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Laver Cup vor dem Start: Team World hofft auf Heimvorteil

Es ist angerichtet: Der zweite Laver Cup beginnt morgen in Chicago. Vor dem Start fanden sich die Stars der Teams zu einem Treffen mit Fans und Medien ein.

Manchmal weiß er wohl selbst nicht genau, ob er tatsächlich „nur“ ein Tennisspieler ist. Als Roger Federer gestern die Fans im Pritzker Pavilion von Chicago begrüßte, wähnten sich Beobachter auf einem Musikkonzert. Die Fans jubelten ihm minutenlang zu, „Roger, Roger“-Sprechchöre erklangen und schließlich klatschte der Star, in einem klassisch-grauen Anzug gehüllt, auch noch mit seinen Bewunderern ab. Hätte er dabei nicht einen rot leuchtenden Tennissschläger in der Hand gehabt, wäre er glatt als etablierte Pop-Größe durchgegangen.

Laver Cup

WELCOME IN CHICAGO: Federer klatscht mit den Fans ab.

Aber natürlich steckt hinter solchen Auftritten Kalkül – so erfrischend nett und offenherzig sich Federer bei diesen Anlässen auch stets gibt. Aber: Der Laver Cup, Federers eigenes Tennis-Turnier, bei dem er selbst als Galionsfigur fungiert, ist in der Stadt. Federer ist also vor allem geschäftlich hier. Der Laver Cup offeriert keine Weltranglistenpunkte, dafür aber üppige Antritts- und Preisgelder. Er selbst will – natürlich – den Sport in den Vordergrund rücken und muss dafür Präsenz zeigen, um auch den letzten Fans der Stadt im Vorfeld des Kontinental-Wettstreits „Europa gegen den Rest der Welt“ das Event schmackhaft machen. Dieses „Anteasern“ gelingt keinem anderen Tennis-Event so gut wie dem Laver Cup. Das war schon letztes Jahr bei der Premiere in Prag zu beobachten.

Laver Cup vereint drei Tennis-Generationen

Wie das Turnier medial aufgegleist wird und schon Monate im Voraus immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist im Circuit beispiellos. Natürlich helfen dabei die großen Namen: Federer und sein genialer Manager Tony Goddick vereinen im Laver Cup gleich drei Tennis-Generationen. Da ist der Namensgeber Rod Laver, der Anfang August 80 Jahre alt wurde und bei den Laver Cup-Terminen stets den Eindruck eines kleinen Jungen vermittelt, der nicht so genau weiß, was um ihn herum gerade passiert, das alles aber mit großer Begeisterung mitmacht. Es folgen die Kapitäne der Teams „Europe“ und „World“: Björn Borg und John McEnroe. Die großen Widersacher der 80er-Jahre pushen nun von der Bank aus ihre Mannschaften – ein meisterhafter Marketing-Schachzug.

Und zu guter Letzt bietet der Laver Cup die besten Spieler der aktuellen Generation auf. Gut, Rafael Nadal, die Nummer eins der Welt, fehlt. Und US Open-Finalist Juan Martin del Potro musste, wie schon 2017, kurzfristig absagen. Aber mit Roger Federer, Novak Djokovic, Alexander Zverev, Grigor Dimitrov, Kevin Anderson und John Isner stehen sechs Profis aus den Top 10 im Aufgebot – mehr geht eigentlich nicht.

Laver Cup

MEHR TENNIS-PROMINENZ AUF EINEM BILD GEHT NICHT: Alle Spieler und Kapitäne sowie Namensgeber Rod Laver (Mitte) posieren für das Laver Cup-Gruppenbild 2018 in Chicago.

Sie alle traten nun gestern in Downtown Chicago auf und wurden von den Fans euphorisch begrüßt. John McEnroe, Chef von „Team World“, versicherte: „Wir wollen den Cup dieses Jahr holen!“ Er appellierte an die Sportstadt Chicago, seinem Team, zu dem auch die US-Spieler Jack Sock, Frances Tiafoe und John Isner gehören, „einen Heimvorteil zu verschaffen“. 2017 in Prag gewann „Team Europe“, nachdem Federer im letzten Match gegen Nick Kyrgios gewann.

Anderson hofft auf Heimvorteil beim Laver Cup

Eine Art Heimvorteil erhofft sich auch der Südafrikaner Kevin Anderson, die Nummer eins im „Team World“. Er verbrachte zweieinhalb Jahre an der Universit of Illinois, die einen Standort unter anderem in Chicago hat. Während seines Studiums lernte er seine heutige Frau Kelsey kennen. Als das vom Sprecher während der Einlaufzeremonie der Spieler erwähnt wurde, brandete großer Beifall auf. Anderson: „Die Familie meiner Frau wohnt nur 20 Minuten nördlich von hier. Es ist ein ganz besonderer Ort für mich. Ich liebe es, in der Stadt zu sein. Als ich erfuhr, dass der Laver Cup in Chicago sein würde, war ich wirklich begeistert: Tennis, in einer Stadt zu spielen, die so verrückt nach Sport ist, ist einfach speziell.“

Laver Cup

BELIEBT BEI DEN FANS: Kevin Anderson studierte im US-Bundesstaat Illinois, in dem auch Chicago liegt.

Intensiv wurde auch John Isner begrüßt, dessen Tochter Hunter am Samstagabend zur Welt kam. „Ich schwebe natürlich auf Wolke sieben. Aber ich bin auch glücklich, bei diesem Event hier dabei sein zu können“, sagte der Aufschlaggigant. Den Lacher des Tages hatte schließlich Roger Federer auf seiner Seite: „John hat ja sehr große Hände, die Windeln aber sind anfangs noch sehr klein – das wird schwierig für ihn.“

Die Auslosung für den Laver Cup 2018 findet heute um 19 Uhr deutscher Zeit statt. Der erste Spieltag in Chicago beginnt am Freitag um 22 Uhr deutscher Zeit (15 Uhr Ortszeit), der zweite und dritte Spieltag starten jeweils um 20 Uhr deutscher Zeit (13 Uhr Ortszeit). Die Matches aus Chicago werden von SKY und von Amazon Prime übertragen.