Kerber Fed Cup

Exklusiv: Kerber und Görges bereit für Fed Cup-Relegation

Angelique Kerber und Julia Görges stehen dem DTB-Team für die unangenehme Auswärtsaufgabe in der Fed Cup-Relegation in Lettland aller Voraussicht nach zur Verfügung. Das bestätigten die Spielerinnen sowie Teamchef Jens Gerlach unisono.

Am Rande der Miami Open signalisierte Angelique Kerber ihre generelle Bereitschaft für eine Teilnahme an der Relegationspartie in Lettland (20./21. April). Gegenüber tennis MAGAZIN sagte sie exklusiv: „Der Fed Cup spielt noch eine Rolle für mich. Es ist immer eine Ehre für Deutschland zu spielen und das bleibt auch so. Ich stehe in Lettland zur Verfügung.“

Kerber gab allerdings zu bedenken, dass die Entscheidung nur Jens Gerlach, der Teamkapitän, treffen könne und ergänzte: „Ich werde mit ihm hier in Miami sprechen.“

Am späten Donnerstagabend (Ortszeit Miami) bestätigte Gerlach die Aussagen Kerbers.  Er habe mit allen deutschen Spielerinnen Gespräche geführt. Gegenüber tennis MAGAZIN sagte er: „Angelique und Julia Görges haben mir ihre Bereitschaft signalisiert, in Lettland aufzuschlagen. Das freut mich sehr.“

Auch Julia Görges ist bereit für den Fed Cup. Am Donnerstag zog sie in die dritte Runde der Miami Open ein

Nicht nur Kerber und Görges: Alle wollen spielen

Die offizielle Nominierung erfolgt erst zehn Tage vor der Begegnung gegen Lettland. „Ich wünsche mir als Kapitän natürlich, dass alle Spielerinnen die kommenden drei Wochen verletzungsfrei bleiben. Damit ich dann bei der Nominierung mit Kerber und Görges aus dem Vollen schöpfen kann“, erklärte Gerlach. „Die Bereitschaft der Spielerinnen ist ein tolles Signal für Tennis-Deutschland“, erklärte Gerlach.

Dem Trainer war es zudem wichtig zu betonen, dass alle Spielerinnen in Miami positive Signale mit Blickrichtung auf die Relegation ausgesendet hätten. Die Partie findet unmittelbar vor Beginn des renommierten Porsche Grand Prix in Stuttgart statt. Eine weitere Anpassungsschwierigkeit: Gespielt wird in Lettland auf Hardcourt, wenige Tage später in Stuttgart wieder auf Sand.

Miami Open: Nur Görges siegreich

Görges sorgte indes für das aus deutscher Sicht einzige positive Ergebnis am Donnerstag in Miami. Die 30-Jährige besiegte Magdaléna Rybáriková in zwei umkämpften Sätzen mit 6:4 und 7:5 und zog bereits in die dritte Runde ein. Görges konnte sich auf einem der Außenplätze über weite Teile der Partie auf ihren ersten Aufschlag (erzielte danach zu 74 Prozent den Punkt) verlassen und breakte die Slowakin viermal.

Anna-Lena Friedsam, die nach langer Verletzungspause ihr WTA-Hauptfeldcomeback feierte, verlor bei der Fortsetzung ihrer Partie gegen Ajla Tomljanovic ihre spielerische Linie. Die deutsche Meisterin unterlag 6:4, 3:6 und 0:6.  Unterstützt wurde sie in Miami von Gerlach. „Sie ist ohne ihren Coach Sascha Müller hier. Da ist das für mich selbstverständlich, das ich helfe.“Mit Müller arbeitet die Deutsche seit langem am Standort Koblenz.

Ausgeschieden ist derweil auch Laura Siegemund, die sich mit kämpferisch starken Leistungen über die Quali ins Hauptfeld gespielt hatte. Dort war gegen die Schwedin Peterson Endstation (1:6, 7:5, 5:7).

