2026 Australian Open – Day 13 In Melbourne – 30 Jan.

Zum elften Mal in Indian Wells: Alexander Zverev trifft zum Auftakt auf Matteo Berrettini. Bild: IMAGO

Zverev vor Start in Indian Wells: „Aggressiver sein, mehr Risiken eingehen“

Alexander Zverev scheiterte zuletzt im Einzel von Acapulco zwar früh, dennoch könnte ihm die Zeit dort Auftrieb in Indian Wells verschaffen.

Was Alexander Zverev bei einem seiner Lieblingsturniere in Acapulco letzte Woche vollbracht hat, dürfte selbst für ihn, der schon seine 14. Profisaison bestreitet, eine Überraschung gewesen sein. Denn Zverev gewann an der Seite von Marcelo Melo die Doppelkonkurrenz in dem mexikanischen Badeort. Es war der dritte Doppeltriumph für den Deutschen. Zuletzt hatte er 2019 mit Bruder Mischa eine Doppelkonkurrenz für sich entscheiden können – übrigens auch in Acapulco.

Melo und Zverev stehen zwar immer mal wieder zusammen auf dem Court, einfach weil sie „best buddies“ sind und gerne Zeit miteinander verbringen – auch auf dem Tennisplaztz. Von Erfolg gekrönt waren ihre Auftritte aber nun in den seltensten Fällen. 2025 spielten sie gemeinsam zehn Doppel, von denen sie genau eins gewannen. 2024 feierten die beiden zwar ihren bislang größten Erfolg, als sie im Finale des Masters-1000er-Turniers von Monte Carlo standen, das sie gegen Vliegen/Gille verloren. Aber das war eher ein Ausreißer nach oben.

Zverev mit dem Fokus aufs Doppel

Melo, ein ausgewiesener Doppelspezialist, ist mit anderen Partnern wesentlich erfolgreicher als mit Zverev und war 2015 sogar die Nummer eins der Doppel-Weltrangliste. In seiner Karriere holte der 42-Jährige schon 42 Doppeltrophäen (kein Witz!) – eine davon übrigens zusammen mit Landsmann Joao Fonseca in der Vorwoche von Acapulco in Rio de Janeiro. Für das brasilianische Duo war der Sieg vor der „Home-Crowd“ natürlich ein überwältigendes Erlebnis.

Umso überraschender war es aber, dass er gleich im Anschluss mit Zverev die nächste Erfolgswoche ablieferte. Für ihr gemeinsames Doppel war es vermutlich ein Vorteil, dass Zverev schon im Achtelfinale gegen Miomir Kecmanovic aus der Einzelkonkurrenz flog. So konnte er den Fokus mal voll auf das Doppel mit seinem Kumpel legen, was auch nicht so oft vorkommt. Am Ende schlugen sie im Finale die beiden Doppelexperten Erler/Gallway – ihr erster gemeinsamer Doppeltitel (und insgesamt Zverevs dritter auf der Tour).

„Ich wollte eigentlich in Acapulco im Einzel gewinnen“, räumte der Deutsche später schmunzelnd ein, „aber manchmal kommt es eben anders. Und es war definitiv etwas Besonderes für mich, im Doppel zu gewinnen, weil Marcelo schon seit mehr als zehn Jahren mein bester Freund ist. Wir spielen schon so lange zusammen und jetzt endlich mal gemeinsam einen Titel zu holen, ist etwas Spezielles für mich.“

Zverev: Kuss für Tochter Mayla

Es war dann doch das perfekte Ende einer Turnierwoche, die auch aus einem anderen Grund ungewöhnlich war für Alexander Zverev – ungewöhnlich schön, um genau zu sein. Er wurde nämlich von seiner vierjährigen Tochter Mayla begleitet. Bisher hatte man ihn nie in der Öffentlichkeit mit ihr gesehen, nun aber gab es Fotos der beiden bei der Ankunft in Acapulco oder auf dem Weg zum Training. Besonders rührend: Als Zverev/Melo im Endspiel gesiegt hatten, kam „Papa Sascha“ auf die am Platzrand jubelnde Mayla zu und küsste sie väterlich. „Den Pokal nimmst du mit nach Hause, ja?“, rief er ihr noch zu. Es waren Bilder, die eine bisher unbekannte Seite von Zverev zeigten – als liebevollen Vater nämlich.

