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Zverev vor ATP-Finals: Aufgeräumt in den finalen Akt

Alexander Zverev startet am Montag gegen Marin Cilic in seine zweiten ATP-Finals in Folge. Während der finalen Vorbereitungen wirkt er vor diesem letzten Akt 2018 aufgeräumt wie nie. Lediglich die Schulter bereitet Sorgen, wie unser Reporter live vor Ort erfuhr.

„Während des Turniers in Peking glaube ich, war es. Ich habe im Hotelzimmer auf meine Uhr und das Datum geblickt und gedacht: verdammt, noch zwei Monate geht die Saison.“ Alexander Zverev muss während des Interviews an diesem Donnerstag vor den ATP-Finals in den Räumlichkeiten des Pressecenters in der Londoner O2-Arena schmunzeln. „Nicht falsch verstehen, ich liebe diesen Sport und alles, was ihn umgibt. Aber die Saison dauert schon sehr lange an“, sagte Zverev am Rande eines von den Gerry Weber Open organisierten Interviewtermins.

Zverev, das ist nicht die Neuigkeit, hat in den vergangenen Wochen immer mal wieder öffentlich darauf hingewiesen, dass die Saison mit elf Monaten zu lang sei. Das wiederholte er am Donnerstag und führte ausführlich aus, was ihn dazu veranlasste – inklusive der Davis Cup-Problematik mit der Finalrunde Ende November, den Herausforderungen einer ausgewogenen Vorbereitung und seiner persönlichen Entwicklung. (Das ganze Interview lesen Sie in unserer nächsten Printausgabe).

Trotz der Schwierigkeiten ist die deutsche Nummer eins heiß auf das Jahresendturnier der besten acht Spieler. Es ist der finale Akt einer langen Saison für den 21-Jährigen. Alexander Zverev wirkt äußerst sortiert, aufgeräumt. „Alle Spieler sind ein wenig müde“, sagt Zverev. Es gehe darum, die Reserven bestmöglich zu nutzen. „Es gibt keine lange Anlaufphase. Wer hier Zeit benötigt, ist schnell raus.“

Zverev trainiert mit Coric trotz Cilic-Duell

So ging es der Nummer fünf der Welt im Vorjahr, als er nach zwei Pleiten gegen Roger Federer und Jack Sock nach den Gruppenspielen ausschied; gegen Marin Cilic gewann er damals.

Wieder geht es gegen Cilic. Gegen Kroatiens Aushängeschild eröffnet der Davis Cup-Spieler am Montag erneut die Gruppenphase. Im direkten Vergleicht führt der Deutsche mit 5:1. Die weiteren Gegner lauten John Isner und Novak Djokovic. Klar, dass ein Auftakterfolg immens wichtig wäre.

Erstaunlicherweise hieß Zverevs Trainingspartner am Donnerstag um 11 Uhr Borna Coric, Cilics Landsmann. Hintergrund: Kroatien bestreitet  in zwei Wochen  das Davis Cup-Finale gegen Frankreich. Coric muss also fit bleiben und gab im kleinen Abschlusssmatch alles.

Zverev: Lendl ist der Kommunikator im Training

Beobachtet wurde das nahezu vom gesamten Zverev-Clan. Ivan Lendl und Alexander Zverev senior auf dem Court. Physiotherapeut Hugo Gravil und Fitnesscoach Jez Green mit etwas Abstand hinter der Bande. Und auch Mutter Irina samt Pudel Lövik ließen sich kurz blicken.

Die Stimmung: konzentriert, aber sehr gut. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es dennoch: Die Schulter von Alexander Zverev macht Probleme. Genauer gesagt: sein rechter Schulterblattmuskel. „Der ist angezerrt und das schon seit Paris so, um ehrlich zu sein“, sagt der dreifache Masters-1000-Sieger.

Seit French Open: Zverev mit angezerrtem Schulterblattmuskel

Es sei nichts Gravierendes, aber es nerve leicht, vor allem beim Service. „Dann sagen die Leute: ,Ja, aber Du servierst doch mit mehr als 220 Stundenkilometern.'“ Tatsächlich störe ihn die Verletzung lediglich beim zweiten Aufschlag, beim Kickaufschlag. „Da fehlt dann das Vertrauen zur eigentlichen Bewegung und dann spielt der Kopf eine Rolle und dann serviert man neun Doppelfehler wie bei meinem Aus gegen Karen Khachanov in Paris.“

Auswirkungen auf das Turniergeschehen, so hofft Zverev, habe das Ganze aber nicht. Im anschließenden Urlaub soll die Zerrung ausheilen.

Die direkte Ansprache auf dem Platz zwischen den Ballwechseln hielt Lendl. Am Donnerstag ging es unter anderem um die Position auf dem Platz. Allerdings, so führt es Zverev später aus, fordere Lendl keine nähere Position an der Grundlinie.

Es wurde viel kommuniziert. Zverev, das wird im Interview deutlich, ist sehr stolz, jemand mit der Reputation Lendls in seinem Team zu wissen. „An der Aura hat er nichts verloren. Und ich höre ihm immer zu. Außer, wenn er über Golf spricht“, führt der Deutsche aus und lacht.

Fans und Beobachter müssen sich trotz der langen Saison und seiner Bedenken keine Sorgen machen. Zverev versprüht  Vorfreude und wird nach eigener Aussage nochmal alles geben. Klappt das, und streikt die Schulter nicht, ist das Halbfinale drin.