International BNL d’Italia – Day Three

French Open: Auslosungsvorschau mit Gerlach und Kohlmann

Wenn am Sonntag mit den French Open der Höhepunkt der Sandplatzsaison beginnt, stehen auch 18 deutsche Damen und Herren im Hauptfeld von Roland Garros. Tennis MAGAZIN blickt gemeinsam mit Davis Cup-Teamchef Michael Kohlmann und seinem Pendant bei den deutschen Damen, Jens Gerlach, auf Form, Auslosung und Chancen der heimischen Spieler.

Seite 2: Vorschau auf die deutschen Herren

Vorschau auf die deutschen Damen

Fed Cup-Teamchef Jens Gerlach (47, seit 2018 im Amt) weilte diese Woche beim WTA-Turnier in Nürnberg, um einige seiner Schützlinge zu beobachten und Gespräche zu führen. Die French Open verfolgt er aus der Heimat im Ostallgäu. Für das Grand Slam auf Sandplatz ist er trotzdem ein gewinnbringender Experte. Schließlich hat seine damalige Spielerin Anastasia Myskina 2004 in Roland Garros triumphiert:

Angelique Kerber (5) vs. Anastassija Potapova (Russland)
Sonntag, erstes Match auf Court Philippe-Chatrier (11 Uhr)

Es war eine verkorkste Sandplatzsaison bisher, ohne dass die dreimalige Grand Slam-Siegerin etwas dafür gekonnt hätte. Vor der Playoffpartie in Lettland wurde Kerber krank, gewann noch geschwächt immerhin eine Runde in Stuttgart. Zu ihrer zweiten Partie in Madrid konnte sie wegen einer Knöchelverletzung nicht mehr antreten. „Vor zwei Wochen ging es kaum mit Auftreten und ich hatte nicht daran geglaubt, dass es für Paris reicht. Aber jetzt bin ich schmerzfrei. Ich habe nach dieser Vorbereitung meine Erwartungen zurückgeschraubt und werde einfach mein Bestes geben“, erklärte Kerber nach ihrer Ankunft in Paris.

Bei Eurosport konkretisierte die 31-Jährige. Ihr Team und sie hätten alles Mögliche unternommen. „Es war echt intensiv. Ich hatte drei, viermal am Tag Behandlung.“ Über ihre blutjunge russische Kontrahentin (Jahrgang 2001) musste sie sich erst informieren. Auf kleineren Sandplatzturnieren zeigte die 18-Jährige ansprechende Leistungen, die mit Ranglistenposition 81 belohnt wurden.

„Den Umständen entsprechend wird Angelique Kerber bereit sein – und geringere Erwartungen an sie selbst sind bei ihr meistens ein gutes Zeichen, eine gute Herangehensweise. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie sich von Runde zu Runde steigern kann“, sagt Gerlach, der Marketa Vondrousova als mögliche, gute Zweitrundengegnerin ausgemacht hat. Die Tschechin trifft zunächst auf Yafan Wang.

In Runde drei könnte mit Carla Suarez Navarro die erste gesetzte Spielerin (28) auf Kerber warten. Gegen die topspinorientierte Spanierin führt die Nummer fünf der Setzliste mit 7:3 – die vergangenen drei Duelle gewann Kerber allesamt. ihre Achtelfinalgegnerin wäre planmäßig entweder die 2019 stark aufspielende Belgierin Elise Mertens (20) oder Anastasjia Sevastova (12). Gerlach schätzt die Belgierin noch stärker ein als die variable Lettin. „Mertens hat sich in den vergangenen anderthalb Jahren mit starken Leistungen in der erweiterten Weltspitze festgesetzt. Wenn Angelique Kerber sich aber gut fühlt und an ihre Leistungsgrenze herankommt, kann sie das schaffen. Wenn man es in die zweite Woche schafft, werden die Karten nochmal neu gemischt. Dann zählt das Selbstvertrauen.“

Julia Görges (17) vs. Kaia Kanepi (Estland)
(noch nicht angesetzt)

„Das ist eine ganz eklige Auslosung gleich in Runde eins für Julia Görges“, resümiert Gerlach. Kanepi sei immer unangenehm. Ihre Spielstärke spiegle zurzeit nicht die Ranglistenposition wider (85). In Miami besiegte Görges die 33-jährige Estin, die 2018 bei den US Open das Achtelfinale erreicht hat.

Görges hatte in den vergangenen Wochen aber mehr körperliche Probleme als mit ihren Gegnerinnen. In Stuttgart erzählte die Wimbledon-Halbfinalistin von ihren Problemen an der Halswirbelsäule, die unter anderem in die Finger ausstrahlen würden. „Meine ganze Halswirbelsäule ist entzündet. Das Problem ist, dass die ganzen Halswirbel irritiert sind, dass sie die Nerven beeinflussen. Ich habe kein Gefühl in drei Fingern. Die Finger sind kalt“, gab sie damals zu Protokoll.

