Roger Federer, Alexander Zverev – ATP World Tour Finals

Federer über Alexander Zverev: „Bin nicht sein Coach“

Roger Federer hat sich nach seinem Tiebreak-Krimi im Achtelfinale der Gerry Weber Open in Halle gegen Benoit Paire nicht nur zu seinem Match geäußert. Federer gab erneut einen interessanten Einblick auf sein Verhältnis zu Alexander Zverev, wollte sich aber nicht missverstanden fühlen.

Hochspannend ging es im entscheidenden Tiebreak gegen Benoit Paire zu, den Roger Federer mit 9:7 gewann. Dementsprechend erleichtert war der Maestro, sein Team und ebenfalls die Turnierverantwortlichen. Schließlich lebt das Turnierflair vor allem vom neunfachen Turniersieger, gerade nach dem Ausscheiden von Dominic Thiem, Kei Nishikori und Alexander Zverev.

Zur deutschen Nummer eins pflegt der 36-Jährige ein durchaus besonderes Verhältnis. Schon früh kam Zverev in den Genuss von Trainingseinheiten, dank Bruder Mischa gab es bereits in sehr jungen Jahren immer wieder Berührungspunkte. Die wurden nicht zuletzt dank des harmonisch verlaufenen Laver Cups 2017 intensiviert.

Publik geworden war Anfang 2018 ein Vier-Augen-Austausch der Beiden nach Zverevs Drittrundenaus bei den Australien Open gegen Hyeon Chung in der Umkleidekabine des Centre Courts in Melbourne. Der 21-Jährige hatte von einem Gespräch erzählt, wollte aber nicht auf den Inhalt eingehen. Federer gab auf tennis MAGAZIN-Anfrage wenig später einen schönen Einblick.

Zverev gab und gibt sehr viel auf die Meinung des Rekord-Grand-Slam-Siegers. In den vergangenen Monaten, vor allem im Vorfeld der French Open, hatte er seine Kommunikationsstrategie signifikant verändert. Er wolle die Slams nicht mehr als zu besonders, sondern als weitere große Turniere erachten und nicht mehr zu weit vorausblicken. Mit der von Match-zu-Match-Stategie erkämpfte sich Zverev bekanntermaßen sein erstes Viertelfinale bei einem Grand Slam.

Federer über Zverev: Tipps ja, Mentor nein

Auf die Kommunikation, jetzt Monate später, in Halle angesprochen, äußerte sich Federer differenziert: „Ich bin nicht sein Coach und der Begriff des Mentors ist nicht nunbedingt der Richtige.“ Bereits im Februar hatte Zverev durchblicken lassen, dass Federer viel mit ihm und anderen jungen Spielern wie Thiem kommuniziere. Der Schweizer kümmere sich um die nächste Generation von Tennisspielern.

„Ich glaube, er möchte, dass das Tennis auch nach seiner Karriere in guten Händen bleibt“, vermutete Zverev damals in der Sport Bild.Bei den Gerry Weber Open erklärte Federer nun auf tennis MAGAZIN-Nachfrage: „Wenn wir zusammen trainieren, gebe ich ihm weiter Tipps, wenn mir etwas auffällt. Wenn er mich etwas fragt, dann sowieso.“

Federer: „Bin von Zverevs Entwicklung überzeugt“

Unabhängig davon, wie groß eine Karriere werde, sei es niemals leicht, den ersten Schritt zu machen, den Durchbruch zu schaffen bei einem Grand Slam, resümierte Federer. „Andere schaffen das, haben dann aber Schwierigkeiten auf der Masters-Ebene. Bei Zverev war es umgekehrt. “ Federer sei klar gewesen, dass diese Diskrepanz nicht lange anhalten werde. „Es kann ja nicht sein, dass er bei Slams so viel Mühe hatte und auf Masters so viel gewinnt. Es ist klar, dass sich das ändert. Davon bin ich überzeugt.“

Paris war ein erster Schritt, Wimbledon soll die nächste Etappe werden. Hier erreichte Zverev 2017 sein erstes Slam-Achtelfinale. Im Übergang von Sand auf Rasen habe sich das Duo aber nicht ausgetauscht, bekannte Federer.

Federer: „Zverev kann auf allen Belägen gut spielen“

Der Schweizer gab an, nichts von der Verletzung des 15 Jahre jüngeren Kollegen zu wissen. „Wir haben uns nur kurz gesehen. Ich hoffe, die Verletzung ist nicht allzu schlimm.“ Zverev hatte vor seinem Erstrundenaus in Halle gegen Borna Coric nur einmal trainieren können. Nach eigenen Angaben war der 4,5-Zentimeter-Einriss im Muskel des linken Oberschenkels erst kürzlich ausgeheilt (Mehr Infos).

„Davon unabhängig kann er auf allen Belägen sehr gut spielen. Das weiß er sicher auch. Das Finale hier 2017 wird ihm Selbstvertrauen gegeben haben, auch wenn ich ihn dort etwas weichgeklopft habe“, sagte Federer am Donnerstag. Federer sei gespannt, wie Zverev in Wimbledon spielen werde. Auch, wenn die Beiden zurzeit weniger Kontakt haben, bekannte Federer: „Ich bin ein großer Fan von ihm. Er ist ein Netter.“

Federer: „Bin ein großer Fan von Zverev“

Er stellte aber auch fest, dass er nicht nur Zverev helfe: „Ich bin immer bereit, jungen Spielern zu helfen, nicht nur Alexander Zverev. Klar ist irgendwo jeder Spieler ein Rivale von mir, aber mit 36 Jahren sehe ich das etwas entspannter.“

Ob Zverev selbst zum Konkurrenten für Wimbledon taugt, ist in diesen Tagen schwer zu beurteilen. Nach dem Aus im Einzel sammelt Zverev weiter Matchpraxis im Doppel an der Seite von Bruder Mischa. Am Donnerstag schlug das Brüderpaar die erfolgreiche Davis Cup-Paarung Jan-Lennard Struff und Tim Pütz mit 10:3 im Match-Tiebreak.

So schwer ist die Zverev-Prognose für Wimbledon

Der komplette Zverev-Clan ist weiter in Westfalen, um die wimbledonähnlichen Bedingungen zu nutzen. Zverev kann täglich trainieren, tritt am Samstag zudem zum Doppelhalbfinale gegen die Spezialisten Alexander Peya und Nikola Mektic an.

Im Match-Tiebreak des Viertelfinals pushte sich der 21-Jährige permanent. Die Praxis ist ihm wichtig. Darüber hinaus wird sein Oberschenkel physiotechnisch täglich beobachtet. Ganz leichte Probleme hat die Nummer drei der Welt anscheinend beim eigenen Service, bei dem das Bein naturgemäß viel arbeiten muss.


  1. Rowena

    Ein richtig guter und interessant geschriebener Artikel! Man merkt, da kennt sich jemand aus in dem, was er tut. Vielen Dank und weiter so!


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