Davis Cup

Davis Cup: Late-Night-Finish und abgeschenkte Doppel

Ein Matchende um 4:04 Uhr. Doppel, die mit 6:0, 6:0 gewertet wurden. Ein schwer durschaubarer Turniermodus. Das Finalturnier im Davis Cup in Madrid bietet viele Aufreger.

Als das US-amerikanische Doppel Sam Querrey und Jack Sock Mittwochnacht um 4:04 Uhr im Duell gegen die Italiener Simone Bolelli und Fabio Fognini ihren Matchball verwandelte, stufte der offizielle Twitter-Kanal des Davis-Cup-Finalturniers dieses Match als „unglaublich“ ein und vermeldete das zweitspäteste Ende eines Tennismatches – nach dem Duell zwischen Lleyton Hewitt und Marcos Baghdatis bei den Australian Open 2008, das um 4:34 Uhr endete.

Mardy Fish: „Ich weiß gar nicht mehr, welcher Tag ist”

Ein Rekord, auf dem man wirklich stolz sein kann? Die Frage muss erlaubt sein, was daran gut sein soll, wenn ein Tennismatch so spät endet. Es ist für keinen gut: weder für Spieler, Zuschauer noch für Journalisten. Am Eröffnungstag am Montag wurde der letzte Ballwechsel um kurz nach Mitternacht gespielt, am Dienstag war um 1:49 Uhr Schluss. Am Mittwoch zeigte die Anzeigetafel 4:04 Uhr an. „Ich weiß gar nicht mehr, wo wir sind, wie viel Uhr wir haben, welcher Tag ist“, sagte der amerikanische Davis-Cup-Kapitän Mardy Fish nach dem Late-Nigh-Finish. Dabei hatte das Doppel zwischen den USA und Italien keinerlei Einfluss auf den weiteren Turnierverlauf. Beide Teams waren bereits ausgeschieden, konnten sich nicht mehr als einer der beiden besten Gruppenzweiten qualifizieren. Der komplizierte Turniermodus, der auf viel Kritik stößt, hatte wieder zugeschlagen.

Ob die US-Amerikaner und Italiener vor Beginn des Doppels über den unbedeutenden Ausgang ihres Matches überhaupt wussten? Anscheinend nicht. Denn sie spielten so, als würde es um alles gehen und prügelten sich 2:30 Stunden die Bälle um die Ohren. Nach dem Match sprachen die US-Amerikaner so, als ob sie noch eine Chance auf den Einzug ins Viertelfinale hätten. Dabei waren sie aufgrund der komplizierten Rechnung für die beiden besten Gruppenzweiten schon ausgeschieden. Eine erfolgreiche Late-Night-Schicht, die letztendlich vergeblich war.

Nadal: „Das bereitet große Schwierigkeiten”

„Das bereitet große Schwierigkeiten – für die Spieler und gleichzeitig auch für die Fans, die ins Stadion kommen, weil morgen ein normaler Arbeitstag ist. Das macht die ganze Sache schwierig“, sagte Rafael Nadal über das Late-Night-Finish seines Teams am Dienstag. Die Spielansetzungen sind eine Sache, welche die Turnierverantwortlichen beim Davis Cup für das nächste Jahr verbessern müssen. Die Partien am Mittwoch zwischen USA und Italien sowie Australien gegen Belgien konnten aufgrund der langen Spiele zuvor erst mit zweistündiger Verspätung beginnen. Im Fall von Australien gegen Belgien konnte man dabei sogar noch von Glück reden, dass die Partie nicht noch später startete.

Fans aus Italien, Belgien, Australien und den USA konnten mit ihrer Karte so lange nicht in die beiden Stadien, ehe die vorangegangenen Partien Deutschland gegen Argentinien sowie Großbritannien gegen Niederlande beendet waren. Sie mussten draußen im kalten Foyer warten. „Es war immer klar, dass Verzögerungen oder späte Enden passieren können. Man hat 18 Teams. Man muss alles in eine Woche quetschen auf drei Plätzen. Dazu noch die Pausen zwischen den Matches, die Zeremonien und all die Sachen, die zum Protokoll gehören. Es wird immer sehr schwierig sein, das alles rechtzeitig zu schaffen”, sagte Novak Djokovic.

