Zverev vor Miami-Start: „Bin bereit, den Preis zu zahlen“
Alexander Zverev will auch bei den Miami Open an seiner offensiven Spielweise festhalten und spricht von einer „Experimentierphase“.
Sah man nun in Indian Wells einen neuen Alexander Zverev? Deutschlands Topspieler hatte es sich ja selbst zum Ziel gesetzt, aggressiver und mit mehr Risiko spielen zu wollen. Bei seinen Siegen gegen Matteo Berrettini, Brandon Nakashima, Frances Tiafoe und Arthur Fils stach seine offensivere Matchführung auch immer wieder hervor. Die 2:6, 4:6-Niederlage gegen Jannik Sinner im Halbfinale warf jedoch Fragen auf.
Alexander Zverev muss jetzt seiner neuen Spielidee treu bleiben
Miami Open: Zverev könnte im Halbfinale wieder auf Sinner treffen
Beim Media-Day im regnerischen Miami stellte Zverev nun unmissverständlich klar, dass er gewillt ist, diesen offensiven Weg weiterzugehen: „Ich bin komplett offen dafür. Mehr Matches dieser Art werden mir helfen. Ich glaube fest daran, dass ich dieses Jahr dahin kommen werde, wo ich hinkommen will.“
Match gegen Sinner ein „Experiment“
Wenn man den 28-Jährigen während der letzten Wochen hat reden hören, dann ist ihm seine spielerische Entwicklung aktuell wichtiger als die sportlichen Resultate. Zverevs Kalkül: Sollte er es schaffen, sein offensives Spiel weiter zu optimieren, dann kommen gute Ergebnisse von selbst. Und im Idealfall springt dabei der langersehnte Grand Slam-Titel heraus.
Bis dahin ist es noch weit, das weiß er selbst. Rückblickend war Zverev mit seinen Leistungen in Indian Wells aber größtenteils zufrieden, nur vom Halbfinale gegen Sinner sei er „enttäuscht“. Er bezeichnete das Match als „Experiment“ – frei nach dem Motto: „Was wird passieren, wenn ich gegen ihn hyper-aggressiv spiele?“ In Indian Wells ging das Experiment schief.
Zverev: „Will super-aggressiver Spieler werden“
Zverev: „Vielleicht hat es nicht funktioniert, weil ich zu aggressiv war. Ich muss noch die optimale Balance finden.“ Richtig ist, dass er gegen Sinner zu viele einfache Fehler machte und auch nicht so stark aufschlug, wie in den vorherigen Matches. Seine neue Spielidee deswegen in Frage zu stellen, kommt ihm aber nicht in den Sinn: „Ich will dieser super-aggressive Spieler werden, das habe ich mir fest vorgenommen. Aber es wird Matches geben, die nicht optimal laufen – wie in Acapulco gegen Kecmanovic oder in Indian Wells gegen Sinner. Ich denke aber, dass es besser wird, je länger ich diesen Weg gehe.“
Zverevs Klarheit zu dem Thema drückt sich auch darin aus, wie er mit dem höheren Risiko und der damit verbundenen Fehleranfälligkeit umgehen will. „Ich bin bereit, diesen Preis zu zahlen. Bald werde ich 29 Jahre alt. Angesichts dessen ist es mir wert, es weiter zu versuchen.“
Sein Fokus liegt nun vor allem auf jenen Situationen, die ein Match entscheiden können: „Gerade dann muss ich mich daran erinnern, dass ich aggressiv spielen will.“ In der Vergangenheit, merkte Zverev noch selbstkritisch an, habe er das „zu oft nicht gemacht“. Es sei eine Sache, über eine offensivere Matchführung zu sprechen; die Umsetzung auf dem Platz sei dann eben oft „viel schwieriger“.
Die „Experimentierphase“ von Alexander Zverev wird nun also in Miami weitergehen. Es ist seine elfte Hauptfeld-Teilnahme bei dem Großevent im US-Sunshine-State. 2018 gelang ihm dort der Finaleinzug (Niederlage gegen John Isner). 2024 stand er noch einmal im Halbfinale (Niederlage gegen Grigor Dimitrov). 2025 verlor er im Achtelfinale gegen Arthur Fils. 2026 könnte es in Runde drei ein Indian Wells-Re-Match gegen Brandon Nakashima geben – genauso wie im Halbfinale gegen Jannik Sinner.
Spätestens dann wird sich zeigen, welche Erkenntnisse er aus seinem Indian Wells-Versuch gezogen hat.
