2025-07-09 The Championships Wimbledon 2025

Am liebsten auf Rasen unterwegs: Der deutsche Teenager Max Schönhaus 2025 beim Junioren-Wettbewerb in Wimbledon. Bild: IMAGO

Max Schönhaus bekommt Wildcard in Halle: Heimspiel auf seinem Lieblingsbelag

Max Schönhaus, 18, erhält eine Wildcard für das Hauptfeld des Rasenklassikers in Halle – nur eine Autostunde von seinem Geburtsort entfernt.

Wenn am kommenden Montag die 33. Terra Wortmann Open beginnen, steht einer im Hauptfeld des ATP-500-Turniers, für den Halle/Westfalen fast schon Heimspiel-Charakter hat: Max Schönhaus. Der 18-Jährige erhält eine Wildcard – frei wurde der Platz, weil Yannick Hanfmann direkt ins Hauptfeld nachrückte. Eine Personalie mit Pointe, denn ausgerechnet Hanfmann hatte dem jungen Westfalen vor wenigen Wochen in Hamburg einen seiner denkwürdigsten Auftritte beschert – und ihn anschließend öffentlich geadelt.

Der gebürtige Soester, aufgewachsen im sauerländischen Ense, kennt das Turnier bereits: 2025 schlug Schönhaus in der Qualifikation auf, nun feiert er auf dem Rasen seine Hauptfeld-Premiere. „Auf Rasen macht es mir am meisten Spaß, auf Asche bin ich aber wohl etwas besser“, sagte Schönhaus zuletzt mit einem Schmunzeln. Gegenüber tennis MAGAZIN hatte er schon öfter erwähnt, dass er am liebsten auf Rasen spielen würde. 2024 holte er den Wimbledon-Doppeltitel bei den Junioren, 2025 stand er im Wimbledon-Junioren-Halbfinale.

Schönhaus mit Erfolgen in Hamburg

Der Teenager erlebte eine aufregenden Mai. Bei den Hamburg Open kämpfte sich Schönhaus durch die Qualifikation und bezwang dabei in Hamburg mit dem Franzosen Luca Van Assche (Nummer 103) und dem US-Amerikaner Marcos Giron (Nummer 84) gleich zwei Topspieler. Das Match gegen Giron – 6:7 (4:7), 6:4, 7:6 (7:5) nach fast drei Stunden – war sein erster Sieg über einen Top-100-Spieler überhaupt. Bemerkenswert: zu diesem Zeitpunkt stand Schönhaus erst auf Position 452 der Weltrangliste.

Belohnt wurde der Lauf mit dem ersten ATP-Hauptfeld der Karriere. Dort wartete: Yannick Hanfmann. Der 34-jährige Routinier, als Nummer 55 die deutsche Nummer zwei hinter Alexander Zverev, setzte sich mit 6:3, 6:7, 6:4 durch – doch der Auftritt des Teenagers hallte nach. Hanfmann lobte den 18-Jährigen anschließend als „Highlight-Spieler“, der ihn an den Franzosen Richard Gasquet erinnere, und nannte ihn „einen für die Zukunft“.

Auf dem Weg in die Top 300

Die Zahlen erzählen, wie steil es bergauf geht: Ende 2025 war Schönhaus noch die Nummer 824 der Welt, am 25. Mai wurde er an Position 385 und damit höher als je zuvor geführt. Inzwischen steht er als Nummer 332 in den Listen – ein neuer Bestwert.

Schönhaus Halle

Gab 2025 seine Premiere in Halle. Damals trat Max Schönhaus in der Qualifikation an.Bild: IMAGO

Was ihn von vielen Altersgenossen abhebt, ist sein Stil. Schönhaus gilt als „Zocker“: Er spielt Stopps, Volleys und Slice, attackiert mit Serve-and-Volley und verlässt sich nicht aufs reine Grundlinienspiel. Sein Markenzeichen ist eine einhändige Rückhand – die Umstellung auf einen Griff entschied er mit zehn Jahren selbst, inspiriert vom Schweizer Stan Wawrinka. Als Idol nennt er den ebenfalls einhändig spielenden Italiener Lorenzo Musetti, wie er tennis MAGAZIN mal verriet.

Schon jetzt eine bewegte Saison

Im Juni ließ er erneut aufhorchen. Beim Challenger in Bad Rappenau setzte er sich mit einer Wildcard gegen den Bolivianer Hugo Dellien (Nummer 144) mit 6:3 und 7:5 durch, ehe im Achtelfinale Schluss war: gegen den Spanier Alejandro Moro Canas (Nummer 242) unterlag er nach gewonnenem ersten Satz mit 7:6, 3:6 und 4:6.

Dass die Reise nicht immer geradlinig verlief, zeigte das Frühjahr drastisch: Bevor Schönhaus beim Challenger im emiratischen Fujairah antreten konnte, wurde das Turnier wegen Sicherheitsbedenken abgesagt – die Hafenstadt war im Zuge des Nahost-Konflikts mit Drohnen angegriffen worden, der Teenager kehrte vorzeitig nach Deutschland zurück. Wenige Wochen später meldete er sich zurück und erreichte beim M25-Turnier auf Sardinien das Finale.

Schönhaus mit großen Zielen

Die internationale Bühne ist Schönhaus aus Jugendzeiten vertraut: 2025 erreichte er das Junioren-Finale der French Open, ein Jahr zuvor gewann er den Doppeltitel in Wimbledon. Als erster Deutscher gewann er zudem die ITF Junior Finals in Chengdu und beendete 2025 als Nummer zwei der Junioren-Weltrangliste – was ihm für 2026 acht Challenger-Wildcards einbrachte. Die Ambitionen sind klar formuliert: kurzfristig die Next Gen Finals 2026 und die Australian Open 2027, langfristig der Traum von den Top 10.

Turnierdirektor Ralf Weber sieht in der Einladung ein Bekenntnis: „Sein Sieg gegen Marcos Giron und seine Erfolge auf der internationalen Juniorentour belegen, dass er bereit ist, sich auf höchstem Niveau zu messen.“ Auch Sven Wortmann von der Wortmann AG freut sich auf den jungen Westfalen: „Max kommt aus unserer Region. Wir sind überzeugt, dass er in Halle auf besondere Unterstützung zählen kann.“

Quali-Wildcard für Diego Dedura

Eine weitere Wildcard, diese für die Qualifikation, geht an Diego Dedura (ATP 262). Der ebenfalls 18-Jährige – Mutter aus Litauen, Vater aus Chile, aufgewachsen in Berlin, viersprachig – war der erste Spieler seines Jahrgangs 2008, der ein ATP-Match bestritt. Nach einem schwierigen Jahr samt Operation am Steißbein zeigt seine Formkurve wieder nach oben; bei den BMW Open in München hinterließ er gegen Flavio Cobolli einen starken Eindruck. „Diego ist ein spannender Linkshänder, der auch spielerisch ein wenig an Rafael Nadal erinnert“, sagt Weber.