2018 Australian Open – Day 6

BMW Open: Zverev gegen Chung – Neustart einer Rivalität

Mit souveränen Vorstellungen sind Alexander Zverev und Hyeon Chung am Freitag im Gleichschritt ins Halbfinale der BMW Open in München eingezogen. Ihr Duell in der Vorschlussrunde ist der Neustart einer Rivalität, die das Herren-Tennis in den kommenden Jahren maßgeblich mitbestimmen könnte.

„Nein, nein. Barcelona war einfach ein verdammt schwaches Match. Das bewerte ich schon gar nicht mehr, wenn ich auf das Duell mit Chung blicke.“ Alexander Zverev relativierte nach seinem glatten Zweisatzerfolg am Freitag gegen Jan-Lennard Struff den direkten Vergleich gegen den aufstrebenden Südkoreaner Hyeon Chung. Im professionellen Herrentennis steht die deutsche Nummer eins gegen Chung, der zuvor Martin Klizan ähnlich glatt aus dem Turnier verabschiedet hatte, mit null Erfolgen und zwei Niederlagen da.

Die Pleite vor exakt einem Jahr wurde auf einem kleinen Nebenplatz in der katalanischen Hauptstadt Realität. Zverev, damals wohl ein bisschen überrascht von der Matchhärte des Gegners, hatte mehr mit den schlechten Platzbedingungen und sich selbst zu tun. Die zweite Pleite war eine bedeutsamere.

Zverev vs. Chung: Erinnerungen an Australian Open

Es handelt sich um das Drittrundenaus bei den diesjährigen Australian Open. Während Zverev erneut relativ früh aus einem Grand Slam-Turnier ausschied, ging der Stern des Asiaten Down Under anschließend nach dem Sieg gegen Zverev erst so richtig auf. Die deutsche Nummer eins hatte 2:1 nach Sätzen geführt, machte anschließend nur noch zwei Spielgewinne. Nach weiteren Siegen unter anderem gegen Novak Djokovic wurde der 21-Jährige erst im Halbfinale von monströsen Blasen am Fuß gestoppt. Sein Gegner Roger Federer profitierte von einer Aufgabe.

Nun, nicht ganz vier Monate später sehen sich die beiden Gleichaltrigen zum dritten Mal auf der Profitour wieder. Zwei junge Erwachsene, die von der ATP vergangenes Jahr in der NextGen-Kampagne gefördert wurden. Der Deutsche avancierte dank herausragenden Leistungen zum Überflieger, der folgerichtig nicht an den Next-Gen-Finals in Mailand teilnahm, sondern an den ATP-Finals in London.

Seitdem hat sich Zverev weiter in der absoluten Weltspitze etabliert. Sein Team um Vater Alexander senior, der am Samstag als DTB-Trainer des Jahres 2017 ausgezeichnet wurde, funktioniert. Darüber hinaus zeichnet sich eine besondere Verbindung mit Boris Becker ab.

Der Koreaner gewann in Mailand gar den Titel. Das Duell der beiden nun ist eine Art Neustart einer hoffentlich lange andauernden Rivalität unter etwas anderen Vorzeichen.

Auch Zverev vergleicht Chung mit Djokovic

An den Titel in Mailand und an Chungs Leistungen Down Under erinnerte Zverev am Freitag in München, als er auf seinen kommenden Gegner zu sprechen kam. Chung habe sich enorm entwickelt. „Er macht von der Grundlinie aus kaum einen Fehler. Seine Schläge sind zudem sehr aggressiv und er bewegt sich brutal gut. Das alles erinnert sehr an Novak Djokovic“, berichtete Zverev. Bei weitem kein neuer Vergleich.

Die Drahtigkeit mit der der Koreaner über die Hartplätze von Melbourne rutschte, suchte – vom Djoker zu Glanzzeiten mal abgesehen – tatsächlich seines Gleichen. Da sein Vorbild zeitgleich der zwölffache Grand Slam-Champion aus Serbien ist, war die junge Version des Serbens geboren. Das wurde im direkten Vergleich eindrucksvoll untermauert.

Zverev: „Chungs Beine sind doppelt so breit“

Im Jugendbereich lautet der direkte Vergleich 2:0 für den Deutschen. Was sich seitdem verändert habe? „Nun, seine Beine sind seitdem mindestens doppelt so breit geworden“, sagte Zverev und grinste. Aber in der Tat: Wer den Asiaten in den Tagen von München beobachtet hat, war beeindruckt vom Körberbau. Ein Körperbau, der mit 21 Jahren schon erste Verschleißerscheinungen vorzuweisen hat.

Nach Australien musste sich Chung einige Wochen gedulden, bis er auf die Tour zurückkehrte. Vergangene Woche dann machte der Knöchel zu schaffen, ein Einsatz bei den Barcelona Open war nicht möglich. Mit fortlaufender Trainingsdauer war davon in München wenig bis gar nichts zu spüren. Lediglich sein Bein war mit Kinesiotape bandagiert. Die Leistungen auf dem Platz waren dementsprechend souverän.

Zverev hat Chung in den kommenden Jahren auf dem Zettel

„Er ist sicher einer, der die kommenden Jahre dazugehören wird“, erläuterte Zverev angesprochen auf das Toppotential des Asiaten. Im gleichen Atemzug nannte er einen Denis Shapovalov, die Russen Andrey Rubley und Karen Khachanov. Von den vier ist Chung schon der konstanteste Akteur, wenn sein Körper mitspielt. Seit diesem Jahr gibt tennistechnisch und für den körperlichen Bereich Neville Godwin, ATP-Trainer des Jahres 2017, die Richtung vor.

Godwin führte Kevin Anderson überraschend ins Finale der US Open. Dementsprechend noch überraschender war die Trennung am Jahresende. Das Team von Chung schlug dankenswerterweise zu. Wer genaueres über den Koreaner wissen möchte, redet am besten mit Godwin. Chungs englisch ist zwar besser geworden, doch richtig viel verraten kann oder mag der Youngster noch nicht (Lesen Sie HIER ein Portrait von den Australian Open über Chung).

Trainer des Jahres 2017 an Chungs Seite

So oder so ist Chung einer der interessantesten Spieler auf der Tour, die sich 2018 im Wandel befindet. „Es mixt sich alles ziemlich durch“, wusste Maximilian Marterer schon vor seinem ersten Halbfinaleinzug auf ATP-Ebene gegen Márton Fucsovics zu berichten.

Mit Philipp Kohlschreiber, der Roberto Bautista-Agut ziemlich souverän aus der für ihn so angenehmen Münchner Höhenlage verabschiedete, stehen somit drei Deutsche im Halbfinale. Ein DTB-Ass, „Kohli“ oder Marterer, hat den Platz im Finale schon sicher.

BMW Open: Ein Deutscher schon im Finale

Ob sich Hyeon Chung als bayrische Spaßbremse präsentiert, hängt viel von Zverev ab, dessen Auftritt gegen Struff einer der aggressivsten der vergangenen Monate gewesen ist. Ähnlich, das weiß er, muss er am Samstag zur Sache gehen und die Fehlerquote sollte dabei verschwindend gering bleiben.

Unabhängig vom Ausgang bekommen die Zuschauer bei den BMW Open einen Vorgeschmack auf die kommenden ATP-Jahre, vielleicht sogar auf die Ära nach Roger Federer und Rafael Nadal. München 2018 – der Neustart einer Rivalität. Das klingt doch nach etwas Großem. Und das wird dem immer besser organisierten Turnier ziemlich gerecht.

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