Davis Cup: Kanada und Australien schenken Doppel her

Der Zeitplan und die späten Enden sind große Diskussionspunkte in Madrid. Ein anderer Punkt ist das komplizierte Turnierformat, dass es erlaubt, dass die beiden besten Gruppenzweiten ins Viertelfinale einziehen. Über Ausscheiden und Weiterkommen entscheidet im Zweifel jeder Spielgewinn. Der Aufschrei war groß, als die Kanadier am Dienstag nach einer 2:0-Führung gegen die USA nicht mehr zum Doppel antraten, nachdem ihnen der Gruppensieg nicht mehr zu nehmen war. Die Partie wurde mit 6:0, 6:0 für die USA gewertet.

Noch skurriler machten es die Australier nach einer 2:0-Führung gegen Belgien. Die „Aussies“ waren ebenfalls als Gruppensieger sicher im Viertelfinale. Zwar traten John Peers und Jordan Thompson zum Doppel um 0:15 Uhr noch an. Doch nachdem Peers das erste Aufschlagspiel zu Null gewann, gab er das Match auf. Offizieller Grund: Handgelenksprobleme. Inoffizieller Grund: Keine 18 Stunden später war das Viertelfinale von Australien gegen Kanada angesetzt. „Es war eine einfache Entscheidung für mich, weil ich ihn nicht vor dem Viertelfinale riskieren wollte“, sagte Australiens Kapitän Lleyton Hewitt zur schnellen Aufgabe von John Peers. Das Doppel wurde trotz der 1:0-Führung für die Australier mit 6:0, 6:0 für Belgien gewertet. In beiden Fällen mit dem abgeschenkten Doppel musste man letztendlich von Glück reden, dass sie keinen Einfluss auf die Platzierung der beiden besten Gruppenzweiten hatte.

Struff: „Das kann einfach nicht sein”

„Das ist unglaublich, dass in solch einem Format die USA einen Punkt mit 6:0, 6:0 geschenkt bekommt. Das kann einfach nicht sein. Ich konnte es auch nicht glauben, als ich es gelesen habe. Das gefällt mir nicht“, kritisierte Jan-Lennard Struff den komplizierten Turniermodus beim Davis Cup. Novak Djokovic pflichtete dem Deutschen bei. „Das sollte nicht erlaubt sein. Jeder sollte verpflichtet sein, dass er zumindest spielt“, sagte der Weltranglistenzweite. Auch Andy Murray, der ein Unterstützer des neuen Davis-Cup-Formats ist, äußerte sich kritisch über die Doppelsituation. „Gestern habe ich noch darüber gesprochen, dass eine positive Sache ist, dass es in den Gruppenmatches keine unbedeutenden Matches gibt. Auch wenn die Kanadier wohl glaubten, dass es um nichts mehr gehe, hätten sie das Doppel spielen müssen, zumal sie auch einen Tag frei hatten“, sagte Murray.

Djokovic machte einen Vorschlag, um den Spielplan zu entzerren. „Eine Idee wäre es, ein Finalturnier mit acht Nationen zu haben. Lieber acht als 18 Nationen. Und davor könnte man mehrere Qualfikationsrunden haben, das den Nationen gestattet, mehr Heimspiele zu veranstalten.” Der Davis-Cup-Ausrichter Kosmos um Fußball-Spieler Gerard Piqué hat einige Baustellen, an denen er arbeiten muss. „Wir wussten, dass das erste Jahr schwer werden wird. Es ist schwierig zu kommunizieren, was das neue Format ist. Es wird ein Prozess sein. Jedes Jahr werden die Leute mehr darüber wissen. Ich bin mir absolut sicher, dass wir in zwei, drei Jahren jeden Tag volle Stadien haben werden“, sagte Piqué im Interview mit dem Schweizer Tagesanzeiger. An den ersten drei Turniertagen kamen laut offiziellen Zahlen insgesamt 53.214 Zuschauer in die drei Arenen. Mehr als von vielen Kritikern gedacht, weniger als vom Veranstalter erwartet.