Laver Cup 2017

Team Europe mit Federer und Nadal: So lief der Laver Cup 2017

Erlesene Besetzung, ­perfekte Inszenierung, stimmungsvolles Ambiente: Der neue Laver Cup wird als großer Erfolg gefeiert. Ob sich aber der Kampf der Kontinente zu einer Institution entwickelt, ist ungewiss – zumal noch andere Team-Wettbewerbe auf die Tour drängen.

Vor gut drei Jahren, so erzählt es Manager Tony Godsick, sei sein treuer Klient Roger Federer mit einer Idee für ein neues Turnier auf ihn zugekommen: „Lass uns so etwas wie den Ryder Cup der Golfer im Tennis machen“, soll Federer 2014 vorgeschlagen haben. Godsick, dem gemeinsam mit Federer die Agentur „Team8“ gehört, war begeistert, natürlich. Und jetzt, nach der Premiere des von Federer ersonnenen Laver Cups, muss man „Team8“ attestieren: Das neue Team-Format mit vielen Analogien, aber auch einigen Abweichungen zum Ryder Cup im Golf (s. Übersicht re.), startete stark in der Prager O2-Arena. Das Event lieferte hoch-emotionale Fotos (Federer und Nadal im Doppel!), überzeugte mit seinen Innovationen und bot, was mit Abstand die wichtigste Komponente war, eine Reihe von „Big Names“ auf. Rod Laver als Galionsfigur und Namensgeber, Björn Borg und John McEnroe als Kapitäne der beiden Teams „Europe“ und „World“ sowie Federer und Rafael Nadal zusammen in einer Mannschaft: Legenden aus drei Tennis-Generationen gaben dem Laver Cup ein Gesicht – mehr geht eigentlich nicht. 

Show-Veranstaltung mit Absprachen?

 Ein Hingucker war auch der Platz: Er war in einem dunklen Anthrazit gehalten – ein Novum im Welttennis. Federer, so hieß es, hätte ihn gerne noch etwas dunkler gehabt, mehr ins Schwarze gehend, aber dagegen intervenierten die TV-Produzenten. Apropos: Für das Fernsehen wurde eine Kamera in der Netzwurzel installiert – also dort, wo das Netz in der Mitte nach unten gezogen wird. Die „Netcam“ zeigte großartige Bilder, wenn die Spieler nach vorne vorstießen, insbesondere in der Zeitlupe. Während der Doppelmatches konnte man die Reaktionen und Volley­aktionen der Stars so hautnah wie noch nie erleben. Die Attraktivität gipfelte schließlich im geschickt gewählten Zählmodus des Events: Mit jedem der drei Spieltage stieg die Wertigkeit der Matches. Am Freitag gab es einen Punkt für einen Sieg, am Samstag zwei und am Sonntag schließlich drei. Das System bewahrte den Laver Cup davor, zu schnell entschieden zu werden, denn die Mannschaften waren äußerst ungleich besetzt. Europa hatte mit Federer, Nadal, Cilic, Thiem und dem Alexander Zverev fünf Top Ten-Spieler im Aufgebot, die Weltauswahl hingegen keinen einzigen. Dennoch blieb der Wettkampf bis zum Ende offen. 

Allerdings – und die Frage muss erlaubt sein: Wer kann schon dafür garantieren, dass es keine Absprachen der Teams gab, um den Laver Cup gerade bei dessen Debüt als hoch­spannend und extrem attraktiv erscheinen zu lassen? Klar, man kann niemandem etwas unterstellen. Doch feststeht: Der Laver Cup ist und bleibt eine Show-Veranstaltung. 

Laver Cup 2017 – Roger Federer, Rafael Nadal

Es gibt keine Weltranglistenpunkte, dafür aber fette Antrittsgagen für alle Spieler, die sich an Status und Ranking orientierten sowie  ein Preisgeld von 250.000 Dollar für jeden Profi der siegreichen Mannschaft. Von Ruhm und Prestige, von Federer selbst und seinen Mitstreitern gebetsmühlenartig herbeigeredet, kann beim Laver Cup keine Rede sein. Da ist der Ryder Cup im Golf mit seiner 90-jährigen Tradition eine ganz andere Hausnummer. 

Unter diesen Voraussetzungen mutete es zumindest etwas ungewöhnlich an, dass am finalen Sonntag John Isner zum ersten Mal in seiner Karriere gegen Rafal Nadal gewann, um für das Team „World“ zu verkürzen. Als Federer im allerletzten Einzel gegen Nick Kyrgios erst einen Matchball abwehrte, um dann doch den Sieg der Europäer einzutüten, war die Dramatik perfekt inszeniert – was für ein Finish in diesem Riesen-Zirkus! 

Laver Cup: Sauspannend und unterhaltsam

Natürlich kann man den Laver Cup auch wesentlich unkritischer sehen. Weil er verdammt gutes Tennis bot. Weil er sauspannend und unterhaltsam war. Weil er zeigte, dass sich Individualsportler verschiedenster Länder in einer Mannschaft sichtlich wohlfühlen. Es war wunderbar, die Anfeuerungsrituale von Nick Kyrgios für seine Teamkollegen zu sehen, der in seiner Teamecke regelmäßig komplett ausflippte oder als Anerkennung für einen guten Punkt reihenweise Liegestütze machte. Das hatte unbezahlbaren Unterhaltungs­charakter. Und es zeigt vor allem, woran es dem traditionellen Tennis mangelt. 

