ATP Masters Series: Monte Carlo Rolex Masters – Day Six

Mail aus München: Toni Nadal über Rafas Schwachstelle und mahnende Worte an die Next Gen

Am letzten Qualitag der BMW Open war mit Toni Nadal, dem Onkel von Superstar Rafael Nadal, prominenter Besuch auf der Anlage des MTTC Iphitos in München. Nachdem er für die Akademie seines ehemaligen Schützlings auf Mallorca mit intensiven Einheiten für heimische Nachwuchsspieler geworben hatte, wurde er seinem Ruf als interessanter Gesprächspartner gerecht. Im Fokus: Rafa Nadals körperliche Schwachstelle, Nachteile der nachkommenden Generation und Schwierigkeiten mit dem Loslassen.

Er hat sich warmgeredet. Eben noch hatte Toni Nadal knapp vier Stunden aktiv den Schläger geschwungen, Bewegungen korrigiert und bei jedem Kind mit seinen Helfern auf den Nebenplätzen der BMW Open genau hingesehen. Jetzt gibt er mit rauchiger Stimme Einblicke in sein tennisspezifisches Seelenleben, in dem, wer will es dem 57-Jährigen verdenken, immer noch Rafael Nadal omnipräsent erscheint.

Mit Beginn des Jahres 2018 ist Toni von Rafa Nadals Seite verschwunden. Er hat seinen Neffen aufgebaut, großgemacht, dem ohnehin lieben Mallorquiner Demut und Respekt gelehrt und ihn zu all seinen Erfolgen geführt. Nun schwingt Carlos Moya das trainings- und betreuerische Zepter im Team Nadal und „Onkel Toni“ bereitet das Erbe seines Neffen gekonnt vor: die Akademie auf Mallorca.

Doch ganz abgeschlossen hat der Coach Nadal noch nicht, wie er bekennt: „Wenn ich ihn jetzt auf einem Turnier oder im TV sehe, klar denke ich dann: ,Da könntest Du jetzt auch sein und helfen. Natürlich fehlt mir die Arbeit mit Rafa. Aber auf Mallorca ist es auch sehr schön und ich mache eine wichtige Arbeit.“

Toni und Nadal: Nach Abschied noch immer wehmütig

Wer Toni Nadal zuhört und exakt zwischen den Zeilen liest, der kann sich ziemlich gut vorstellen, wie intensiv die Zusammenarbeit zwischen Onkel und Neffe gewesen sein muss – mit vielen Höhen, aber auch einigen Tiefen, vor allem gegen Ende. Beim Onkel schwingt auch Monate nach dem Ende der offiziellen Zusammenarbeit noch Wehmut in der Stimme mit. „Ich hatte Glück, dass ich viele Jahre mit einem sehr guten Spieler zusammenarbeiten durfte und er dabei viele große Turniere gewonnen hat. Das war nicht einfach zu erreichen.“

Ein Erfolgsgeheimnis? „Als Onkel oder Papa hat man es als Tennistrainer viel leichter, weil man sagen kann, was man will“, sagt Nadal und grinst. „Ich konnte Rafa immer ehrlich sagen, du warst schlecht, das läuft schlecht und das ganz ehrlich“, ergänzt er.“ Einem Trainer, der so ehrlich sei, dem aber die familiäre Nähe fehle, könne rasch der Rückhalt fehlen, vor allem in jungen Jahren. „Viele rennen direkt zu den Eltern und sagen: ,Der Trainer hat das und das gesagt, ich will einen neuen Coach‘.“

Diesen Aussagen lauschend, fällt es nicht schwer, eine Gesprächsbrücke auf das Thema Alexander Zverev zu schlagen. Der nach der nicht geräuschlosen Trennung von Nadals Landsmann Juan Carlos Ferrero ausschließlich von Vater Alexander Zverev senior gecoacht wird. Am Sonntag hatte Zverev im deutschen Pressegespräch betont, dass ohnehin nur zwei große Namen für eine Erweiterung im Trainerteam infrage kämen.“

Toni Nadal: „Auf Hartplatz ist Zverev schon gefährlicher als Nadal“

Toni Nadal hält naturgemäß viel von dem trainingstechnischen Bund zwischen Vater und Sohn, ist voll des Lobes für den gerade 21-Jährigen: „Zverev ist ein sehr guter Spieler, er ist die Nummer drei der Welt, das steht für sich. Sein bester Belag ist in meinen Augen aber der Hartplatz, da bewegt er sich besser als auf Sand, auch wenn er schon große Erfolge gefeiert hat wie in Rom.“

