Dominik Koepfer

Dominik Koepfer: „Wimbledon ist ein Traum“

Am Donnerstag spielt Dominik Koepfer sein Zweitrundenmatch in Wimbledon gegen Diego Schwartzman. Für tennismagazin.de hat der 25-Jährige die bislang aufregendsten Tage in seiner Tenniskarriere aufgeschrieben.

Text: Dominik Koepfer

Natürlich war es immer mein Traum bei allen Grand Slams zu spielen, aber realistisch war das eigentlich nicht. Erst nach dem College habe ich gemerkt, dass auch für mich die Möglichkeit besteht, bei den Major-Turnieren dabei zu sein. Für die Qualifikation sollte es reichen, dachte ich mir. Dass es jetzt gleich im zweiten Jahr das Hauptfeld in Wimbledon ist und dass ich dann auch noch in Runde eins gewinne, ist einfach unglaublich. Es ist ein Traum. Wimbledon – das war früher Federer im Fernsehen. Boris Becker ist ein bisschen vor meiner Zeit gewesen. Ihn habe ich nicht mehr miterlebt. Als Zuschauer war ich nie in Wimbledon.

Am Sonntagabend bin ich angekommen. Ich bin direkt nach dem Challenger in Ilkley nach London gefahren. Knapp drei Stunden war ich im Zug mit meinem Coach Rhyne Williams unterwegs. Wir waren ziemlich platt von dem ganzen Tag, aber wir sind am Abend noch Essen gegangen. Nachdem ich eine Woche lang nur Pasta gegessen habe, weil wir immer im gleichen Restaurant waren, gab es am Sonntag Burger mit Pommes. Das musste einfach sein.

Montags habe ich erstmal frei gemacht und nicht viel unternommen. Erst am Dienstag bin ich zum ersten Mal auf die Anlage gefahren. Für die Qualifikationswoche hatte ich eigentlich vorher ein Airbnb im Wimbledon Village gebucht. Aber da ich die Wildcard erhalten habe, musste ich mich wieder nach etwas Neuem umschauen. Zum Glück habe ich noch ein Zwei-Bett-Apartment mit zwei Zimmern gefunden. Es ist auch nur fünf Minuten von der Anlage weg. Den Fahrservice zur Anlage bekomme ich sogar gestellt.

Die Umkleiden sind der Wahnsinn

Überhaupt: Hier bekomme ich so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann. Wenn ich meine Wäsche abgebe, ist sie zwei Stunden später fertig und gefaltet. Das Spielerrestaurant ist gut. Da habe ich unglaublich viel Auswahl. Auch auf unserem Badge haben wir viel Guthaben. Ich gehe jeden Tag von der Anlage und habe noch 40 Pfund über, weil ich gar nicht weiß was ich noch essen soll.

Auf den Centre Court habe ich auch mal reingeschaut. Er ist kleiner als ich gedacht habe, aber es ist der Centre Court von Wimbledon und von daher ist er sehr besonders. Die ganze Anlage mit den vielen Blumen hier, das ist unglaublich. Die Umkleiden mit knapp 20 Duschen sind der Wahnsinn. Im Vergleich zu dem, was ich sonst gewohnt bin, ist es schon gut. Dort habe ich dann auch mal Roger Federer und Novak Djokovic vorbeilaufen gesehen. Das ist dann schon etwas Besonderes. Aber mit ihnen gesprochen habe ich nicht.

Am Mittwoch habe ich dann das erste Mal hier auf den Trainingsplätzen gespielt, in Aorangi, der Trainingsanlage. Ich glaube, ich habe bislang fünf Tage trainiert. Bis jetzt habe ich mit Denis Kudla, Tenis Sandgren, Dan Evans, einigen Amerikanern und Kevin Anderson trainiert. Mit Kevin habe ich sogar eine Stunde lang auf dem Matchcourt Nummer elf gespielt.

Die meisten Spieler kannte ich schon, aber bei ihm war ich schon ein bisschen nervös. Er ist ja der Vorjahresfinalist und in diesem Jahr an Nummer vier gesetzt. Da hatte ich schon etwas Respekt. Besonders in den ersten zehn Minuten wollte ich auch keinen Ball ins Netz spielen. Aber es sind auch nur Tennisspieler. Sie waren auch mal in der Position, in der ich jetzt bin. Als wir dann Punkte gespielt haben, hat sich meine Aufregung auch gelegt. Es hilft natürlich auch, wenn solche Spieler nett und nicht zu ernst auf dem Trainingsplatz sind. Letztendlich lief es eigentlich ganz gut. Ach ja: Er schlägt richtig gut auf.

