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Rafael Nadal: „Ich hätte einen Sieg von Thiem vorgezogen”

Anlässlich der Eröffnung seiner neuen Akademie in Kuwait gab Rafael Nadal ein Interview der spanischen Sportzeitung „Marca”. Unter anderem sprach er über die Australian Open, die Olympischen Spielen und seine größten Erfolge.

Nachdem Rafael Nadal seine erste Akademie in seiner Heimat auf Mallorca gründete, eröffnete er weitere Trainingsakademien in Griechenland und Mexiko. Nach den Australian Open stand nun die Einweihung der neuen „Rafael Nadal Academy“ in Kuwait auf dem Plan. Gemeinsam mit David Ferrer bestritt er hier ein Exhibition-Match. Anschließend unterhielt sich der Mallorquiner mit einem Pressevertreter der spanischen Sportzeitung „Marca“. Neben Fragen über seine Rolle als Vorbildfunktion und seinen Bekanntheitsgrad wurden auch das Finalspiel bei den Australian Open, die Olympischen Spiele, Teamwettbewerbe und Nadals persönliche Karriere-Highlights thematisiert.

Nadals neue Akademie in Kuwait verfügt über 18 Courts. Auf den größten Platz passen 5.000 Zuschauer.

Der Rückzug ins „normale Leben” rückt für Nadal näher

Im Bezug auf den Umgang mit der großen Öffentlichkeit rund um seine Person merkte Nadal an, dass er diese Lebensweise seit klein auf gewohnt wäre und sich gut damit arrangieren könne. Eigentlich sieht er diese Position sogar eher als Bereicherung für sich und sein Leben: „Ich glaube nicht, dass ich mir etwas anderes wünschen würde. Ich habe ein riesiges Glück im Leben, wegen all der Dinge, die mir passiert sind und passieren.“ Besonders die tatkräftige Unterstützung der Personen in seinem Umfeld habe ihm auf seinem Weg sehr geholfen.

Aber er weiß auch, dass eine solche Karriere und Lebensweise nicht ewig anhalten wird: „Ich weiß, dass dieses Glück nicht ewig währt. Der Zeitpunkt zu einem Rückzug ins ’normale‘ Leben rückt immer näher. Besonders aufgrund des Alters und weil das sportliche Leben eines Menschen immer einen Anfang und ein Ende hat. Ich bin jetzt 33,5 Jahre alt und das ist nicht mehr dasselbe wie mit Anfang 20. Ich werde versuchen, die unvergesslichen Momente und Erlebnisse, die ich dank des Tennis genießen konnte, so weit wie möglich zu verlängern.“

Nadal: „Manchmal möchte ich lieber anonym bleiben”

Auf die Frage hin, ob Nadal überall auf der den gleichen Bekanntheitsgrad und die gleiche Anerkennung genießt, sagt er, dass er grundsätzlich nie unerkannt bleibe. Natürlich ist er an verschiedenen Orten bekannter als an anderen. Grundsätzlich störe den Spanier das aber recht wenig, dennoch gibt es auch in seinem Leben Momente, in denen er gerne unerkannt bleiben möchte: „Die Wahrheit ist, dass es immer Momente gibt, in denen ich lieber anonym bleiben möchte. Aber wenn mir diese Gedanken durch den Kopf schießen, versuche ich sie zu verdrängen. Denn bei all den guten Dingen, die ich in meinem Leben habe, wäre es sehr unfair, über so etwas nachzudenken.”

Nadal: „Es gibt Momente, in denen ich lieber anonym bleiben möchte.“

Mit einem Blick auf eigene Meinungsäußerungen zu aktuellen Themen beschreibt Nadal seine Rolle als Profisportler und Meinungsbildner als schwierig. Einerseits möchte er nicht, dass ihm das Recht genommen wird, seine Meinung zu Themen, die in keinem Zusammenhang zum Sport stehen, öffentlich zu äußern. Andererseits sehe er sich auch nicht verpflichtet, beispielsweise politische Konflikte persönlich zu kommentieren: „Nur weil ich Sportler bin, glaube ich nicht, dass ich als spanischer Bürger oder Weltbürger das Recht verliere, meine Meinung zu Konflikten, beispielsweise politischer Art, zu äußern. Ebenso liegt es an mir, ob ich mich nun äußern möchte oder nicht. Wenn ich dies nicht tue, heißt das nicht zwangsläufig, dass ich mich nicht interessiere.”

