Miami Open 2019 – Day 3

Die bizarrsten Geschichten der Tennis-Tour

Von Stalking-Attacken, über Messerangriffe bis zum Drogenbesitz. Bizarre Zwischenfälle passieren auf der Tennis-Tour zur Genüge. Wir haben die spektakulärsten Geschichten für Sie zusammengestellt.

Unerwarteter Besuch auf der Bettkante

Andy Murray schwebte seelenruhig im Land der Träume, als er von kleinen Streicheleinheiten geweckt wurde. Erfreut ist der Tennisprofi allerdings nicht, denn er kannte die junge Dame auf seiner Bettkante überhaupt nicht. Sie war eine Angestellte des Hotels, in dem er unterkam und verschaffte sich, trotz eines „Nicht Stören“-Schilds Zugang zu seinem Zimmer. Aber damit nicht genug. Denn nachdem er die Dame aus seinem Zimmer verbannt hatte, traf er sie bei weiteren Turnieren in Rotterdam und Barcelona.

2016 wurde Andy Murray von einer Stalkerin im Hotelzimmer aufgesucht.

Der eigene Vater

Auch Mary Pierce machte Erfahrungen mit einem Stalker. Allerdings handelte es sich hier um niemand geringeren als ihren eigenen Vater. Ihr Vater Jim war bereits während ihrer Matches mehrfach aufgefallen mit Zwischenrufen wie: „Mary, kill that bitch!“ Seine verbale Ausdrucksweise machte sich anscheinend auch in dem Umgang mit seiner Tochter bemerkbar. Pierce unterstellte ihm, dass er sie misshandle und bedrohe. Schließlich entschied sie sich, getrennte Wege mit ihrem Erzeuger zu gehen. Aber dies ließ Jim Pierce nicht auf sich sitzen. Er verfolgte seine Tochter weiterhin zu ihren Spielen und attackierte sogar einen ihrer Bodyguards, der speziell zum Schutz vor ihrem Vater engagiert wurde.

Der eigene Vater machte Pierce das Leben zur Hölle.

Vom Manager zum Stalker

Nach einem Wechsel im Management 2015 wurde auch Jack Sock Opfer von Stalking-Attacken. Vermutlich war sein ehemaliger Manager nicht zufrieden über seine Kündigung, sodass er Sock hinterherreiste und ihn während seiner Spiele belästigte. So versuchte er ihn in Indian Wells 2016 mit Klopfgeräuschen im Match gegen Dominic Thiem zu stören. Sock wandte sich schließlich an den Schiedsrichter und erklärte, dass sein Ex-Manager ihn bereits eine ganze Weile verfolge und belästige.

Auch Serena Williams und Simona Halep wurden bereits in unangenehme Situationen gebracht. So erkundigte sich Williams‘ Stalker via Twitter über ihren Aufenthaltsort, gab sich als ihr Assistent aus und drang in ihre Wohnsiedlung ein. Hier wurde er allerdings von der Polizei verhaftet und mit einer einstweiligen Verfügung bis auf 150 Meter von der 23-fachen Grand Slam-Siegerin verbannt.

Mit einer etwas anderen Art des Stalkings wurde Simona Halep 2015 beim Porsche Grand Prix in Stuttgart konfrontiert. Ebenfalls via Twitter erhält Halep eine Morddrohung mit den Worten: „Ich werde dich zu 100 Prozent zerstören. Du stirbst!“ Dabei soll es sich um einen geistig verwirrten Norweger gehandelt haben. Anschließend wurden die Sicherheitsmaßnahmen während des Turniers verstärkt.

Mit Securitys auf dem Platz: Simona Halep ist nur eines von vielen Stalking-Opfern.

In den eigenen vier Wänden

Petra Kvitova saß nichtsahnend in ihrer eigenen Wohnung und wartete auf die bevorstehende Dopingkontrolle, als es an der Tür klingelte. Ein angeblicher Klempner wollte, dass sie warmes Wasser laufen lasse. Sie führte ihn ins Badezimmer, aber fand sich mit einem Messer am Hals wieder. Als sie sich zu Wehr setzte, wurde sie schwer an ihrer Schlaghand verletzt. Sie bot dem Eindringling Geld, dass er verschwinde. Bei einer Gegenüberstellung konnte Kvitova ihren Angreifer identifizieren, der zu acht Jahren Haft verurteilt wurde. Aufgrund ihrer schweren Verletzungen fehlte sie sechs Monate auf der Tour.

