Roger Federer ohne Satzverlust in der nächsten Runde

Mail aus Wimbledon: Es zählt nur Federers Uniqlo-Gate

Roger Federer dominierte Tag eins des diesjährigen Wimbledon-Turniers. Nicht wegen seiner sportlichen Leistung, im Mittelpunkt stand der inszenierte Wechsel seines Ausrüstervertrags zu Uniqlo. Der Akt zeigte erneut: Federers Strahlkraft stellt so ziemlich alles andere in den Schatten – auch in Wimbledon. Unser Reporter hat nach seiner Ankunft dennoch versucht, auf weitere Dinge zu achten.

Es war kein Stadtlauf, der in Wimbledon angrenzend zur Church Road am Montag ausgetragen wurde. Obwohl der eine oder andere Verpflegungsstand mit Bechern voller Wasser eingerichtet war. Damit wurden keine Läufer versorgt, sondern die bei ungewöhnlich warmen Temperaturen anstehenden Wimbledon-Fans in der berühmten Queue. Die Schlange, die ticketlose Zuschauer doch noch auf die Anlage bringen soll.

Das ist soweit nichts Neues. Dass offenbar Getränke im Wartestand gereicht wurden, aber schon. Denn es ist tatsächlich Sommer in London – und das soll erstens die gesamte erste Woche so bleiben und ist zweitens von den Einheimischen niemand so richtig gewohnt.

Jedenfalls sah es wie eine schöne Geste aus. Zumindest für jemanden, der sich zum ersten Mal auf der parallel zur Queue verlaufenden Church Road gen Wimbledon-Gelände aufmachte und rasch vom besonderen Flair infiziert wurde. Es kann viel gelesen werden im Vorfeld. Es kann sich viel angeschaut werden im Vorfeld. Und dann selbst live vor Ort zu sein, ist eine intensive Erfahrung als Sportliebhaber.

Am Montag war zunächst jedoch etwas Geduld gefragt, bis nach Flug und Check-in auch die persönliche „Queue“ vor dem Akkreditierungsbüro inklusive Bürokratie absolviert war. Doch bevor die erste Atmosphäre in Form eines Rundgangs aufgesogen werden durfte, wurde noch der abschließende Teil unserer Vorschau auf die deutschen Teilnehmer, analysiert von Barbara Rittner und Michael Kohlmann, finalisiert. Der Artikel wird täglich aktualisiert. Ein Blick darauf lohnt sich.

Federer überstrahlt alles

Die Entspannung beim darauffolgenden ersten Rundgang auf diesem Areal, ganz ohne Seil, hielt nicht lange an. Das lag weniger an dem typischen Gewusel, das am ersten Tag eines so großen Turniers herrscht, sondern einzig an Roger Federer. Der hatte als Titelverteidiger, so wie das in Wimbledon Tradition ist, um 13 Uhr Ortszeit den Centre Court betreten. Zum Überraschen vieler nicht in Nike-Kluft, sondern bis auf die Schuhe gekleidet in Uniqlo-Outfit.

Die Gerüchte dazu gab es schon länger. Was aber am Montag verblüffte: Bis zum Auftritt des Maestros sickerte nichts nach außen. Dafür publizierte der ehemalige Sponsor von Novak Djokovic zeitnah eine weltweite Pressemitteilung mit der offiziellen Verkündung der Zusammenarbeit. Die perfekte Inszenierung.

Die Digitalisierung trug ihren Teil zum Stimmungswandel auf der Anlage und im Pressebereich bei. Tweets und Posts wurden abgesendet, Details veröffentlicht. Seitdem stehen die schon länger kolportierten 30 Millionen Dollar pro Jahr für die wohl kommenden zehn Jahre als weltweiter Markenbotschafter über das Tennis hinaus im Raum. Munter wurde diskutiert, wann Federer die Rechte an seinem RF-Logo, die momentan noch Nike gehören, zurückbekommt, was mit dem Schuhproblem passiert und wie das Verhältnis zu Nike generell aussieht.

Federer selbst bestätigte die meisten Punkte. Er wird die Rechte seines Logos zurückerhalten. Der Zeitpunkt steht jedoch noch in den Sternen.