„Ich hätte einen Sieg von Thiem vorgezogen”

Sportlich ging es bei dem Interview vor allem um Nadals Abschneiden bei den Australian Open. 2019 stand er dort im Finale stand, 2020 verlor er im Viertelfinale gegen Dominic Thiem. Anschließend bezwang Thiem den Deutschen Alexander Zverev, scheiterte aber schließlich im Finale an Titelverteidiger Novak Djokovic. Der Sieg von Djokovic bedeutete allerdings für Nadal, der vor den Australian Open noch die Weltrangliste anführte, dass er eben diese Position verlor. „Marca” fragte ihn, ob ihm ein Sieg von Thiem im Finale lieber gewesen wäre, um die Topposition zu behalten.

„Natürlich hätte ich den Sieg von Thiem vorgezogen. Ich muss kein Heuchler sein, oder? Ich persönlich wäre besser dran gewesen, wenn Thiem gewonnen hätte. Aber, um ehrlich zu sein, habe ich in den letzten Tagen trotzdem sehr gut geschlafen”, antwortete Nadal. Seinen Rivalen Novak Djokovic beglückwünschte er: „Dieses Turnier liegt ihm besonders. Und jetzt ist er der beste Spieler der Welt. Das sagen die Zahlen. Und das einzige, was ich tun kann, ist ihm zu einem weiteren großen Erfolg zu gratulieren.“ Zum Deutschen Alexander Zverev sagte er: „Es gibt viele gute Spieler, die auf einem hohen Niveau spielen und in den kommenden Monaten ihre Chancen haben werden.”

Nadal: Olympische Spiele sind nicht sicher

Rafael Nadal holte sich bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking die Goldmedaille.

Im Juli und August finden die Olympischen Spiele in Tokio statt. Der Goldmedaillen-Gewinner  (2008 im Einzel und 2016 im Doppel) plant zwar mit einer Teilnahme, macht diese aber abhängig von seinen Ergebnissen und seinem Fitnesszustand. „Zwischen 2019 und 2020 hatte ich nur wenig Zeit, mich vorzubereiten. Das war sehr anstrengend. Ich muss meinen Aufwand gut einschätzen, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Das steht natürlich in Abhängigkeit zu meinen Ergebnissen. Wenn ich viel gewinne, muss ich am Ende weniger spielen. Wenn ich weniger gewinne, muss ich eben mehr spielen.“ Dabei betonte er aber, dass die Olympischen Spiele in seinen Augen das wichtigste Sportereignis der Welt seien. Deshalb hofft er sehr, dabei sein zu können.

„Wir teilen glückliche und traurige Momente”

Nadal steht auch gewissermaßen für die Marke „Einzelsportler”, da er besonders in der Einzelkonkurrenz regelmäßige und große Erfolge verzeichnen kann. Dennoch betont er auch die Wichtigkeit der Auftritte für sein Land gemeinsam mit seinen spanischen Teamkollegen. Er fühlt sich gerne mit der Verantwortung konfrontiert, sein Land weltweit zu repräsentieren und eine Verbindung zwischen ihm und seiner Heimat aufzubauen. „Bei diesen Mannschaftswettbewerben vertreten wir nicht nur unser Land, sondern spielen auch für unsere Mitspieler. Das ist für unseren Sport sehr untypisch. Aber ich genieße es. Es ist immer etwas spezieller, sowohl glückliche als auch traurige Momente mit Teamkollegen teilen zu können.”

Rafael Nadal gewann mit Spanien den Davis Cup und verlor beim ATP Cup erst im Finale.

Bedeutende Momente

Abschließend sollte Nadal die Frage beantworten, welche Siege in seiner Karriere für ihn die bedeutendsten gewesen seien. Unter 19 Grand Slam-Titeln und 64 weiteren Turniersiegen kann es schließlich recht schwer sein, sich an alle Siege zu erinnern. Das sieht auch Nadal so. Neben seinem ersten Davis Cup-Finalsieg in Sevilla gegen die USA 2004, nannte er auch den Grand Slam-Sieg 2005 bei den French Open. Damals gewann der 19-jährige Spanier seinen ersten Major-Titel, als er im Finale den ungesetzten Argentinier Mariano Puerta besiegte.

Auch seinen fünften Grand Slam-Titel 2008 bezeichnet er als Schlüsselmoment. Hier triumphierte er erstmals in Wimbledon, nachdem er in einem der besten Matches aller Zeiten Roger Federer besiegte. Ebenso führte Nadal seinen ersten Titelgewinn in Melbourne bei den Australian Open 2009 und seinen Sieg bei den US Open 2013 an: „Die US Open 2013 waren etwas ganz Besonderes. 2012 hat mich eine Knieverletzung über sieben Monate außer Gefecht gesetzt. Deshalb war das ein Sieg, der mich mit großer Genugtuung erfüllt hat.”

Das spanische Original-Interview von „Marca“ finden sie HIER.