Mayla ist nun wieder nach Hause geflogen, während sich der Papa auf das erste Masters-1000er-Turnier der Saison in Indian Wells vorbereitet. Die gute Stimmung aus Acapulco brachte der 29-Jährige anscheinend mit nach Kalifornien, denn in ersten Interviews vor Ort gab er sich locker und gelöst. Gleichzeitig offenbarte er ein paar Details zu seiner umgestellten Spielweise, um den beiden derzeit weltbesten Profis, Carlos Alcaraz und Jannik Sinner, gefährlich werden zu können.

Zverev: „Vielleicht funktioniert unser Ansatz nicht“

In einem Interview mit der ATP erzählte er, wie er Ende 2025 mit seinem Team zusammenkam und Bilanz zog. Tenor: Er sei jetzt schon seit zehn Jahren in den Top Five, aber das eine Ziel, „was wir unbedingt erreichen wollen, haben wir bisher nicht erreicht.“ Ohne es beim Namen zu nennen: Es ging natürlich um den ersehnten Grand Slam-Titel. Zverev: „Vielleicht funktioniert unser Ansatz nicht.“ Er habe deshalb mit seinem Team beschlossen, seine Spielweise umzustellen: „Aggressiver sein, mehr Risiken eingehen.“

Das wurde teilweise schon bei den Australian Open 2026 sichtbar. Einige Beobachter schwärmten bereits, dass Zverev dort das beste Tennis seit Jahren gespielt hätte. Dennoch reichte es wieder nicht zum Titel, weil er im Halbfinale gegen Carlos Alcaraz in einem dramatischen Fünf-Satz-Match verlor. In Indian Wells stellte der Olympiasieger von 2021 nun klar, dass es wichtig sei, „den richtigen Weg weiterzugehen – auch wenn dann vielleicht Niederlagen wie in Acapulco hinzunehmen sind“. Das klingt tatsächlich nach einem neuen Ansatz: Ergebnisse sind erst eimal zweitrangig, solange die spielerische Entwicklung in die richtige Richtung weist.

Zverev gegen Berrettini zum Auftakt

In Indian Wells, wo Zverev an vier gesetzt ist und in der ersten Runde ein Freilos hatte, trifft er nun zum Auftakt am Freitag auf den durchaus gefährlichen Italiener Matteo Berrettini, Wimbledon-Finalist von 2021. Allerdings hat Berrettini schon ein kräftezehrendes Match in den Knochen: Bei seinem 4:6, 7:5, 7:5-Sieg gegen Adrian Mannarino plagten ihn zum Ende Krämpfe. Letztes Jahr verlor Zverev gleich zum Auftakt gegen Tallon Griekspoor.

Zugegeben: Indian Wells ist kein Erfolgsturnier für Zverev. 2024 und 2021 stand er jeweils im Viertelfinale – weiter kam er bei seinen bislang zehn Turnierteilnahmen nicht. 2026 könnte er in der unteren Hälfte im Viertelfinale auf Lorenzo Musetti oder Felix Auger-Aliassime treffen. Sollte er erstmals ins Halbfinale von Indian Wells einziehen, könnte er es mit Jannik Sinner zu tun bekommen. Spätestens dann wird sich zeigen, wie ausgereift die offensivere Spielweise bei Zverev schon ist.

Ach ja, wenn es im Einzel doch noch nicht so rund laufen sollte, bleibt ihm noch das Doppel: An der Seite von Kumpel Marcelo Melo will Zverev auch Indian Wells starten.