Serena Williams

Erster Auftritt nach vier Jahren: Williams.Bild: Imago

Wimbledon: Serenas Comeback, Wawrinkas Abschied und Tiefpunkt bei deutschen Damen

Wie verlief der zweite Turniertag in Wimbledon? Wir blicken zurück auf die wichtigsten Momente an der Church Road.

Das emotionale Comeback von Serena Williams endete in Runde Eins

Gestern blickte die Tenniswelt gespannt nach London: Fast vier Jahre nach ihrem eigentlichen Rücktritt im Jahr 2022 kehrte die mittlerweile 44-jährige Tennis-Ikone Serena Williams zurück auf den Centre Court von Wimbledon. Begleitet von stehenden Ovationen der rund 15.000 Zuschauer und angefeuert von ihrer Familie lieferte sich die 23. malige Grand Slam-Siegerin ein packendes Erstrunden-Match gegen die 20-jährige Australierin Maya Joint.

Obwohl Williams phasenweise mit ihrem kraftvollen Aufschlag und ihren druckvollen Grundschläge glänzen konnte, war ihr die lange Pause anzumerken. Am Ende unterlag Williams Joint in drei Sätzen mit 3:6, 7:6 und 3:6. Joint zeigte sich nach ihrem bisher größten Karriereerfolg sichtlich überwältigt von der Aura der 23-fachen Grand Slam-Siegerin.

„Sie ist eine Legende. Ich habe seit meiner Kindheit von diesem Moment geträumt“, sagte Joint nach ihrem Sieg. Williams hingegen sorgte im Anschuss für Wirbel als sie bei der offiziellen Pressekonferenz nicht erschien und stattdessen sich nur per Statement für die fantastische Atmosphäre bedankte. Hinter den Kulissen wabert das Gerücht, sie habe sich am Knie verletzt und das Doppel in den kommenden Tagen an der Seite ihrer Schwester Venus Williams sei in Gefahr.

Nach epischen Tiebreak: „Stan the Man“ verabschiedet sich aus Wimbledon

Bei seiner 19. und letzen Teilnahme auf dem heiligen Rasen von Wimbledon lieferte sich Stan Wawrinka ein grandioses Erstrunden-Drama gegen den Italiener Matteo Berrettini. In einer spannenden Partie brachte jedesmal der Satz-Tiebreak die Entscheidung. Das absolute Highlight der Partie war der epische 34-Punkte Satz-Tiebreak im zweiten Satz. Nachdem der Schweizer sechs Satzbälle ungenutzt ließ, sicherte sich Berrettini letztendlich den Satz mit 18:16. Nach mehr als vier Stunden musste sich „Stan the Man“ am Ende mit 7:6, 6:7, 6:7 und 6:7 geschlagenen geben. Beim Verlassen des Platzes kämpfte der dreifache Grand Slam-Sieger unter lautstarken Applaus auf Court No. 1 mit den Tränen, fand jedoch im anschließenden Interview emotionale Worte. „Ich will eigentlich nicht zurücktreten, aber ich weiß, dass es an der Zeit für mich ist aufzuhören. Es ist niemals einfach sich von etwas zu verabschieden, dass man liebt“, erklärt Wawrinka in seinem letzten Wimbledon-Interview. Auch Matteo Berettini zeigte großen Respekt, als er Wawrinka beim Verlassen des Platzes hinterherlief und ihm sein allerletztes Wimbledon-Handtuch persönlich überreichte.

Zverev und Hanfmann jubeln, deutsche Damen erleben historischen Tiefpunkt

Das deutsche Damentennis hat in diesem Jahr in Wimbledon einen historischen Tiefpunkt erlebt. Nach dem erfolgreichen Auftakt von Tatjana Maria am ersten Tag sind Eva Lys, Laura Siegemund, Tamara Korpatsch und Ella Seidel deutlich in zwei Sätzen ausgeschieden. Somit ist Zweifach-Mama Tatjana Maria die einzige verbliebene Deutsche in der Damen-Einzel-Konkurrenz. Eine derart schlechte Bilanz gab es zuletzt im Jahr 2008, als nur Julia Görges die zweite Runde erreicht hatte.

Im Gegensatz zu den deutschen Damen präsentierten sich die Herren in starker Verfassung. French Open-Sieger Alexander Zverev wurde seiner Favoritenrolle auf dem Centre Court gerecht und besiegte den Belgier Alexander Blockx mit 6:4, 6:7, 7:6, 7:6. Einen historischen Meilenstein feierte Yannick Hanfmann, der nach seinem erfolgreichen Auftakt gegen Giovanni Mpetshi Perricard 6:7, 7:6, 6:2, 6:3 zum ersten Mal in seiner Karriere in die zweite Runde von Wimbledon einzog. Ausgeschieden dagegen ist Daniel Altmaier gegen den Slowaken Alex Molcan in vier Sätzen.

Fritz im Federer-Style: Der Boss Look von Wimbledon

Neben den sportlichen Schlagzeilen sorgte mit Taylor Fritz ein weiterer Tennisstar für modisches Aufsehen. Der US-Amerikaner betrat den Platz mit einem Look, der sofort an die legendären Auftritte von Roger Federer erinnerte. Der Auftritt vereinte präzises Tailoring mit High Performance-Sport und verkörperte die Werte der Modemarke Boss auf selbstbewusste Weise. Fritz‘ personalisierter „Boss-Walk-On-Look“ bestand aus einem lässig geschnittenen, zweireihigen Anzug aus frischer weißer Baumwolle mit markanter Club-Struktur. Das Sakko überzeugte mit moderner und lockerer Passform, welches Eleganz und Gelassenheit verkörperte.  „Es ist so konzipiert, dass ich mich schnell umziehen und direkt voll auf mein Spiel konzentrieren kann“, erklärte Fritz. Auf die Frage, ob der Druck in so einem Outfit höher sei, scherzte er: „Wenn man in einem kompletten Outfit auftritt und in der ersten Runde ausscheidet, sieht man ehrlicherweise ziemlich dumm aus.“ Der gesamte Look war eine moderne Interpretation klassischer „Championship Whites“, der Textur und Performance vereint und zugleich selbstbewusst und zeitgemäß wirkt.

Überraschung: Top Ten-Mann Ben Shelton schied in der ersten Runde aus.Bild: Imago

Favoritensterben in Runde eins: Shelton und Svitolina scheitern

Am zweiten Tag von Wimbledon gab es im Herrenfeld eine große Überraschung.  Mitfavorit und Nummer 5 der Weltrangliste Ben Shelton schied nach vergebenem Matchball in einem hochdramatischen Fünfsatz-Krimi mit 4:6, 3:6, 7:6, 6:2 und 6:7 gegen den Qualifikanten Otto Virtanen aus. Der Sieg von Virtanen kam völlig unerwartet, denn Shelton galt als einer der Hauptkonkurrenten des French Open-Siegers Alexander Zverev. Nicht weniger überraschender war das frühe Aus von Elina Svitolina bei den Damen. Die an Position acht gesetzte Halbfinalistin aus dem Vorjahr verlor das rein ukrainische Duell gegen Daria Snigur glatt in zwei Sätzen (5:7, 2:6). Nach einer schnellen 4:0- Führung im ersten Satz verlor Svitolina komplett den Faden und musste sich von bereits in der ersten Runde vom Wimbledon-Traum verabschieden.