Anfang Mai war sie wieder schmerzfrei, musste beim Turnier in Rom in Runde zwei gegen Mihaela Buzarnescu im entscheidenden Satz  aber verletzungsbedingt aufgeben. „Sie ist aber bereits seit Mittwoch in Paris und kann voll umfänglich trainieren und fühlt sich gut“, erklärt Gerlach. Ziel muss es laut dem Fed Cup Chef sein, vom Aufschlag ausgehend die Punkte zu dominieren. „Wenn sie Kanepi die Initiative überlässt, wird es schwer.“

Tatjana Maria vs. Danielle Collins (USA)
(noch nicht angesetzt)

„Keine Frage. Das ist eine schwierige Aufgabe. Collins hat der ganzen Welt bei den Australian Open gezeigt, dass sie spielen kann“, erklärt Gerlach. Down Under erreichte die ehemalige Collegespielerin nach Siegen unter anderem gegen Angelique Kerber, Julia Görges und Caroline Garcia das Halbfinale. „Jetzt kennen sie die Spielerinnen natürlich und sie muss lernen, dass es nicht so einfach ist, diese Leistung zu bestätigen“, sagt der Fed Cup-Chef. Gerlach ist davon überzeugt, dass Maria mit ihrem Spiel gegen die Amerikanerin mehr als nur Akzente setzen kann. Aber: In Sydney vor den Australian Open, gewann Collins gegen Maria, die zudem zuletzt angeschlagen war. Nach ihrem herausragenden Turnier in Miami (Achtelfinale) plagte sich die 31-Jährige zwischen den Turnieren in Rabat und Charleston mit Rückenproblemen und verlor einige Spiele. „Aber sie ist mittlerweile so stabil, dass sie das in Paris abschütteln kann und Collins aus dem Rhythmus bringen kann.“ Zudem ist Paris ein halbes Heimspiel. Ihr Mann und Trainer ist Franzose.

Andrea Petkovic vs. Alison Riske (USA)
(noch nicht angesetzt)

“ In Nürnberg hat sie auf mich einen sehr energetischen, guten Eindruck gemacht“, sagt Gerlach hoffnungsfroh über die ehemalige Halbfinalistin von Paris. Vergangenes Jahr besiegte sie immerhin Kiki Mladenovic zum Auftakt. Der Herbst 2018 war mit Halbfinalteilnahmen in Guangzhou und Linz überdurchschnittlich gut. Zum Abschluss in Luxenburg musste Petkovic verletzt aufgebeben. Die Ergebnisse in 2019 passen noch nicht. Inklusive Fed Cup und Qualifikationsmatches für WTA-Turniere steht die Saisonbilanz bei 9:12 für die Weltranglisten 69. Mut macht nicht nur Gerlach Petkovics Fitness und Erfahrung, von der sie bei Grand Slams profitieren kann. „Gegnerin Riske würde wahrscheinlich lieber auf Hardcourt spielen, Andrea räume ich in diesem Match gute Chancen ein“, bekräftigt Gerlach.

Mona Barthel vs. Caroline Garcia (Frankreich/24)
(noch nicht angesetzt)

„Beim Fed Cup-Relegationsspiel in Lettland vor einigen Wochen hat sie einen blendenden Eindruck hinterlassen“, schiebt Gerlach vorneweg. Tatsächlich: Bei ihrem ersten Länderspieleinsatz im Einzel seit 2013 besiegte sie Jelena Ostapenko vorentscheidend in zwei Sätzen. In Stuttgart gewann sie an der Seite von Anna-Lena Friedsam die Doppelkonkurrenz. „Aber vor allem seit dem Turnier in Rom hat sie auch ihr Gefühl für das Einzelspiel auf Asche zurück“, erklärt Gerlach, der der 28-Jährigen Chancen auf die nächste Runde einräumt. In Rom spielte sie sich durch die Qualifikation und scheiterte anschließend knapp in drei Sätzen an Anett Kontaveit. „Garcia ist natürlich, nicht zuletzt wegen des Heimvorteils, Favoritin, aber Mona kann frei aufspielen. Sie hat auf jeden Fall Chancen in dieser Partie.“ Außerdem: Garcia zeigte in der Vergangenheit vor heimischem Publikum das ein oder andere Mal Nerven.

Laura Siegemund vs. Sofia Andrejewna Schuk (Russland)
Sonntag, zweites Match nach 11 Uhr auf Court 7

Die 19-Jährige hat dank überstandener Qualifikation zum ersten Mal seit den US Open 2017 ein Grand Slam-Hauptfeld erreicht. 2019 war die Rechtshänderin ausnahmslos auf kleineren Turnieren unterwegs. Im Osten gilt sie spätestens seit ihrem Juniorinnentitel in Wimbledon 2015 als großes Talent. Rasen ist nach eigenen Angaben ihr bevorzugter Untergrund. Von ihrem Karrierehoch 116 ist die Russin einige Plätze entfernt (157). Siegemund hat sich dagegen wieder unter die ersten 100 gekämpft (97). „Laura hat sich ein gewisses Selbstvertrauen auf Sand erarbeitet, auch wenn sie jetzt in Straßburg gegen Sabalenka verloren hat – aber das kann passieren. Eine Qalifikantin ist zwar immer gefährlich, aber ich räume ihr sehr gute Chancen ein“, sagt Gerlach. Das Thema Kreuzband ist längst keines mehr. „Sie ist mental sehr stark und da ganz geradlinig eingestellt. Sie redet darüber nicht mehr und sucht sehr zielstrebig nach Wegen, noch besser zu werden.“ Kurzer Ausblick: In Runde zwei könnte Nürnberg-Siegerin Yulia Putinseva warten. Die gesetzten Spielerinnen in der Nähe sind die widererstarkte Belinda Bencic sowie Madrid-Siegerin Kiki Bertens.

Antonia Lottner vs. Johanna Konta (Großbritannien/26)
(noch nicht angesetzt)

„Dass sich Antonia Lottner erneut in der Qualifikation durchgesetzt hat, ist ein Qualitätsmerkmal“, sagt Gerlach, der sich über die Entwicklung der 22-Jährigen freut.

Gegnerin Konta erreichte in Marokko und zuletzt in Rom völlig überraschend das Finale und schwebt auf einer Wolke.

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