Am Mittwoch hatte Tatjana Maria als erste Deutsche (außer den gesetzten Kerber und Görges) die zweite Runde erreicht. Sie trifft am Freitag auf Camilla Giorgi. Andrea Pektovic war dagegen ausgeschieden.

Schon am Freitag steigt bei den Damen die deutsche Nummer eins Kerber (in der deutschen Nacht zum Samstag) in das Turniergeschehen ein. Sie trifft auf die Qualifikantin Karolina Muchova aus Tschechien. Das sollte – unter normalen Umständen – eine dankbare Auftakthürde darstellen.

Kerber: Leistungssteigerung nichts mit Verhältnis zu Schüttler zu tun

Schließlich hat die dreifache Grand Slam-Siegerin gerade ihre beste Saisonleistung erbracht. In Indian Wells unterlag sie erst im Finale der 18-jährigen Überraschungssiegerin Bianca Andreescu. „Ich hatte das Match aber nicht mehr lange in meinem Kopf“, erklärte Kerber auf tennis MAGAZIN-Nachfrage. Das Team um Trainer Rainer Schüttler sei auch direkt danach abgereist. „Klar war ich zunächst enttäuscht. Aber das positive Gesamtergebnis überwiegt.“

Kerber ist seit Dienstag in Miami – und wie üblich in Down Town untergebracht. Die erste Trainingseinheit konnte aufgrund des Regens erst am Mittwoch stattfinden. Kerber gab indes klar zu verstehen, dass weder die zum Teil durchwachsenen Leistungen 2019 noch das hervorragende Abschneiden in Indian Wells etwas mit Anpassungen im Spieler-Trainer-Verhältnis zu tun hat.

„Für mich war es nur wichtig, dass ich motiviert ein richtig gutes Turnier gespielt habe, dass ich zu meinem Spiel gefunden habe und das Selbstvertrauen zurückgekommen ist.“ Das Vertrauen zum eigenen Spiel sei die wichtigste Komponente für die kommenden Aufgaben.

IM GESPRÄCH: tennis MAGAZIN traf Kerber am Rande des Turniers in Miami.

Kerber betonte überdies: „Ich finde auch nicht, dass ich 2019 schlecht gespielt habe. Ich stand im Habfinale in Dubai  und Australien war auch ok. Ich kann nicht ein ganzes Jahr lang immer auf dem allerhöchsten Niveau spielen. Ich werde nicht jedes Turnier gewinnen.“  Das Wichtigste sei, dass sie sich weiter herausfordern könne und die Motivation habe.

In diese Mentalität setzt auch Fed Cup-Chef Jens Gerlach große Hoffnungen. Schließlich könnten für Lettland mit Anastasija Sevastova und Jelena Ostapenko zwei Spielerinnen aus der erweiterten Weltspitze auflaufen. Mit Kerber und Görges würde das DTB-Team in eine leichte Favoritenrolle vorrücken. Ohne das deutsche Spitzenduo sehe das definitiv anders aus.

Miami Open Herren: Marterer stark, Struff verliert Faden

Bei den Herren setzte Maximilian Marterer am Donnerstag ein Ausrufezeichen mit seinem Sieg gegen Lokalmatador Taylor Fritz. In Runde zwei wartet Milos Raonic. Einen umgekehrten Ausgang fand das Duell USA gegen Deutschland in der Begegnung des Aufschlagmonsters Reilly Opelka und dem eigentlich so formstarken Jan-Lennard Struff. Der 28-Jährige verlor allerdings gegen Ende des zweten Satzes sein Service und damit die Kontrolle über das Match (6:4, 3.6, 4:6).

Mischa Zverev trifft in Runde zwei auf den Hardhitter Nikoloz Balashvilli. Sein Bruder Alexander steigt erst am Samstag ein (gegen David Ferrer). Im Doppel unterlag das Bruderpaar mit 4:6 und 2:6 gegen die Argentinier Máximo González und Horacio Zeballos.