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Germany's Alexander Zverev reacts as he plays against Serbia's Dusan Lajovic during their men's singles third round match on day seven of The Roland Garros 2019 French Open tennis tournament in Paris on June 1, 2019. (Photo by CHRISTOPHE ARCHAMBAULT / AFP) (Photo credit should read CHRISTOPHE ARCHAMBAULT/AFP/Getty Images)

French Open: Zverev in der Achterbahn

Alexander Zverev hat sich vor dem Achtelfinalduell bei seinem liebsten Grand Slam gegen Fabio Fognini in der Wahrnehmung der Fans und Experten irgendwo zwischen „Pflicht erfüllt“ und „da geht noch viel mehr“ eingependelt. So richtig weiß den 22-Jährigen in diesen Tagen keiner einzuordnen.

Das liegt in erster Linie an den zwei Fünfsatzmatches, die die deutsche Nummer eins hier schon absolviert hat in der ersten Runde gegen John Millman und zuletzt in Runde drei gegen den auf Sand gefährlichen Serben Dusan Lajovic. Beide Male gab die Nummer fünf der Welt einen 2:0-Satzvorsprung aus der Hand, fing sich erst (oder immerhin) mit einer deutlich aggressiveren Spielweise im finalen Durchgang.

Ohnehin kennen und bewundern die französischen Fans Zverev eigentlich nur als Marathonmann: Fünf seiner vergangenen sieben Matches gingen über die volle Distanz.  In Paris ist er im fünften Satz noch unbesiegt. „So eine Information nimmt man natürlich mit in ein Match“, bekannte Zverev.

Dennoch wird weiter über den Hünen diskutiert, er wird kritisiert: zu wenig Konstanz, zu wenig Konzentration, frühe Vergeudung von wichtigen Ressourcen. Alexander Zverev selbst hinterlässt in diesen Tagen von Paris den Eindruck, als sei er glücklich, nach der holprigen Sandplatzsaison noch im Wettbewerb zu sein.

Er sei unheimlich froh (ein leicht sarkastischer Unterton schwang mit), dass sich die Favoritenrolle geändert habe. „Letztes Jahr war ich für alle der Favorit. Jetzt ist es Stefanos Tsitsipas.“

Diese Worte wählte er freilich nach seinem Drittrundensieg, da war der Grieche noch im Rennen.  Im bisher besten Match des Turniers verlor er am Sonntag im Achtelfinale mit 6:8 im Entscheidungssatz gegen Stan Wawrinka. Beide zeigten unglaubliches Tennis.

Zverev: „Fognini ist konstanter geworden“

Das wird auch Zverev mitbekommen haben. Er hofft seinerseits auf einen Glanztag: „Fognini ist konstanter geworden, Papa geworden, spielt sehr gut. Das Match wird hoffentlich ein hohes Niveau haben“, erklärte er.

Tatsächlich: Der mittlerweile 33-Jährige Italiener scheint seinem Grundgerüst, in den vergangenen Jahren sehr fragil und leicht zum Einstürzen zu bringen, ein stabiles Fundament gegeben zu haben. Das unterstrich nicht nur der Titel in Monte Carlo; dort schlug er auch Zverev, der sich nun in besserer Form sieht. „Gegen Fognini kann trotzdem viel passieren im Match. Aber ich bin im Moment in einer Phase, in der ich mehr auf mich schauen sollte“, kündigte er an.

Zverev verließ am Sonntag nach Matchende umgehend die Anlage, um ins nahegelegene Trainingscenter zu gelangen. Erster Halt: die Kältekammer zur Regeneration. Danach habe er etwas gegessen und sein Regenerationsprogramm abgespult. Sonntag dann musste er auf seinen vertrauten Sparringspartner verzichten. „Den Gefallen kann ich ihm leider nicht tun“, erklärte Jan-Lennard Struff. Nach seinem eigenen Marathonmatch gegen Borna Coric (lesen Sie HIER ein Hintergrundbericht) verzichtete er vor dem wohl größten Match seiner Karriere auf Tennis am Sonntag, arbeitete stattdessen regenerativ im Fitnessstudio.

Beide Deutsche werden am Montag fast zeitgleich gefordert sein. Sie sind jeweils als zweites Match nach 11 Uhr angesetzt. Für Zverevs Match wird allerdings noch die sonntägliche Fortsetzung der Partie Kei Nishikori gegen Benoit Paire eingeschoben. Zverevs Partie wird also etwas später losgehen.

Trotz Gerüchte: Lendl bleibt Trainer von Zverev

Ivan Lendl soll weiterhin Trainer bleiben von Alexander Zverev

Das wird höchstwahrscheinlich auch Ivan Lendl erfreuen. So kann er das Match aus den USA tendenziell zur humaneren Frühstückszeit verfolgen. Der Coach von Zverev war in Abstimmung mit seinem Schützling nicht nach Paris angereist, da dieser kurzfristig das Turnier in Genf bestritten hatte – und damit eingeplante gemeinsame Trainingstage ausfielen. Außerdem leide Lendl an einer Pollenallergie.

Zwei Begründungen, die in diesen Tagen nicht von allen ohne Zweifel hingenommen wurden. John McEnroe spottete als TV-Experte und fragte öffentlich, wie es sein könne, dass Lendl noch keine Pollenallergie zu seiner aktiven Zeit hatte, als „er mich hier besiegt hat“. Hinter vorgehaltener Hand diskutieren viele, ob nicht doch mehr hinter dem Fehlen des achtmaligen Grand Slam-Siegers steckt; eine Trennung  möglicherweise bevorsteht.

Nach tennis MAGAZIN-Informationen ist eine Trennung aber kein Thema. Lendl wolle sich ganz auf das Projekt Zverev konzentrieren, dafür sogar andere Verbindlichkeiten in der nächsten Zeit hinten anstellen. Die Vereinbarung steht: Lendl und Zverev werden zur Rasensaison definitiv zusammenarbeiten. Das wurde tennis MAGAZIN aus dem Umfeld Lendls nochmal bestätigt.

Ohnehin sind hier die kleineren Streitereien im Team Zverev, wie es sie in Rom gab, kein Thema mehr. Dort hatte Zverev öffentlich von Unprofessionalität im im Betreuerstab gesprochen, ließ aber offen, wen er damit meinte. Beim Turnier in Roland Garros präsentiert sich der Tross um Alexander Zverev senior, Jez Green, Hugo Gravil und Sergej Bubka junior geschlossen.

Und da auch der Rechtsstreit mit dem nun ehemaligen Manager Patricio Apey lediglich im Hintergrund vor sich her köchelt, kann sich Zverev komplett auf Fognini konzentrieren. In seiner ersten Pressekonferenz hatte Zverev erklärt: „Es liegt an ihm, ob es jetzt schnell geht, oder, ob er weiter Ärger machen möchte.“ Und meinte damit Apey.

Der Chilene weilt derzeit in Paris, saß am Wochenende in der Box von Stefanos Tsitsipas, dessen Interessen er ebenfalls schon lange vertritt. Auf tennis MAGAZIN-Anfrage wollte sich der Manager aber nicht öffentlich äußern. „Es ist besser, wenn ich zum jetzigen Zeitpunkt nichts sage.“