Tennis-Profis stranden in Dubai: „Wir bleiben alle optimistisch!“
Mehrere Tennisspieler und ihre Teams können Dubai aufgrund des eskalierenden Iran-Konflikts nicht verlassen – ein Überblick.
Als am vergangenen Samstag das Doppel-Finale des ATP-Turniers von Dubai startete, hatte die großangelegte Offensive gegen den Iran, koordiniert von Israel und den Vereinigten Staaten, bereits begonnen. Harri Heliövaara und Henry Patten schlugen die Paarung Pavic/Arevalo, während in Teheran Regierungsbehörden und Militäreinrichtungen bombardiert wurde. Das danach angesetzte Einzel-Endspiel zwischen Daniil Medvedev und Tallon Griekspoor wurde nicht gespielt, weil der Niederländer aufgrund einer Verletzung an der Oberschenkelmuskulatur nicht antreten konnte. Griekspoor hatte sich diese am Freitag bei seinem Halbfinalsieg gegen Andrey Rublev zugezogen.
Was all diese Profis nun eint: Sie befinden sich nach wie vor in Dubai, weil der Luftraum über der arabischen Halbinsel aufgrund der Nahost-Eskalation größtenteils gesperrt wurde. Denn: Der Iran hat inzwischen zu Gegenschlägen ausgeholt und etwa die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) mit Raketen und Drohnen angegriffen. Allein in der VAE-Metropole Dubai sollen am Wochenende nach Angaben des Militärs 165 ballistische Raketen und 541 Drohnen abgewehrt worden sein. Dennoch entstanden Schäden – teils durch direkte Treffer, teils durch herabfliegende Trümmerteile abgeschossener Drohnen und Raketen.
Dubai: Drohnentrümmer richten Schäden an
Ein iranischer Angriff traf den internationalen Flughafen, mehrere Menschen wurden verletzt. Im Hafen brach durch Trümmer einer abgefangenen Rakete ein Brand aus. Das Luxushotel Burj Al Arab, eines der Wahrzeichen der beliebten Urlaubsdestination, wurde durch Drohnentrümmer beschädigt. Auch auf der weltberühmten künstlichen „The Palm“-Insel gab es eine Explosion in einem Luxushotel mit mehreren Verletzten. Dubai, die eigentlich sichere Hightech-Metropole am Golf und Lieblingsdestination von Influencern sowie Expats, ist plötzlich Teil des Kriegs.
Hi. Still in Dubai after working at the tennis last week. Was due home on Sunday. Being well looked after. Team here really good. Colleagues working to get us back. But it ain’t easy. Calm here, despite regional worsening. Wish for better world. X #atp #dubai #tennis pic.twitter.com/ugeCTq31kt
— Richard Connelly 🇺🇦 (@RichConnelly) March 3, 2026
Mittendrin stecken nun einige Tennisprofis mit ihren Teams sowie internationale Tennisjournalisten fest. Unter ihnen befindet sich auch Reem Abulleil, eine bekannte Sport-Journalistin aus Ägypten mit dem Schwerpunkt „Nahost“, die regelmäßig von Tennisevents berichtet. Abulleil teilte zuletzt auf X mit, dass sich Andrey Rublev, Daniil Medvedev, Tallon Griekspoor, Harri Heliovaara, Henry Patten, Mate Pavic und Marcelo Arevalo mit ihren Coaches und einigen Tour-Offiziellen noch in Dubai aufhalten würden.
„Die Turnierveranstalter haben unsere Hotel-Aufenthalte zunächst bis zum 4. März verlängert“, schrieb sie. „Uns geht es gut und wir warten darauf, dass der Luftraum wieder geöffnet wird.“ Nach Informationen der spanischen Sport-Tageszeitung Marca sollen insgesamt noch 41 Personen, die in irgendeiner Weise mit dem Tennisturnier in Verbindung stehen, in Dubai sein.
