Steht trotz Niederlage im Halbfinale: Dominic Thiem

Ines Ibbou über Dominic Thiem: „Respektlos“

Dominic Thiem hat mit seinen kritischen Aussagen über geplante Hilfsfonds für verschiedene Spieler für viel Aufsehen gesorgt. Nun wendet sich die Weltranglisten 620. Ines Ibbou mit harten Worten an den Österreicher.

Vor wenigen Wochen unterbreiteten Novak Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer den Vorschlag, einen Hilfsfonds für schlechter gerankte Spieler einzurichten. Besonders Spieler die zwischen Platz 250 und 700 stehen, sollten Hilfe erhalten. Während sich einige Profis begeistert von der Idee zeigten, fand Dominic Thiem klare Worte gegen eine Unterstützung dieser Spieler. In einem Interview mit der Kronen-Zeitung sagte er: „Ich kenne die Future-Tour, habe dort zwei Jahre lang gespielt. Dort gibt es viele Leute, die dem Sport nicht alles unterordnen.”

Dominic Thiem: „Es muss keiner verhungern”

Auch er habe sich seine Erfolge selbst erarbeiten müssen und habe sich eigenständig hochgekämpft: „Keiner von uns Top-Leuten hat das geschenkt bekommen. Wir mussten uns alle hochkämpfen. Ich habe in keinem Beruf die Garantie, irgendwann einmal richtig viel Geld damit zu verdienen. Es kämpft kein Tennisspieler, auch nicht die, die weiter unten stehen, ums Überleben. Es muss keiner verhungern.”

Diese klare Positionierung traf vor allem die Weltranglisten 620. Ines Ibbou. Die Algerierin fühlte sich durch Thiems Worte angegriffen und wandte sich deshalb mit einem öffentlichen Brief sowohl an die Öffentlichkeit als auch an Dominic Thiem. „Lieber Dominic, nach deinem letzten Statement habe ich überlegt, was mit meiner Karriere und meinem Leben gewesen wäre, würde ich in deinen Schuhen stecken”, begann sie ihr Statement. Dabei stellt sie sich selbst die Frage: „Was wäre aus mir geworden, wenn ich die selben Chancen gehabt hätte wie der ‚geschlossene Zirkel‘ eurer Tenniswelt?”

Ibbou: „Niemand hat dich um etwas gebeten”

Ines Ibbou feierte bereits auf der Junioren-Tour gute Ergebnisse. Den Durchbruch bei den Profis schaffte sie bislang jedoch nicht. Im September 2019 erreichte sie ihr bestes Ranking mit Position 604. 2020 erspielte Ibbou erst 3.135 Dollar Preisgeld. In ihrer gesamten Karriere kommt die Algerierin auf knapp 27.800 Dollar. Sie habe immer nur so viel bekommen, dass es für wenige Turniere reichte. Um ihren Eltern Dankbarkeit auszudrücken, würde sie ihnen gerne etwas zurückgeben, aber sie sagt, dass das nicht möglich sei. „Der Court sollte über meine Karriere entscheiden, nicht meine Finanzen”, so die Algerierin.

In ihrem Video versucht Ibbou Thiem und der breiten Öffentlichkeit auch ihre Geschichte unter schweren Bedingungen in Algerien näherzubringen: „Wenn du nur wüsstest, Dominic (…) es gibt in Algerien keinen einzigen Trainer auf internationalem Level. Es gibt keinen einzigen Indoor-Court und kein Turnier auf ATP-, WTA- oder ITF-Stufe. Aber verstehe mich nicht falsch: Das alles hat mich nicht aufgehalten, mit 14 Jahren eine der besten Spielerinnen der Welt zu werden. Meine ersten WTA-Punkte habe ich in diesem Alter geholt. Nicht schlecht, oder? Und so wie du war ich in den Höhen des ITF-Junior-Rankings.”

Mit den Worten „niemand hat dich um etwas gebeten” sprach sie Thiem erneut an. „Die Initiative ging von großzügigen Spielern mit Barmherzigkeit aus, mit Klasse.” Lösungsansätze und Solidarität würden hierbei den Unterschied zwischen machen. Lediglich Respekt würde sich Ibbou vom Östereicher wünschen: „Dominic, ich habe dir gesagt, wir bitten dich um nichts. Ausser um etwas Respekt für unser Opfer. Spieler wie du bringen mich dazu, an meinen Träumen festzuhalten. Bitte ruiniere das nicht.”

Ibbou: „Die Worte die er genutzt hat, waren respektlos”

Der Name Ines Ibbou dürfte vor ihrem Tweet nur wenigen Leuten ein Begriff gewesen sein. Nach Veröffentlichung ihrer Botschaft erhielt die Algerierin nicht nur Zustimmung von Venus Williams und Nick Kyrgios, die ihr Video mit den Kommentaren „You are my hero” und „respect” teilten. Auch verschiedene Pressevertreter stürzten sich auf die 21-Jährige. So erzählte sie rückblickend gegenüber der algerischen Zeitung thenational.ae, dass sie für ein Gespräch mit Dominic Thiem bereit wäre: „Ich wollte nur sagen, dass die Worte, die er genutzt hat, respektlos waren. Aber ich bin offen für alles. Wenn er reden möchte, ich bin bereit.”