Tatort Center Court

Weniger glücklich traf es Monica Seles 1993 am Hamburger Rothenbaum. Während eines Seitenwechsels stürmte ein Zuschauer auf den Platz und rammte ihr ein Messer in den Rücken. Ihr Leben lang wurde Seles von diesem Moment verfolgt. Grund für das Attentat: Seles war als Nummer eins der Welt die größte Konkurrentin für Steffi Graf. Der Fanatiker wollte erreichen, dass Graf auch in Zukunft an der Weltspitze steht. Allerdings wurde der Angreifer nur auf zwei Jahre Bewährung verurteilt, da ihm verminderte Steuerungsfähigkeit von den Ärzten bescheinigt wurde.

Von Aliens gesteuert

Shanghai 2013: Novak Djokovic gewann Satz eins ganz klar mit 6:1 gegen den Turm von Tandil, Juan Martin del Potro. Im zweiten Satz spielten sich dann aber merkwürdige Szenen auf der Seite des Serben ab. Ungewohnt unkoordinierte Bewegungen, leichtes Torkeln. War Djokovic etwa betrunken? Oder wurde er von Aliens gesteuert? Nein. Ganz im Gegenteil. Der Serbe litt unter Krämpfen und die übernahmen die Kontrolle über seinen Körper. Aber der „Djoker” steckte das erst mal verwundert und später mit einem Grinsen im Gesicht weg.

Ausgeknockt

Weniger zum Lachen gab es Anfang 2019 in Indian Wells, als der Spanier Nicola Kuhn während eines Ballwechsels kollabierte und von Krämpfen geplagt zu Boden sank. Knapp 15 Sekunden blieb Kuhn regungslos auf dem Platz liegen. Bewegen konnte er sich anschließend nur spärlich und deshalb auch nicht das Match gegen Mischa Zverev zu Ende spielen.

Kyrgios‘-Coach

Dass Kyrgios bereits seit einer Weile ohne Coach unterwegs ist, ist kein Geheimnis. Dass sich die Trainer nicht darum streiten, an der Seite des Australiers zu arbeiten, auch nicht. Etwas ungewöhnlich aber, dass ausgerechnet der ATP-Schiedsrichter Mohamed Lahyani versuchte, das Zepter in die Hand zu nehmen. Während des Zweitrunden Matches der US Open 2018 gegen Pierre-Hugues Herbert verließ der Unparteiische seinen Stuhl und redete auf Kyrgios ein, der bereits einen Satz und ein Break zurücklag. „Ich will dir helfen. Ich habe deine Matches gesehen, du bist großartig fürs Tennis”, sagte Lahyani. Anschließend drehte der Australier die Partie und ging mit 4:6, 7:6, 6:3 und 6:0 als Sieger vom Court. Lahyani wurde wegen des Coachings anschließend für zwei Turniere von der ATP gesperrt.

„Hör mal, wer da…“

Da musste man gleich zwei Mal hinhören. Frances Tiafoe konnte seinen Ohren auch nicht ganz trauen. Während seines Matches gegen Mitchell Krueger beim ATP-Challenger in Florida wurden sie von ungewöhnlichen Geräuschen gestört. Ein Paar ganz in der Nähe hatte anscheinend viel Spaß bei einem Schäferstündchen. So viel, dass Spieler und Zuschauer das Geschehen auf dem Platz auditiv mitverfolgen können. Aber Tiafoe nahm die kurze Unterbrechung mit Humor: Schmunzelt schlug er einen Ball in Richtung des Zimmers und rief: „So gut kann er doch gar nicht sein.“

Kyrgios außer Rand und Band

Wutausbrüche, Streitereien, Diskussionen und ungewöhnliche Ballwechsel sind bei Nick Kyrgios definitiv nichts Neues. In Rom setzte er seinem „Bad Boy“-Verhalten allerdings noch eine Krone auf. Nachdem er verwarnt und mit einem Punktverlust bestraft wurde, warf er seinen Schläger zu Boden. Anschließend kickte er eine Flasche über den Platz, bis er zu einem Stuhl griff und diesen über den Platz schleuderte. „Game, Set and Match“, hieß es schließlich, als Kyrgios seinem Gegner Casper Ruud und dem Schiedsrichter die Hand reichte und verärgert den Platz verließ. Der Australier wurde vom Turnier disqualifiziert und später mit einer Geldstrafe sanktioniert.

