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Germany's Oscar Otte returns the ball to Germany's Alexander Zverev during their men's singles first round tennis match on Day 1 of The Roland Garros 2021 French Open tennis tournament in Paris on May 30, 2021. (Photo by Christophe ARCHAMBAULT / AFP) (Photo by CHRISTOPHE ARCHAMBAULT/AFP via Getty Images)

Oscar Otte: „Für mich ist Federer der Größte“

Der 27-jährige Oscar Otte spricht mit tennis MAGAZIN über seine Stärken, Matchfixing und sein Duell gegen Roger Federer bei den French Open 2019.

Das Interview erschien in tennis MAGAZIN-Ausgabe 01-02/2021.

Herr Otte, im Herbst 2020 erreichten Sie ein Challenger-Finale, holten einen Challenger-
Titel und schlugen auf ATP-Level  Dominik Koepfer sowie  Jan-Lennard Struff. Warum lief es bei Ihnen plötzlich so gut?

Abgesehen von der Off-Season haben wir sonst kaum Zeit, um Reize zu setzen. Die lange Corona-Pause haben mein Team und ich genutzt, um mein Training umzustellen. Wir  haben mehr im körperlichen Bereich gearbeitet: laufen gehen, mehr Krafttraining, Stabilisationsübungen und Yoga. Das kam mir auf dem Platz zu Gute. 

Wo liegen Ihre Stärken?

Mein Spiel ist gleich geblieben, aber ich konnte körperlich viele Dinge besser umsetzen und hatte deshalb mehr Selbstvertrauen in den Partien. Ich war bei der DTB German Pro Series und bei der IPL Series dabei, bin also mit viel Matchpraxis in die großen Turniere reingegangen und habe einen festen Match-Rhythmus bekommen. 

War Tennis schon immer Ihr Traumjob? 

Meine Mutter erzählt immer, dass ich mal Koch werden wollte. Wenn ich das jetzt reflektiere: Ich koche echt ungerne und bestelle lieber. In der elften Klasse habe ich die Schule abgebrochen und komplett auf Tennis gesetzt. Mit meinem Ranking, das es mir ermöglicht, bei Grand Slam-Turnieren mit­zupielen und etwa gegen Roger Federer anzutreten, sind einige meiner Wünsche schon in Erfüllung gegangen. Ich bereue meine Entscheidung nicht.

Otte: „Bei den Futures setzt man sich selbst unter Druck“

Welche Vorteile genießen Sie dadurch, dass Sie sich auf der Challenger- und ATP-Tour etabliert haben?

Das sind unterschiedliche Welten. Es wird mehr für die Spieler gemacht. Die Rahmenbedingungen, Anlagen und Plätze sind besser. Man spielt mit Ballkindern und Linienrichtern. Wenn man bei den Challengern ein paar Runden gut spielt, ist man finanziell gesehen auch im Plus. Es gibt ein paar Hundert Euro und somit sind wenigstens die Anreisekosten gedeckt. Dann geht man gleich mit einem besseren Gefühl in die Turniere. Bei den Futures setzt man sich selber unter Druck: Wenn man in der ersten Runde verliert, bekommt man 50 Euro. Der Sprung zur ATP Tour ist nochmal größer. Wenn man in der Quali-Runde beim ATP-Turnier gewinnt, hat man fast so viel Preisgeld, wie wenn man ein Challenger gewinnt. Und die Punkte werden mehr. Wenn man sich da über ein paar Jahre etablieren kann, was auch mein Ziel ist, durch konstante Leistung über die Jahre, dann ist es ein angenehmer Job.

Otte: „Eigentlich kann man sich nichtmal einen Trainer leisten“

Besonders auf der ITF-Tour gilt Matchfixing als großes Thema. Haben Sie das mitbekommen?

Das wurde ja öffentlich. Aber mir wurden zum Glück keine Angebote gemacht, Matches zu verkaufen. Es ist natürlich keine Erklärung oder Entschuldigung auf der Future-Ebene Matches zu verkaufen. Aber wenn man das mal aus einem anderen Blickwinkel sieht: Wenn man aus Südamerika kommt und versucht irgendwie hochzukommen – das kann man sich nicht selber leisten. Es sind so hohe Kosten, die von Woche zu Woche anfallen. Eigentlich kann man sich nicht einmal einen Trainer leisten. Du bist auf dich alleine gestellt. Es sei denn, du hast gute Freunde, die mitkommen. So war das bei mir: Ich war mit Andy Mies oder Mats Moraing unterwegs. Das war cool, wenn Leute dabei sind, mit denen du dich gut verstehst und man sich gegenseitig unterstützt. Aber diese Turniere stehen in keinem Verhältnis. Natürlich gibt es Schlimmeres, als bei den Future-Turnieren Tennis zu spielen. Aber es müsste sich in den nächsten Jahren einiges ändern, damit da mehr Breite geschaffen wird.

Otte: „Aus meiner Sicht ist Federer der Größte“

2019 traf Oscar Otte in der zweiten Runde bei den French Open auf Roger Federer. 📸: Getty Images

Was haben Sie aus dem Match gegen Federer  bei den French Open 2019 mitgenommen? 

Gegen ihn zu spielen, war natürlich schwierig, dennoch habe ich gut gespielt. Aber es kam viel Neues auf mich zu. Beispielsweise hatte ich zum ersten Mal richtige Interviews. Deshalb war ich nach dem Match ein paar Tage fix und fertig. Es waren coole Erfahrungen. Das einzig Blöde war, dass ich mich danach wieder verletzt hatte und diesen positiven Swing nicht mitnehmen konnte. 

Roger Federer, Rafael Nadal oder Novak Djokovic – wer ist Ihr Favorit für den besten Spieler der Historie?

Egal, wer das Rennen macht: Aus meiner Sicht ist Federer der Größte. Ich bin da leider nicht objektiv. Ich bewundere ihn für sein Auftreten. Er ist das Aushängeschild für den Tennissport. Er hat sich ein makelloses Image aufgebaut und nicht, wie Djokovic, für Skandale gesorgt.