Alex habe einen sehr guten Aufschlag, einen klasse Return, „gute Grundschläge – vor allem die Rückhand ist besonders. Er ist jetzt schon sehr komplett.“ Dann wartet der Coach noch mit einer besonderen Erkenntnis auf. „Auf Sand ist Rafa sicher besser, aber auf Hardplatz ist Zverev vielleicht schon etwas gefährlicher.“

Nadals mahnende Worte für junge Generation

Anders als zum spielerischen Part hat Nadal im mentalen Bereich mahnende Worte parat. Die bezieht er aber nicht ausschließlich auf Zverev. Viel mehr ist es als Warnung zu verstehen, gerichtet an die Talente in der erweiterten Weltspitze. Die hätten einen Nachteil gegenüber einem jungen Nadal und Federer. „Das ist die fortschreitende Digitalisierung mit all ihren Möglichkeiten. Manchmal fehlt deswegen etwas der Fokus auf  Tennis.“

Als Rafa und Roger an die Spitze kamen, seien sie Anfang 20 gewesen, erinnert Nadal. „Gemeinsam mit ähnlich gleichaltrige Spielern wie Andy Roddick, Lleyton Hewitt, Guillermo Coria, David Nalbandian und Marat Safin. Da war eigentlich nur Agassi, der über 30 Jahre alt war.“Jetzt sei es ja etwas umgekehrt mit Blick auf die aktuelle Top 10, die nur Zverev und Dominic Thiem als jüngere Spieler aufweise.

Toni Nadal: Thiem Rafas Hauptkonkurrent

Thiem hält Toni Nadal im Übrigen trotz der jüngsten Verletzung des Österreichers und Nadals dominanten Ergebnissen als Hauptkonkurrent bei  Nadals Mission für den elften Titel bei den French Open in Paris. Weitere Namen? „David Goffin, Juan Martin del Potro und generell auch Nick Kyrgios, aber der hat ja gerade Probleme mit dem Ellenbogen. Gleiches gilt für Novak Djokovic.“

Toni Nadal (li.), mit seinem Neffen Rafael bei der Siegerehrung der French Open.

Und dann wäre da ja noch ein gewisser Roger Federer. „Ich weiß nicht, ob Rafa Roger vermisst für ihre Duelle auf Sand. Klar ist aber: Rafa wäre auf Sand klarer Favorit. Aber die Situation ist so, wie sie ist. Federer möchte Kräfte sparen für die Rasensaison, das hat letztes Jahr gut funktioniert und ihn vor Verletzungen verschont.“

Nadals Fuß macht Sorgen

Die Nadals kennen sich aus mit Verletzungsproblemen. Im Gespräch am Sonntag verkürzt er die Diskussion um „Rafael“ aber, in dem er den Blick auf das Jahr 2005 richtet. Damals stand die noch junge Karriere seines Neffen auf der Kippe, grundlegende Probleme mit dem Fuß machten Tennis auf Profiniveau mehr und mehr unmöglich. „Dieses grundlegende Problem haben die Ärzte damals mit verbesserten Einlagen gelöst. „Die haben geholfen und ein Ende verhindert, aber auch seinen Gang verändert“, reflektiert Nadal.

Der Großteil der Spieler auf der Tour tragen Einlagen, Nadals Äußerungen lassen aber darauf schließen, dass diese Veränderung zwar half, die gröbsten Probleme zu kontrollieren, aber gleichzeitig neue Baustellen schafften. „Dadurch haben sich die Abläufe verändert, die den Körper anders belasteten. Deswegen gab und gibt es immer mal wieder Probleme und die Sache wurde komplizierter. Rafa hat in der Vergangenheit oft mit Schmerzen gespielt und entschieden, jetzt geht es und jetzt geht es mal nicht. Damit ist er bis heute gut gefahren.“

Deshalb sieht er auch das Thema Karriereende entspannt und wartet zum Abschluss noch mit einer Spitze gegenüber einigen Experten auf. „2006 und 207 haben viele ältere Spieler gesagt, Rafas Karriere werde sehr kurz sein. Und jetzt ist er seit 13 oder 14 Jahren in der Weltspitze. Aber wie lange es noch geht, muss man sehen. Ich hoffe, er kann noch einige Erfolge feiern.“