Ich habe noch nie Kaffee in meinem Leben getrunken

Zu meinem Tagesablauf: Das Frühstück mache ich mir immer selber – Eier mit Toast, Joghurt, kein Tee, kein Kaffee, immer Wasser. Ich habe übrigens noch nie Kaffee in meinem Leben getrunken. Dann werden wir vom Fahrservice abgeholt und es geht auf die Anlage.

Täglich war ich bisher immer ein paar Stunden zum Training dort, gegen vier geht es wieder nach Hause, sodass ich nicht so viel auf die Live Scores schaue. Ich will dann versuchen, vom Tennis abzuschalten. Abends habe ich mich häufig mit ein paar Spielern getroffen. Zum Beispiel Denis Kudla, den kenne ich ganz gut aus Amerika, weil er auch in Saddlebrook trainiert hat. Manchmal mache ich auch etwas mit meinen Trainern oder meiner Familie.

Mein Vater Thomas und meine Schwester Bettina sind auch hier. Sie wollten eigentlich zur Qualifikationswoche kommen, aber das hat sich ja dann geändert. Dann sind sie am Samstag hergekommen.

Nach meinem ersten Match gestern, haben mich Spieler, die ich kannte, auf meinen Erstrundensieg angesprochen. Ich hatte ziemlich viele Nachrichten auf dem Handy. Damit habe ich fast den ganzen Abend verbracht.

Preisgeld schwirrt nicht im Kopf rum

Der erste Satz, am Dienstag gegen Filip Krajinovic, lief erstaunlich gut. Ich habe gedacht, ich wäre nervöser, als ich es wirklich war. Ich habe gut gespielt. Dann hat er eine Stunde lang wirklich sehr gut gespielt. Ich hatte kaum eine Chance in seinen Aufschlagspielen. In der Mitte des dritten Satzes hat er mich dann gebreakt. Ich habe gewusst, dass, wenn ich jetzt noch genug Bälle reinspiele und einfach meine Chancen nutze, dann krieg‘ ich auf jeden Fall noch eine Chance, ihn zu zurück zu breaken. Das habe ich dann auch geschafft. Im Tiebreak ging es dann natürlich hin und her. Wir haben wahrscheinlich beide gewusst, dass es der Schlüssel zum Erfolg wird, den dritten Satz zu gewinnen. Zum Glück, habe ich dann, nach dem vierten oder fünften Satzball, endlich den Satz zugemacht. Im vierten Satz, nachdem ich ihn gebreakt habe, hat er nicht mehr gekämpft und es einfach hergeschenkt. Am Ende hat er nur „Good match“ zu mir gesagt. Also nichts Besonderes.

Bei so einem Match schwirrt mir das Preisgeld von jetzt schon rund 80.000 Euro nicht so wirklich im Kopf rum. Ich habe versucht, mich auf das Spiel zu konzentrieren. Es ist natürlich eine andere Umgebung hier als bei den Challengern. Ich weiß, dass es um mehr Punkte und mehr Geld geht, aber das versuche ich in den Hintergrund zu drängen. Ich versuche mich dann bei den Seitenwechseln immer darauf zu konzentrieren, was ich jetzt machen muss in den nächsten zwei Spielen.

Rituale habe ich eigentlich keine. Ich höre keine Musik vor den Matches. Ich versuche einfach mich zu entspannen. Eine gewisse Routine gehört dazu. In dieser Woche gibt es abends keine Pasta, wir gehen zum Thailänder um die Ecke.

Aufschlag hilft mir auf Rasen

Wie ich mich jetzt auf meinen nächsten Gegner Diego Schwartzman einstelle, bespreche ich mit meinem Coach. Er hat gestern ein bisschen zugeschaut, als er gegen Matthew Ebden gespielt hat. Meistens sprechen wir eine Stunde vor dem Match noch einmal, wie der Matchplan aussieht. Ich denke, da ist auf jeden Fall wieder was drin. Ich weiß, dass er nicht unbedingt der Rasenspezialist ist, aber er steht an Nummer 24 in der Welt zurzeit. Und das schon seit einigen Jahren, von daher wird es auf jeden Fall ein sehr schweres Match.

Ich würde aber sagen, dass mein Aufschlag mir auf jeden Fall auf Rasen hilft. Ich bin Linkshänder und durch den Spin sind meine Schläge für den Gegner nicht so gewöhnlich. Ich fühle mich gerade auch relativ sicher mit meiner Rückhand. Mit der Vorhand habe ich manchmal meine Probleme, wenn es so schnell wird. Aber mit Selbstvertrauen spielt es sich natürlich leichter, vor allem auf schnelleren Belägen.

Was ich mir wünsche: Klar, gewinnen! Dann würde der Traum weitergehen.

Aufgezeichnet von: Andrej Antic