2018 US Open – Day 3

US Open: Wie weit Serena Williams vor dem Sister Act ist

Serena Williams nimmt bei den US Open pünktlich zum 30. Duell mit ihrer Schwester Venus Fahrt auf. Dabei geht es der jungen Mutter längst nicht mehr nur um Tennis.

Carina Witthöft war schwer beeindruckt. Solch eine Abfuhr hatte sie nicht kommen sehen. „Serena“, sagte Witthöft nach der Lehrstunde im riesigen Arthur-Ashe-Stadium von New York, „ist ein absoluter Champion. Sie dominiert das Damentennis nach wie vor und kann jede schlagen.“

Beim 2:6, 2:6 in der zweiten Runde der US Open bekam Witthöft vor Augen geführt, wie weit Serena Williams auf dem Rückweg zu alter Klasse schon wieder gekommen ist. Pünktlich zum Duell am Freitag mit ihrer Schwester Venus nähert sich die 36-Jährige der Klasse, die sie vor der Geburt ihrer Tochter Olympia vor ziemlich genau einem Jahr zur Ausnahmespielerin auf der Tour gemacht hatte.

Sicher, Williams erreichte bereits in Wimbledon das Endspiel, war dort jedoch gegen Angelique Kerber chancenlos. Die Vorbereitung auf das Grand-Slam-Spektakel in Flushing Meadows verlief zudem holprig, unter anderem kassierte Williams in San Jose gegen die Britin Johanna Konta die höchste Niederlage ihrer Karriere, die sie später damit erklärte, dass an diesem Tag der Mörder ihrer Halbschwester Yetunde Price das Gefängnis verlassen durfte.

US Open: Wie weit ist Williams schon?

Bei den US Open präsentierte sich Williams allerdings in ihren ersten beiden Matches hochkonzentriert und auch spielerisch verbessert im Vergleich zu den vergangenen Wochen. Das ist erstaunlich, weil die 23-malige Grand-Slam-Siegerin sich längst nicht mehr nur auf ihren Sport konzentriert. Ständig ist Williams auch im Auftrag ihrer Sponsoren oder der eigenen Modelinie unterwegs, zudem kümmert sie sich aufopferungsvoll um ihre Tochter – und dokumentiert das offensiv und bildstark.

Tatjana Maria, selbst Tennisprofi, Mutter und in Palm Beach Gardens Nachbarin der Williams-Schwestern, muss schmunzeln, wenn sie auf Serenas Drang zur Selbstdarstellung angesprochen wird. „Das ist der amerikanische Style. Sie macht ein größeres Ding daraus, aber wenn sie alle Details preisgeben will, ist das ihr Recht“, sagte Maria nach ihrer Zweitrundenniederlage in New York.

Williams‘ Erfolg spricht jedenfalls dafür, dass sie sich wohlfühlt und dass ihr das Multitasking nicht allzu schwer fällt. Seit ihrem Comeback in Indian Wells im März hat sie große Sprünge nach vorne gemacht. Damals hatte sie im 29. Duell zum zwölften Mal gegen ihre zwei Jahre ältere Schwester Venus verloren. Kaum jemand glaubt heute daran, dass die Partie ums Achtelfinale von Flushing Meadows genauso enden wird.

Williams wirkt spritziger und sicherer

13 Asse und insgesamt 30 direkte Gewinnschläge feuerte Williams gegen Witthöft ab. Sie wirkt spritziger und schlagsicherer als bei ihren ersten beiden Versuchen in dieser Saison, den Rekord der Australierin Margaret Court (24 Majortitel) einzustellen. Zwar gelangen ihr auch in Paris und Wimbledon große Siege – bei beiden Turnieren schlug sie Julia Görges, die in New York wie Witthöft und Maria in der zweiten Runde aus dem Turnier flog. Doch fehlte Williams der letzte Punch für den ganz großen Triumph.

Was das Besondere sei an der sportlichen Rivalität zu ihrer Schwester Venus, wurde sie nach dem Sieg über Witthöft gefragt. „Wir machen uns gegenseitig besser. Wir kitzeln das Beste aus uns heraus“, antwortete sie. Vielleicht ist ein Sieg im „Sister Act“ der letzte Baustein, der Serena Williams noch fehlt, um auch sportlich ganz wieder sie selbst zu sein. (SID)