muss es immer so sein. Vielleicht war die Zitterpartie, die Angelique Kerber am Donnerstag in New York erlebte, kein böses Vorzeichen für den weiteren Turnierverlauf, sondern ganz im Gegenteil: ein gutes Omen. „Irgendwie hat es bei meinen Grand-Slam-Siegen in den ersten Runden ja immer etwas Besonderes gegeben“, sagte die Kielerin. Einen Matchball für die Gegnerin zum Beispiel wie damals in Australien. Oder ein nervenaufreibendes Marathon-Match gegen eine krasse Außenseiterin wie vor wenigen Wochen in Wimbledon.

Kerber muss nicht einmal besonders abergläubisch sein, um Energie und Hoffnung aus dem seltsamen Spielverlauf ihrer zweiten Runde bei den US Open zu ziehen. Immerhin ging ja alles noch einmal gut aus, nachdem sie gegen die Schwedin Johanna Larsson eine haushohe Führung völlig unnötig verspielt hatte. „Ich bin trotzdem ruhig geblieben und habe gewonnen. Das gibt mir Selbstvertrauen“, sagte Kerber nach dem 6:2, 5:7 und 6:4.

Im reifen Tennisalter von 30 Jahren weiß sie genau: Es muss nicht immer die beste Leistung sein, die Hauptsache bei einem Grand Slam ist, den Court als Siegerin zu verlassen. 2016, bei ihrem Triumph in Melbourne, war sie gegen Misaki Doi nur einen einzigen Punkt vom Aus entfernt. Zuletzt in Wimbledon hätte ihr Kindheitstraum bereits im zweiten Match gegen die unbekannte Qualifikantin Claire Liu platzen können. Und auch vor zwei Jahren, als sie zum ersten Mal in New York siegte, verspielte sie in der zweiten Runde gegen Mirjana Lucic-Baroni beinahe eine beruhigende Führung.

Kerber: „Muss mich steigern und besseres Tennis spielen“

Wichtig sei nur, die richtigen Lehren zu ziehen. „Ich muss mich steigern und besseres Tennis spielen“, sagte Kerber: „Darauf wird es ankommen.“ Schon in der dritten Runde am Samstag gegen die Slowakin Dominika Cibulkova. Die ist zwar weit von ihrer Bestform entfernt, die sie vor zwei Jahren zum Titel beim Saisonfinale in Singapur getragen hatte – damals übrigens im Finale gegen Kerber. „Doch mich erwartet ein hartes Match“, sagte die Deutsche. Und ein lautes dazu. „Domi ist eine emotionale Spielerin, die sich ohne Ende pusht.“ Und nie aufgibt.

Diese Qualität zeichnet jedoch auch Kerber aus. Bei „gefühlt 50 Grad“ im Arthur-Ashe-Stadium schluckte sie gegen Larsson den Ärger über über ihre taktischen Fehltritte, die sie sich nach dem 5:2 im zweiten Satz geleistet hatte, herunter und nahm den Kampf an. „Ich habe mich zurückgezogen, anstatt das Heft in der Hand zu behalten. Sie hatte aber auch nichts mehr zu verlieren“, sagte Kerber. Im „Überlebenskampf“ des dritten Durchgangs erwies sie sich einmal mehr als unerbittlich gegen sich selbst.

Was bleibt nun also von diesem Härtetest im aufgeheizten New York? Die Müdigkeit in den Beinen sollte nach einem Tag Pause verschwunden sein, „ich weiß, dass ich viel für meine Fitness getan habe“, sagte Kerber. Zudem sinken die Temperaturen, für Samstag sind freundliche 26 Grad vorausgesagt. Die Vorzeichen könnten schlechter stehen – und überhaupt: Kerber ist noch dabei.

Simona Halep und Caroline Wozniacki, Nummer eins und zwei der Tenniswelt und Champions von Paris und Melbourne, haben ihre Zitterpartien nicht überstanden und sind bereits ausgeschieden.

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