Patrick Mouratoglou

Patrick Mouratoglou: „Zverev wird irgendwann die Grenze erreichen“

Patrick Mouratoglou, Trainer von Serena Williams und Stefanos Tsitsipas, spricht im Interview mit Spiegel Online unter anderem über die Entwicklung von Alexander Zverev.

Im Interview mit Spiegel Online hat sich Patrick Mouratoglou, derzeit Trainer von Serena Williams, Stefanos Tsitsipas und Cori Gauff, zur derzeitigen Situation im Welttennis geäußert. Während bei den Herren die „Big Three“ um Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic bei den Grand-Slam-Turnieren noch alle Gegner überstrahlen und die letzten zwölf Grand-Slam-Titel unter sich ausgemacht haben, gab es bei den großen ATP-Turnieren bereits einige andere Spieler, die sich in die Siegerliste eingetragen haben. Darunter Stefanos Tsitsipas bei den ATP Finals im November und auch Alexander Zverev, der 2018 die ATP Finals gewinnen konnte. Der 22-jährige Deutsche erreichte bereits sechs Finals bei 10000er-Turnieren auf der ATP-Tour, von denen er drei gewinnen konnte.

Patrick Mouratoglou: „Zverev muss aufhören, nur zu verteidigen”

Mouratoglou ist trotz der starken Resultate in den letzten Jahren wenig angetan von Zverev. „Er ist im Ranking schnell geklettert dank seiner Qualitäten. Aber in dieser Zeit hat er keine anderen Dinge entwickelt, die notwendig sind, um einen Grand Slam zu gewinnen. Er wird irgendwann die Grenze erreichen. Man gewinnt keinen Grand-Slam-Titel mit seiner Art des Tennis. Er hat eine tolle Basis, er bewegt sich unglaublich gut. Er ist supersolide. Aber das ist nicht genug. Und wenn man die anderen Dinge nicht entwickelt, ist man in Schwierigkeiten. Er erinnert mich an Andy Murray. Murray war lange ein fantastischer Spieler, aber kein Grand-Slam-Siegertyp. Dann hat er einige Dinge an seinem Spiel geändert und wurde ein Sieger. Ich denke, Sascha kann das auch. Aber er muss sich weiterentwickeln“, sagte Mouratoglou.

Der Franzose hat den gleichen Rat an Zverev, der auch schon von Boris Becker und John McEnroe geäußert wurde: nämlich mehr Offensivtennis. „Er muss aufhören, nur zu verteidigen. Nadal, dessen Basis stets seine Defensivarbeit war, hat irgendwann gelernt, selbst Punkte zu gewinnen und nicht nur darauf zu warten, dass der Gegner Fehler macht. Man gewinnt keinen Grand Slam mit einer defensiven Mentalität, man braucht eine offensive Mentalität.“ In der Ära von Federer, Nadal und Djokovic haben es die jungen Spieler immer noch äußerst schwer, sich selbst als Marke aufzubauen.

Mouratoglou: „Wir müssen endlich im 21. Jahrhundert ankommen”

Für Mouratoglou steht Federer, was das Tennis angeht, über allem. „Roger ist ein Genie. Er spielt Tennis in Perfektion. Ich kann mich nicht erinnern, je einen Spieler so Tennis spielen gesehen zu haben. Und ich denke, das werde ich auch nicht, bis ich sterbe. Man kann Roger filmen und das Band dann in Slow Motion abspielen: Dann sieht man, dass alles, was er tut, perfekt ist.“ Trotz des Lobes für Federer sieht er aber Novak Djokovic als Nummer eins unter den „Big Three“. „Wenn die großen drei ihr bestes Tennis spielen, gewinnt Novak die meiste Zeit. Hätte Novak nicht die zwei Jahre gehabt, als er fast verschwunden war vom Tennis, wäre er wahrscheinlich schon der Spieler mit den meisten Grand-Slam-Titeln. Ich kann mir vorstellen, dass er eines Tages der erfolgreichste Spieler der Geschichte sein wird.“

Mouratoglou macht sich auch Sorgen um die Zukunft des Tennissports. Sein Wunsch: den Spielern wieder mehr Freiraum auf dem Platz lassen, damit sie ihre Persönlichkeit besser entfalten können. Die Entertainment-Faktor im Tennis müsse erhöht werden, meint der 49-Jährige. „Wir wollen die Show nicht erzeugen, wir wollen aber, dass sie auf dem Court zugelassen wird. Wir wollen junge und alte Spieler, schwarze und weiße, nervöse und etwas verrückte, aber auch ganz ruhige. Es gibt eine Regel, die es jungen Spielern untersagt, zu früh Profi zu werden. Und eine andere, die es verbietet, Schläger zu zertrümmern. Sind wir die Polizei oder was? Nein. Das ist alles nicht sehr unterhaltsam im Moment. Und das ist ein großer Fehler. Tennis ist ein sehr konservativer Sport, aber wir müssen endlich im 21. Jahrhundert ankommen.“