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Switzerland's Roger Federer poses with ball kids after defeating Australia's Alex De Minaur during the final match at the Swiss Indoors ATP500 tennis tournament in Basel on October 27, 2019. (Photo by FABRICE COFFRINI / AFP) (Photo by FABRICE COFFRINI/AFP via Getty Images)

Nach 10. Titel in Basel: Federer sagt Paris-Bercy ab

Roger Federer gewinnt seinen 103. Titel. Der Rekord von Jimmy Connors (109 Titel) ist ihm aber nicht so wichtig, so dass er nun seinen Start beim letzten Masters-1000er der Saison in Paris-Bercy abgesagt hat.

Es sind Zahlen, die einen staunend zurücklassen: 2019 stand Roger Federer zum 19. Mal im Hauptfeld der SwissIndoors von Basel, er erreichte zum 15. Mal das Finale und gewann seinen zehnten Titel. „Ich hätte nie gedacht, dass ich hier zehnmal gewinne. Ich habe nicht einmal damit gerechnet, überhaupt einmal zu gewinnen“, sagte Federer bei der Siegerehrung. Als kleiner Kerl war er ein Balljunge bei dem Hallenturnier in seiner Heimatstadt. Nun ist er längst der alles überstrahlende Protagonist, wenn sich die Tenniselite alljährlich in der St. Jakobshalle trifft. Dass er sich als Turniersieger mit allen Ballkindern zur großen Pizza-Party trifft, ist schon eine liebgewonnene Tradition in Basel.

Turnierdirektor Roger Brennwald, der sich wie in den letzten Jahren über ausverkaufte Tribünen freuen konnte, sagte der Neuen Züricher Zeitung, dass er auch locker 4.000 bis 5.000 Karten mehr pro Turniertag hätte verkaufen können. Federer ist eben der größte Zuschauermagnet im Tennis-Circuit – insbesondere dann, wenn er zu Hause antritt. Dadurch amortisiert sich Federers Antrittsgage, die auch in Basel bei rund einer Million Euro liegen soll, wie von selbst. Übrigens lässt Federer dieses Geld seiner Stiftung zu Gute kommen.

Federer: „Manchmal spielte ich fantastisch“

Federers zehnter Titel in Basel ist aus mehreren Gründen „sehr speziell“, wie er es formulierte. Noch nie war es für ihn so einfach in Basel zu gewinnen. Erstmals gab er auf den Weg zum Titel keinen einzigen Satz ab. Und er stand auch nur 4:23 Stunden auf dem Platz – für vier Matches. Klar, die verletzungsbedingte Absage von Stan Wawrinka im Viertelfinale kam ihm natürlich entgegen. Doch in seinen Partien gegen Peter Gojowczyk, Radu Albot, Stefanos Tsitsipas und Alex de Minaur präsentierte sich Federer von seiner stärksten Seite.

„Ich spielte immer auf einem sehr soliden Niveau. Manchmal spielte ich sogar fantastisch. Ich weiß nicht, ob es meine beste Woche in Basel war. Von den Resultaten her war es das wohl. Von Anfang bis Ende lief alles wie aus einem Guss. Da war kein Kampf und Krampf wie in anderen Jahren. Dadurch konnte ich das Turnier noch mehr genießen und die Atmosphäre auch auf dem Platz aufsaugen“, fasste Federer seine Leistungen zusammen. Auch im Finale gegen Alex de Minaur war Federer von Beginn an der dominierende Spieler. „Es hätte vieles geschehen müssen, damit dieses Match noch gekippt wäre“, räumte der chancenlose Australier ein.

Federer

KEINE CHANCE: Alex de Minaur (li.) war im Finale von Basel hoffnungslos unterlegen. Roger Federer tütete locker seinen 10. Titel in seiner Heimatstadt ein.

Für Federer war es der insgesamt 103. Titel seiner Profikarriere. Damit fehlen dem Grand-Slam-Rekordsieger aus der Schweiz noch sechs Triumphe, um im „ewigen“ Ranking mit dem erstplatzierten US-Amerikaner Jimmy Connors (109) gleichzuziehen (s. Tabelle).

1.Jimmy Connors109 Titel
2.Roger Federer103
3.Ivan Lendl94
4.Rafael Nadal84
5.John McEnroe77
6.Novak Djokovic76
7.Pete Sampras64
7.Björn Borg64
9.Guillermo Vilas62
10.Andre Agassi60

Federer allerdings beteuerte, dass er den Rekord von Connors nicht um jeden Preis hinterherjagen würde. „Ob ich bei 98 bin oder bei 103, das ist für mich vom Feeling immer noch etwa gleich weit entfernt. Ich stelle jetzt nicht einen Plan auf, wie ich in nächster Zeit am meisten Titel jagen könnte. Priorität haben die Gesundheit und die Familie. Alles wird dem untergeordnet.“

Federer über Paris-Bercy: „Ich muss mich schonen“

Insofern war nach dem Sieg in Basel zunächst noch unsicher, ob der Schweizer in dieser Woche beim letzten Masters 1000er-Turnier der Saison in Paris-Bercy antreten wird. Nach einer Besprechung mit seinem Team, um einen Plan für die nächsten zwölf Monate auszuarbeiten, sagte Federer am Montagvormittag nun endgültig ab. In einem Statement der ATP wird Federer mit folgenden Worten zitiert:Ich muss mich schonen, weil ich so lange wie möglich auf der ATP Tour spielen möchte. Es tut mir leid für meine französischen Fans, die ich nächstes Jahr bei den French Open sehen werde.“

Federers Absage für Paris-Bercy kommt nicht wirklich überraschend. 2016 und 2017 war er ebenfalls nicht dort angetreten. Bislang konnte er das Hallen-Turnier in der französischen Hauptstadt auch nur einmal gewinnen (2011). Im letzten Jahr scheiterte er in einem spannenden Halbfinale an Novak Djokovic (6:7, 7:5, 6:7). Für Federer rückt Lucky Loser Andrea Seppi ins Hauptfeld. Er wird Federers Platz übernehmen und so von einem Freilos in der ersten Runde profitieren.

Zuvor hatte der 38-Jährige in einem Interview mit dem Schweizer Tagesanzeiger durchblicken lassen, dass die ATP-Finals in London seine höchste Priorität genießen: „Ich habe nicht Angst, ich würde mich verletzen, wenn ich nach Paris gehen würde. Aber letztes Jahr hatte ich vor London einen steifen Rücken. Mein Ziel ist, dass ich zu 100 Prozent fit nach London reise.“ Der Titel in London würde Federers Saison, in der er keinen Grand Slam-Sieg schaffte, versöhnlich ausklingen lassen.

EDIT: In einer vorherigen Version des Artikels hieß es, dass Federer noch unschlüssig über einen Start in Paris-Bercy sei. Mittlerweile hat er seine Entscheidung getroffen und der Artikel wurde entsprechend korrigiert (tb).
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