Nach dem frühen Aus der neuen Nummer 1 Alexander Zverev ist nun auch Novak Djokovic in Paris raus – und das hat Folgen! Der 39-jährige Serbe verlor am Mittwoch in der zweiten Runde mit 6:2, 3:6, 3:6 gegen den Australier Rinky Hijikata. Damit ist seine Saison beendet, und die ATP Finals in Turin (15. bis 22. November) steigen ohne den siebenmaligen Rekordsieger.
Qualifikant dreht das Match
Der 25-jährige Hijikata, die Nummer 83 der Welt, musste in Paris durch die Qualifikation und spielt die beste Saison seiner Karriere: Alle vier Siege gegen Top-20-Spieler gelangen ihm 2026. Die ersten beiden Duelle mit Djokovic hatte er noch klar verloren, und auch diesmal lief zunächst alles für den Favoriten: Den ersten Satz holte sich Djokovic souverän mit 6:2.
Dann drehte sich die Partie. Hijikata, der im ersten Durchgang nur drei Vorhand-Winner geschlagen hatte, ging immer mehr ins Risiko und kam am Ende auf 29. Ein Break im achten Spiel brachte ihm den zweiten Satz. Im Entscheidungssatz wehrte er alle drei Breakbälle ab. Djokovic führte noch 3:2, dann gewann Hijikata die letzten vier Spiele und gab dabei nur sechs Punkte ab. Bei 3:3 kassierte der Serbe das vorentscheidende Break. Nach 2:13 Stunden besiegelte ein Vorhand-Winner nach einem zweiten Aufschlag die Überraschung.
Breakball-Wucher
Das auffälligste Manko war die Chancenverwertung: Von elf Breakbällen nutzte Djokovic nur zwei, im dritten Satz blieben alle drei ungenutzt. Hinzu kam, dass ab dem zweiten Satz die Wirkung seines Aufschlags nachließ, wie er selbst einräumte. Zwar waren seine Werte mit 69 Prozent ersten Aufschlägen und 75 Prozent gewonnenen Punkten danach insgesamt ordentlich, doch dreimal nahm Hijikata ihm das Service ab.
Auch von der Grundlinie fehlte der Druck. Die Fehler waren dabei nicht das Hauptproblem, denn Djokovic leistete sich nur 19 unerzwungene Fehler, Hijikata dagegen 32. Dafür kam der Serbe nur auf 18 Grundschlag-Winner, sein Gegner auf 37. Vor allem mit der Vorhand (10:29) wurde er klar überspielt, zudem brachten ihn Hijikatas flache Bälle aus dem Rhythmus. Nach dem ersten Satz fand Djokovic keine Antwort mehr auf den Umschwung, und in der Schlussphase wurde aus einer 3:2-Führung binnen vier Spielen die Niederlage. Ganz frisch habe er sich nicht gefühlt, gab der 39-Jährige zu, wollte das aber nicht als Ausrede gelten lassen.
Ganz allein an Djokovics Schwächen lag es allerdings nicht. Sky-Experte Ryan Harrison sah keine wirklich schlechte Leistung des Serben, sondern vor allem einen entfesselten Hijikata.
Jetzt ist erstmal ausruhen angesagt
Hijikata sprach direkt nach dem Sieg bei Sky von einem Kraftakt. Im ersten Satz sei er ausgespielt worden und habe einfach dranbleiben müssen. Den Unterschied machte dann seine Offensive: „Ich hatte das Gefühl, dass ich ihn attackieren muss.“ Zudem verriet der Australier, dass sein Einsatz zunächst offen war: „Ich war mir nicht sicher, ob ich heute überhaupt auf den Platz gehen würde.“
Djokovic zeigte sich anschließend vor den Journalisten in der Mixed Zone enttäuscht und ging hart mit sich ins Gericht: „Ich hätte dieses Match gewinnen müssen.“ Es sei sein Fehler gewesen, dass er die Kontrolle aus der Hand gegeben habe. Seinem Gegner zollte er Respekt: „Er hat einfach wie im Rausch gespielt, ehrlich gesagt.“ Hijikata habe kaum Fehler gemacht und die Bälle flach gehalten. Für die nächsten Wochen hat der 39-Jährige nur einen Plan: ausruhen. Darauf freue er sich.
Die Folgen des K. o. in Paris
Djokovic verpasst die ATP Finals erst zum zweiten Mal in 20 Saisons sportlich. 2017 hatte ihn eine Ellbogenverletzung ausgebremst. Besonders bitter: Der Weg war frei. Für seine Chance auf Turin hätte er das Halbfinale erreichen müssen, die Konkurrenten Frances Tiafoe, Rafael Jódar und Alex de Minaur waren in derselben Runde bereits gescheitert, und in Runde drei hätte Tomás Martín Etcheverry gewartet.
Die Niederlage besiegelt zudem eine durchwachsene Saison. Trotz des Finales bei den Australian Open, des Halbfinales in Wimbledon und des Titels in Peking steht am Ende eine Bilanz von 21:10 Siegen. Das sind so wenige Siege wie seit 2005 nicht mehr, und erstmals seit 2010 stand er in keinem Masters-Finale.
Profiteure sind die verbliebenen Anwärter auf Turin. Alexander Zverev, Carlos Alcaraz, Ben Shelton, Daniil Medvedev, Flavio Cobolli und Arthur Fils sind bereits qualifiziert. Weil Jannik Sinner verletzt fehlt, reicht Platz neun im Race für ein Ticket. Dort liegen derzeit Tiafoe und Jódar auf den letzten beiden Plätzen. Gefährlich werden können ihnen nur noch Taylor Fritz, der dafür mindestens das Halbfinale braucht, und Tommy Paul, der ins Finale einziehen müsste.
Für Djokovic heißt es nun erst einmal: Pause. Im Mai wird er 40 Jahre alt, sein großes Ziel bleibt es, bis zu den Olympischen Spielen 2028 konkurrenzfähig zu bleiben.