2018 Rolex Shanghai Masters – Day 7

Alexander Zverev: „In Deutschland schaut man mehr auf die Grand Slams“

Heute Abend bestreitet Alexander Zverev sein Erstrundenmatch in Basel gegen Robin Haase. Zuvor gab er Schweizer Medien Einblicke in seine Verhältnisse zu Roger Federer und Coach Ivan Lendl. Und er sprach über sein schwieriges Standing in Deutschland.

Die Bilder, die man im Kopf hat, bevor Alexander Zverev heute Abend um 19.00 Uhr Ortszeit in Basel gegen Robin Haase (live bei SKY) aufschlägt, sind noch ziemlich präsent: Bei seinem letzten Turnier in Shanghai vor gut zehn Tagen verlor er gegen Novak Djokovic im Halbfinale glatt mit 2:6, 1:6 und zerlegte dabei seinen Schläger. Tja, typisch Zverev. Ob einem das nun gefällt oder nicht: Die Wutausbrüche gehören zu Sascha wie sein Hund Lövik.

Jetzt, in Basel, waren seine emotionalen Ausbrüche bei den Presserunden vor dem Turnierstart natürlich wieder ein Thema. Und wie so oft machte der Weltranglisten-Fünfte deutlich, dass ihm sein zur Schau gestellter Jähzorn alles andere als peinlich ist. „Ich glaube, dass Emotionen ein wesentlicher Bestandteil des Sports sind. Wenn man auf dem Platz keine Gefühle zeigt, bedeutet das doch, dass einem das Match egal ist! Als Athlet will ich aber gewinnen – deshalb zeige ich auch meine Emotionen“, erklärte Zverev.

Zverev

AB IN DIE MÜLLTONNE: Alexander Zverev in Shanghai mit seinem ramponierten Racket nach einem Wutausbruch im Halbfinalmatch gegen Novak Djokovic.

Sein Schlägerwerfen wird – insbesondere in Deutschland – gerne zum Anlass genommen, Zverev als Schnösel mit schlechter Kinderstube darzustellen. Daraus wird dann schnell ein Grund abgeleitet, weshalb sein generelles Standing in seiner Heimat für einen Spitzensportler durchaus besser sein könnte. Zverev wird hierzulande vor allem kritisch gesehen – vielleicht sogar zu kritisch? In dem Zusammenhang war eine Feststellung der Schweizer Journalisten besonders interessant: „In Ihrer Heimat Deutschland wird öfter erwähnt, was Sie noch nicht gewonnen haben, als was Sie schon gewonnen haben.“ Replik Zeverev: „Das wird auch immer so bleiben.“

Zverev: „Man vergisst schnell, dass ich erst 21 Jahre alt bin.“

Warum das so ist, erklärte Zverev folgendermaßen: „Das hat damit zu tun, dass wir in Deutschland unglaubliche Tennisspieler hatten. Boris Becker hat viel gewonnen. Steffi Graf hat alles gewonnen. Deswegen schaut man in Deutschland mehr auf die Grand Slams und die Nummer 1 der Welt. Da vergisst man schnell, dass ich erst 21 Jahre alt bin und noch viel vor mir habe.“ Zverevs bestes Ergebnis bei einem der vier Major-Turniere bislang: Viertelfinale bei den French Open 2018.

In dem Kontext ist die Meinung seines heutigen Gegners in Basel, Robin Haase, ziemlich aufschlussreich. Im Interview mit tennismagazin.de sagte der Niederländer im Sommer 2018: „Zverev ist die Nummer drei oder vier der Welt und hat wie viele Turniere schon gewonnen? Und Deutschland redet darüber, wie viele Schläger er zertrümmert? Wenn er so Erfolg hat, soll er bitte 365 Tage im Jahr Schläger zertrümmern.“

Zverev über Lendl: „Noch in den Flitterwochen“

Um künftig insbesondere bei den Grand Slams besser abzuschneiden, holte sich Zverev vor den US Open 2018, wo er in der dritten Runde gegen Philipp Kohlschreiber verlor, Altmeister Ivan Lendl ins Team. Über den derzeitigen Status der Zusammenarbeit unterrichtete er die Journalisten auf durchaus süffisante Art und Weise: „Wir sind, was unsere Partnerschaft angeht, immer noch in den Flitterwochen. Alles ist wunderbar. Ich habe ihn ausgewählt, um mein Spiel zu verbessern und um die größten Turniere der Welt hoffentlich irgendwann zu gewinnen. Seine Erfahrung wird mir sehr helfen.“

Zverev

EINMARSCH IN SHANGHAI: Alexander Zverev wird schon jetzt als künftiger Superstar der Tour inszeniert.

Und weil Zverev erst zum zweiten Mal in Basel aufschlägt (2014 verlor er als Weltranglisten-135., ausgestattet mit einer Wildcard, in Runde eins gegen Grigor Dimitrov), wurde zum Ende der Gesprächsrunde natürlich das Thema Roger Federer angeschnitten. Zverev: „Unsere Beziehung ist unglaublich eng.“

Auch diese Aussage erklärte der Deutsche genauer: „Wir verbringen viel Zeit außerhalb des Platzes und reden gerne miteinander. Da geht es nicht nur um Tennis, sondern auch um das Leben überhaupt. Wir kennen Roger Federer alle als Tennislegende, als größten Sportler, den die Welt je gesehen hat. Dazu ist er wirklich ein toller Mensch. In Basel habe ich noch nie gegen ihn gespielt. Hoffentlich können wir das diese Woche ändern.“