Platzbeschaffenheit in Wimbledon: „Das ist ein anderes Turnier“

Immerhin wurde auf den 16 weiteren Courts weiter Tennis gespielt. Die Strahlkraft rund um den Weltklasse-Sportler Roger Federer als Marke im Tennissport ist immens. Das wurde in diesen Nachmittagsminuten mal wieder deutlich. Wie das mal wird, wenn der Schweizer irgendwann aufhört?

Gar kein Thema am ersten Tag waren dagegen die unterschiedlichen Platzbeschaffenheiten, die aber zumindest die deutschen Spieler beschäftigten. Es lohnte sich, genau hinzuhören. Schon beim Rundgang war es erstaunlich, wie hoch etwa die Kickaufschläge von Evgeny Donskoy absprangen, der dennoch in drei Sätzen gegen einen stabil auftretenden Philipp Kohlschreiber unterlag. War das noch Rasen?

„Die waren teilweise höher, als ich sie selbst auf Sand hinbekomme“, urteilte Kohlschreiber und holte in der Erklärung aus. Die Plätze hinter dem Centre Court rund um Platz 16 seien um einiges schneller, der Absprung ein Vielfaches höher als auf den anderen Plätzen auf der anderen Seite der Anlage.

Wimbledon: Kaum einer beachtet Cilic

Er habe den direkten Vergleich, da er beidseitig trainiert hat. „Sascha Zverev meint, die Plätze um Court 16 seien so rasant, weil sie erst neu gemacht wurden“, sagte der Davis Cup-Spieler im Hintergrundgespräch. Auch wenn es generell auf Rasen schwer sei, für komplett ausgeglichene Platzverhältnisse zu sorgen, sei es 2018 schon extrem. „Fast wie ein anderes Turnier ist das“, urteilte der Deutsche.

Ein spannendes Thema, das bei der Sensibilität von so manchem Spieler durchaus noch mal aufploppen könnte. Die trockeneneren Verhältnisse dagegen schienen keinen signifikanten Unterschied zu machen, urteilten mehrere Spieler, darunter auch Marin Cilic, der in diesen Tagen etwas unter dem Radar der ganz großen Aufmerksamkeit läuft. Der letztjährige Wimbledonfinalist wurde nach seinem glatten Erfolg gegen Yoshihito Nishioka in den kleinen Presseraum zwei verfrachtet. Kroatische Journalisten: Fehlanzeige!

Die WM spielt in der Wahrnehmung 2018 auch in Wimbledon eine Rolle. Cilic nimmt es mit Humor, ist er doch ebenfalls großer Fan seiner Nationalelf. Dem geringen Interesse sei Dank ergab sich die Möglichkeit, ein kurzes Einzelgespräch zu führen mit der Nummer drei der Setzliste. Ein exklusives Porträt lesen Sie auf unserer Seite.

Weniger gesprächig war Landsmann Borna Coric, der nach seinem Erfolg über Roger Federer in Halle am Montag glatt gegen Daniil Medvedvev ausschied. Ebenfalls raus sind überraschenderweise Sloane Stephens und auch Grigor Dimitrov (gegen einen aufopferungsvoll kämpfenden Stan Wawrinka).

Apropos Rekonvaleszenten: In der Warteschlange am Morgen auf dem Weg zur Akkreditierung war genügend Zeit, um die britische Presse zu durchforsten. „Murray out“ prangte auf gleich mehreren Sport-Titelseiten in direkter Konkurrenz zu den „Three Lions“. Der Schotte fehlt dem Turnier ganz eindeutig. Die Entscheidung, die der Langfristigkeit seiner weiteren Karriere dienen soll, ist aber folgerichtig.

Am Abend, auf dem Weg zurück vorbei an der nun leergefegten Queue, ploppen einige wenige Kurznachrichten auf. „Kannst Du noch etwas zu der Uniqlo-Sache mit Federer schreiben?“, fragen Leser und Freunde unisono. Ich denke mir: Klar, aber hier beim prestigeträchtigen Wimbledon-Turnier gibt es doch so viel mehr.

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