Tennis-Fotograf Hasenkopf: „Letztlich unproblematisch“
Auch der deutsche Tennisfotograf Jürgen Hasenkopf steckt in Dubai fest. Hasenkopf ist langjähriger Fotograf für das tennis MAGAZIN. Wir erreichten ihn in Dubai und er schätzte seine Lage als „etwas unangenehm, aber letztlich unproblematisch“ ein. Hasenkopf: „Angst habe ich nicht, weil es hier in erster Linie um militärische Ziele geht.“ Er schickte tennis MAGAZIN ein Video vom Souq Al Seef, der in der Regel voll von Menschen ist. „Jetzt ist alles sehr ruhig hier in Dubai, auch weil es eine behördliche Warnung gibt, man möge sich doch bitte nicht im Freien aufhalten.“
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Was ihm Sorgen bereitet: Es gebe zu viel Panikmache und Falschmeldungen von Influencern in den sozialen Netzwerken. Sein Rat: „Das, was da teilweise verbreitet wird, um Klicks zu generieren, ist nur mit Vorsicht zu genießen.“ Immerhin: Hasenkopf hat inzwischen eine Flugbestätigung und kann am Mittwoch Dubai verlassen. So langsam scheint sich der Luftraum wieder zu öffnen.
Für die gestrandeten Tennisprofis ist es inzwischen ein Wettlauf gegen die Zeit, denn sie alle müssen eigentlich nach Indian Wells zum ersten 1000er-Masters-Event der Saison. In der kalifornischen Wüste beginnen die ersten Hauptfeld-Matches am Mittwoch. Was Rublev und Medvedev allerdings zugutekommt: Sie sind in dem 96er-Feld gesetzt und müssen nicht vor Freitag auflaufen. Die Doppelspezialisten haben noch mehr Zeit: Ihr Wettbewerb startet erst am Sonntag.
Tennisprofis wollen raus aus Dubai
„Die Situation ist ungewöhnlich, aber für uns ist das einzige Problem der geschlossene Luftraum“, sagte Medvedev am Sonntag einer russischen Tennis-Website. Sie würden derzeit nicht wissen, wann sie Dubai verlassen können. Niemand wisse, wie lange die Situation noch andauere. „Wir können nur abwarten, aber uns geht es gut. So seltsam es klingen mag, ich bin auf dem Platz sehr emotional, jedoch im Leben würde es mir vielleicht helfen, in bestimmten Momenten emotionaler zu sein. Für mich ist alles in Ordnung“, beschwichtigte er. Abschließend fügte er hinzu: „Natürlich habe ich viele Nachrichten von Freunden und Bekannten bekommen, alle machen sich Sorgen. Aber ich kann für mich sagen, dass alles in Ordnung ist.“
Daniil Medvedev is currently in Dubai & can’t leave due to the situation in the Middle East
“The airspace is closed. No one knows when we’ll be able to take off. It’s not clear whether it will last long or not. We’re just waiting.”
(via @SofyaTartakova)
pic.twitter.com/k8vMRtLJsL— The Tennis Letter (@TheTennisLetter) March 1, 2026
Was Medvedev in jedem Fall verpassen wird, ist das Show-Mixed-Event von Indian Wells um den Eisenhower Cup am Dienstagabend Ortszeit. Er hätte ursprünglich an der Seite seiner Landsfrau Mirra Andreeva antreten sollen, wurde aber nun durch Alexander Bublik ersetzt. Auch Andrey Rublev war für das Jux-Turnier eingeplant. Seinen Platz neben Amanda Anisimova nimmt nun Learner Tien ein. Die weiteren sechs Paarungen lauten: Rybakina/Fritz, Swiatek/Ruud, Pegula/Paul, Navarro/Shelton, Fernandez/Auger-Alliassime und Paolini/Berrettini.