Drogenbesitz, Ladendiebstahl, Körperverletzung

Jennifer Capriati, ehemalige Nummer eins, Goldmedaillen-Gewinnerin und dreifache Grand Slam-Siegerin. Hört sich gar nicht mal so schlecht an. Capriati erlebte viele Höhepunkte in ihrer Karriere, wie zum Beispiel den Sieg bei den Olympischen Spielen 1992 gegen Steffi Graf. Aber der Schein trügt. Nach einem hohen Flug folgte bei Capriati 1993 der tiefe Sturz. 1993 wurde sie im Alter von 17 Jahren beim Ladendiebstahl erwischt und ein Jahr später wegen Marihuana-Besitz inhaftiert. Aber 1996 kehrte die vorbestrafte Spielerin auf die Tour zurück und gewann 2001 und 2002 gleich drei Grand Slam-Titel. Nachdem sie wegen Rückenproblemen von der Tour zurückgetreten war, folgte 2013 die nächste Schlagzeile. Ihr Ex-Freund zeigte sie wegen Körperverletzung und Stalking an. Es fand keine Verhandlung statt, aber Capriati akzeptierte 30 Sozialstunden sowie eine Antiaggressionsberatung.

Jennifer Capriati durchlebte Höhen sowie Tiefen auf und besonders neben dem Court.

Kokain und wechselhafte Männerwelt

Fünf Grand Slam-Titel im Einzel gehen auf den Namen der berühmten Schweizerin Martina Hingis. Ebenfalls war sie 209 Wochen als Nummer eins der Weltrangliste geführt. Doch ihr Rücktritt von der Tour kam überraschend. 2007 wurden bei einer Dopingkontrolle Kokainrückstände in ihrem Blut nachgewiesen. Hingis bestritt die Tat und erklärte, dass sie kein Interesse an jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen habe, um ihre Unschuld zu beweisen und deshalb zurücktrete. Letztlich fechtete sie die Vorwürfe doch an, wurde aber  von der ITF für zwei Jahre gesperrt.

2013 folgte dann die Trennung von ihrem Mann Thibault Hutin, den sie mehrmals betrogen hatte. Anschließend verklagte ihr Ex die ehemalige Nummer eins wegen Körperverletzung: „Im Zuge eines Disputs stürzten sich Martina und ihre Mutter Melanie Molitor auf mich, verprügelten und kratzten mich… Ich wehrte mich nach Kräften, da schlug mir Mario Widmer, der Lebenspartner von Melanie, den DVD-Player auf den Kopf“, berichtete Hutin schockiert.

2012: Martina Hingis noch glücklich mit ihrem damaligen Ehemann.

Zwischen Leben und Tod

Erschreckende Szenen musste Jan-Lennard Struff während seines Drittrunden-Matches in diesem Jahr in Wimbledon beobachten. Bei einem 1:2-Satzrückstand und einem Breakball zum 3:2 für Struff wurde das Match wegen Unruhe auf den Zuschauerrängen kurzzeitig unterbrochen. Nach einigen Minuten verließen sowohl Zuschauer als auch die Spieler das Stadion. Grund: Eine Frau erlitt auf den oberen Rängen einen Herzinfarkt und musste schnellstens wiederbelebt werden. Nach 70 Minuten wurde die Partie dann fortgesetzt. Der Deutsche verspielte seine Breakchance und musste mit einer Drittrunden-Niederlage abreisen. Aber nach dem Zwischenfall zeigte er viel Herz. In einem Twitterpost schrieb er: „Heute haben wir erkannt, dass es viel wichtigere Dinge gibt als Sport. Ich hoffe, dass es der Dame nun besser geht.“


  1. Marc L.

    Liebe Redaktion,
    Bitte korrigieren Sie Ihren Artikel bezüglich des Attentats auf Monica Seles. Es war nämlich nicht so, dass Steffi Graf die Spitzenspielerin war, sondern Monica Seles war die unangefochtene N°1. Der Fanatiker wollte nicht sichergehen, dass Graf auch in Zukunft an der Weltspitze steht, sondern er hat dafür gesorgt, dass Steffi Graf Dank dieses Messerattentats wieder die Nummer 1 wurde und in Abwesenheit von Monica Seles sehr viele Grand Slams gewann. Ein wenig Objektivität schadet Ihrer Redaktion nicht!
    Mit freundlichen Grüßen,
    Marc L.


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