Ja, der Laver Cup hielt den Verwahrern der Tour, insbesondere der ATP und dem Weltverband ITF, gewissermaßen den Spiegel vor die Nase: Seht genau hin, so wird heute ein erfolgreiches Turnier aufgegleist. Während Federer den Laver Cup als „Ergänzung“ zur Tour kleinredete, gab es von ATP und ITF auch nach mehreren Anfragen kein Statement zur Konkurrenz-Veranstaltung.

Laver Cup 2017 – Roger Federer. Rafael Nadal

Roger Federer und Rafael Nadal spielten beim Laver Cup in Prag zum ersten Mal gemeinsam Doppel.

Die Frage ist nun, welche Zukunft dem Laver Cup blüht. tennis MAGAZIN hörte sich in der Szene um, sprach mit Turnierdirektoren und Managern. Der Tenor war  grundsätzlich positiv: eindrucksvolles Event, viel Potenzial, ein Mehrwert für den Tennissport. Herwig Straka, Wiener Turnier­boss und Mitglied im ATP-Board, bewertet ihn als ein „zukunftsträchtiges Format“, das aber nicht in die ATP-Tour integriert werden sollte: „Ich sehe lediglich Möglichkeiten für eine Kooperation.“ Für Fernando Soler, Tennischef der Vermarktungsagentur IMG, zeigte der Laver Cup vor allem eins: „Viele Spieler lieben es, in einem Team zu spielen. Das sollte für den Weltverband ein klares Signal sein, endlich den Davis Cup zu reformieren. Das derzeitige Format ist spielerunfreundlich.“

Soler führt damit eine Diskussion fort, die John McEnroe während des Laver Cups angestoßen hatte. Er sagte: „Wir alle hoffen, dass dieser Wettbewerb Veränderungen an anderen Stellen herbeiführen wird.“

Drei Team-Events im Kalender?

Natürlich meinte er den Davis Cup, dem durch schlechte Planbarkeit, viel Aufwand und zu geringe Verdienste langsam aber sicher die Stars ausgehen. Mögliche Reformen wurden im Sommer zunächst auf Eis gelegt. Immerhin: Ab 2018 wird nun ein neues Format unterhalb der Weltgruppe getestet. In den sogenannten Interkontinental-Zonen werden künftig nur noch zwei Gewinnsätze pro Match gespielt und die Begegnungen werden an zwei statt an drei Tagen durchgezogen. ITF-Chef David Haggerty kündigte an: „Sollte dieser Versuch ein Erfolg sein, werden wir eine Einführung in der Weltgruppe nach 2018 in Erwägung ziehen.“

Es entspinnt sich ein Kampf um das beste Team-Event im ­Herrentennis – eine Entwicklung, die der Laver Cup initiiert hat. Denn auch die ATP will 2019 einen Mannschafts-Wettbewerb auf ihrer Tour installieren. Der lange Zeit in Düsseldorf ansässige World Team Cup soll reanimiert und gleichzeitig oppulenter werden. Heißt: zehn Nationen, ordentlich Weltranglistenpunkte und viel Preisgeld. Termin: Zum Start der Saison 2019 in Australien.  

„Die Idee ist revolutionär, von der Größen­ordnung ist es vergleichbar mit einer Fußball-WM“, schwärmt Straka. Laver Cup, Davis Cup, World Team Cup – haben drei Team-Wettbewerbe überhaupt Platz im eh schon dichten Turnierkalender? „Alle drei Events haben ihre Stärken und ihre Berechtigung“, beteuert Straka. Allerdings räumt er ein, dass eine „zeitliche Abstimmung“ sinnvoll wäre. Was er meint: Den Davis Cup sollte man künftig besser nur alle zwei Jahre austragen.

Unverwechselbare Marke kreieren

IMG-Mann Fernando Soler hält das für utopisch: „Der Davis Cup kann es sich nicht leisten, alle zwei Jahre stattzufinden.“ Dafür sind die Einnahmen, die er jährlich für ITF und Nationalverbände generiert, zu wichtig. 

Zwischenzeitlich kursierte das Gerücht eines vierten Team-Formats. Im Juli 2018 soll in New York angeblich der „Tennis World Cup“ mit gemischten Teams stattfinden. Eine Website (www.tennisworldcup.com) zeigt an, dass für Deutschland Laura Siegemund, Angelique Kerber, Philipp Kohlschreiber und Alexander Zverev auflaufen sollen. Auf tennis MAGAZIN-Nachfrage bestätigte niemand seine Teilnahme. Kerber-Manager ­Aljoscha Thron sprach voneiner „unseriösen Veranstaltung“. 

Ein schlechter Ruf wird dem Laver Cup nie anhaften, das ist sicher. Geht es nach Federer-Manager Godsick wird das Gegenteil eintreffen: „Wir bauen so etwas nicht für ein Jahr auf, sondern für 100 Jahre. Wir werden eine unverwechselbare Marke kreieren.“