Laut der spanischen Marca wurden unter den in Dubai festgesetzten Profis mehrere Ausstiegsstrategien diskutiert, darunter eine sechsstündige Fahrt nach Maskat im Oman oder eine zehnstündige Fahrt nach Riad in Saudi-Arabien, wo ein Privatjet sie nach Istanbul in der Türkei bringen würde. Angeblich hätten sich die Spieler aber letztlich dagegen entschieden und würden nun weiter vor Ort in Dubai bleiben.
Die US-News-Website Semafor berichtet inzwischen, dass insbesondere die Ausreise über Riad, wo der Flughafen bislang nicht geschlossen wurde, für Wohlhabende – etwa Führungskräfte globaler Finanzkonzerne und vermögende Privatpersonen – mit einer „Flotte von Geländewagen“ und gecharterten Privatflugzeugen „die einzige wirkliche Option“ sei. Privatjets von Riad nach Europa sollen jetzt bis zu 350.000 Dollar kosten.
Doppelspezialist Heliovaara: „Keine ideale Route“
Der finnische Doppelspezialist Harri Heliovaara erklärte in seinem Blog, warum er und sein Team sich gegen den Landweg entschieden hätte. „Die Anweisungen seitens der ATP waren bisher sehr klar: Am sichersten ist es, im Hotel zu bleiben und abzuwarten“, schrieb er auf Finnisch. Und weiter: „Nach den uns vorliegenden Informationen gibt es an der Grenze zum Oman starke Verkehrsstaus, und darüber hinaus ist es schwierig, einen geeigneten Transport zu organisieren, da ein Auto mit Kennzeichen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ohne Genehmigung nicht in den Oman einreisen darf und man die Grenze nicht zu Fuß überqueren kann.“
Auch die Fahrt nach Riad sei für ihn keine Option: „Die Straße hinter der Grenze ist in einem ziemlich schlechten Zustand. Ohne entsprechende Vorbereitungen ist dies also keine ideale Route.“ Sein Schlusswort: „Die Lage in Dubai ist unter Kontrolle, die Organisatoren sorgen für Unterkunft und Verpflegung. Alle hoffen, bald abreisen zu können, und bleiben optimistisch.“
Während in Dubai also die Profis nur noch wegwollen, sieht die Lage 120 Kilometer ostwärts genau entgegengesetzt aus. Dort wollen die ATP-Spieler noch möglichst lange bleiben, denn in Fujairah, einer knapp 90.000 Einwohner-Stadt am Golf von Oman, findet in dieser Woche ein Challenger-Turnier statt. Und ja: Es wird dort tatsächlich gespielt. Am Wochenende lief schon die Quali, in der unter anderem der deutsche Nachwuchsspieler Niels McDonald am Start war (und gleich verlor). Das Hauptfeld wird angeführt von Lloyd Harris und Jason Kubler. Der 18-jährige deutsche Max Schönhaus trifft zum Auftakt auf den an vier gesetzten Chinesen Zhou Yi.
😳 Players and officials RAN off the court at the Fujairah Challenger in the UAE after an explosion was heard nearby
— Olly Tennis 🎾 🇬🇧 (@Olly_Tennis_) March 3, 2026
Wie gefährlich die Lage aber in den Vereinigten Arabischen Emiraten wirklich ist, wurde am Dienstagvormittag deutlich: Drei Matches liefen bei dem Challenger-Event, als plötzlich eine Evakuierungsmaßnahme stattfand. Den Spielern, Ballkindern und Schiedsrichtern wurde gesagt: „Geht bitte ins Gebäude!“ Laut ersten Berichten auf der Plattform X soll es in der Nähe der Tennisanlage zu Explosionen gekommen sein. Medienberichten zufolge gab es einen abgewehrten Drohnenangriff auf die Hafenanlagen von Fudschaira, wobei Trümmerteile ein Öldepot in Brand setzten.
Mittlerweile sind die unterbrochenen Partien in Fujairah noch nicht wieder aufgenommen worden. Max Schönhaus soll – falls es überhaupt noch möglich sein sollte – am späten Nachmittag sein Match bestreiten.
