Miami Open 2019 – Day 2

Regen bei den Miami Open: Zwischen NFL-Flair und Sunshine-Double

Große Teile des ersten Hauptrundentags bei den Miami Open 2019, die erstmals im und um das Footballstadion der Miami Dolphins ausgetragen werden, fielen sprichwörtlich ins Wasser. Das ermöglichte tennis MAGAZIN jedoch einen zwar feuchten, dafür aber ungestörten und ziemlich exklusiven Rundgang.

Ab 14 Uhr Ortszeit wurden alle Matches restlos gestrichen und auf Mittwoch verschoben – zu heftig waren die Niederschläge in und um Miami. Die Pläne der Veranstalter, der Fans und vieler Spieler waren ad absurdum geführt.

So blieb nach einem knapp elfstündigen Flug über den Nordatlantik und die Ostküste der USA  sowie einer 45-minütigen Autofahrt vom internationalen Flughafen in den nördlichen Bezirk Miami Gardens am frühen Dienstagabend nur der Blick auf eine bereits verwaiste Anlage. Schnell wurde aber klar: Um dieses für zwei Wochen komplett auf Tennis getrimmte Stadion zu besichtigen, hätte nichts Besseres passieren können. Zumal es die erste Auflage dieser Art ist. Bis 2018 fand das zweite Mastersturnier des Jahres noch im knapp 40 Kilometer südlicher gelegenen Key Biscayne statt. Das hatte den Flair a la Miami Beach.

Mit den Highways und dem ghettoähnlichen Bauten rund um die Arena in Miami Gardens wollte – zumal bei Regen – am Dienstag noch kein wirkliches Sunshinedouble-Gefühl aufkommen. Es ist mehr die Kapazität der Anlage, die beeindruckt. Die Veranstalter haben das Stadion und das Drumherum der Dolphins für diese zwei Wochen in eine weitläufige Tennisanlage verwandelt. 14.000 Zuschauer finden allein auf dem Centre Court Platz.

RAINY DAY: Als der Regen kam, war die Anlage schnell menschenleer.

Security und Aufseher waren zumeist schon in den Feierabend verabschiedet worden. Mit der rasch beschaffenen Akkreditierung um den Hals startete ein so nicht zu erwartender Rundgang.  Der hätte allerdings auch ein jähes Ende finden können, wäre Benoit Paire in seinem Wagen an einem der Ausgänge noch etwas schneller unterwegs gewesen.

Froh über den verhinderten Zusammenstoß ging es in eine der zahlreichen Toreingänge des Hard Rock Stadiums. In den so typischen Stadionkatakomben folgte nach dem Pressebereich die Spieler-Hospitalitäten. Mangels Spieler und Security gab es so rasche Einblicke zu gewinnen. Es sind eher kleine Räumlichkeiten, die für die Hauptakteure vorbereitet worden sind. Verglichen mit den Spielerareas einiger anderer Standorte kamen diese auf den ersten Blick provisorisch daher.

Allerdings nutzen die Veranstalter das große Stadion auf ihre Art und Weise aus. Die Luxus-Suiten, die sonst während der Footballspiele vermietet werden, werden den Topspielern zur Verfügung gestellt. Die besten acht Spieler der ATP- und WTA-Tour erhalten eigene, private Suites. Das gilt auch für alle ehemaligen Turniersieger. „Es ist schwierig, Topspieler noch zu begeistern, aber sie scheinen alle sehr begeistert darüber, ihre eigenen Suites zu haben“, sagte Turnierdirektor James Blake im Miami Herald.

Platz für 14.000 Fans

Anschließend ging es über den Spielerausgang hinaus auf das mit grünem Teppichboden ausgelegte Feld, auf dem normalerweise Football gespielt wird. Auf dem Spielfeld der Dolphins ist ein Stadion innerhalb des Stadions mit Hilfe von massiven Metallgerüsten erstellt worden, in dessen Mitte der Hardcourt in blau und grünen Tönen glänzt. Auch der war wegen des Wetters und der Uhrzeit menschenleer und zur Begehung frei. Wenn hier wieder gespielt wird, finden 14.000 Menschen Platz. Beim Football sind es 65.000.

Bilder von diesen normalerweise geschützten Spieler-Bereichen sollte man nicht veröffentlichen, wenn einem etwas an der gerade erst abgeholten Akkreditierung liegt. Anders sieht das im großen Pressezentrum im zweiten Stock des Stadions aus. Durch die Glassscheiben ergab sich ein grandioser Ausblick auf den Centre Court.

In den Medienräumen gab es auch erstmals die Möglichkeit, einen Lageplan zu studieren. Mit einem Budget von rund 70 Millionen Dollar wurden insgesamt 29 Courts gebaut. Elf davon werden für die Wettkämpfe benutzt. Hinzu kommen 18 Hardcourts für Trainingseinheiten.

Generell ist es sehr weitläufig. Aussteller finden hier jede Menge Platz. Von der sogenannten „East Terrace“ – einem  Mix aus V.I.P-Bereich und teureren Sitzen umgeben von Bars – hat man entferntere Einblicke auf fünf Courts.

Die Stars des Turniers steigen erst ab Freitag und am Wochenende in der zweiten Runde ein. Neben den obligatorischen Trainingssessions gab es einige Neuigkeiten von den Top-Spielern. Dominic Thiem, der nach seinem ersten Masterstitel in Indian Wells die Chance auf das Sunshine-Double bestehend aus den Siegen in Indian Wells und Miami hat, reiste Dienstag  an.

Viele Punkte für Zverev zu verteidigen

Alexander Zverev hat medienwirksam mit Turnierverantwortlichen einen Hund adoptiert. Sportlich hat die deutsche Nummer eins hier seine Finalpunkte aus 2018 zu verteidigen. Damals verlor er im Endspiel gegen John Isner.

Novak Djokovic beklagte derweil in der Presserunde, die Drittrunden-Niederlage gegen Philipp Kohlschreiber in Indian Wells habe etwas mit der sportpolitischen Gemengelage zu tun und den Anschuldigungen ihm gegenüber (Lesen Sie HIER mehr). Apropos Sportpolitik: In Miami geht es abseits der Hardcourts ebenfalls zur Sache. Die ITF hat am Mittwoch zum Medienfrügstück geladen und bietet Raum für Fragen aller Art – so heißt es. Davis Cup, Transition-Tour und der Wahlkampf stehen dabei im Vordergrund.

Deshalb steigt tagsdrauf auch eine Konkurrenzveranstaltung in einem zum Turnier nahegelegenen Hotel. Dort möchte sich der Ire Dave Miley als Gegenkandidat für David Haggerty positionieren. tennis MAGAZIN wird die Miami Open diese Woche sportlich und tennispolitisch begleiten.