Merci, David! Goffins emotionaler Schlusspunkt in Brüssel

David Goffin Bild: Imago

David Goffin gewann in seiner Karriere 358 Matches auf der ATP-Tour.

David Goffin hat sein letztes Match gespielt. Der Belgier beendete bei seinem Heimturnier in Brüssel seine Karriere.

Belgiens erfolgreichster Spieler auf der ATP-Tour hat seinen Schläger an den Nagel gehangen. Neben Gael Monfils und nun bald auch Stan Wawrinka beendete David Goffin seine Karriere. Mehr als 18 Jahre nach seinem ersten ATP-Ranglistenpunkt hat der Belgier vor heimischem Publikum in Brüssel das letzte Einzelmatch seiner langen Profilaufbahn bestritten. Beim ATP-250-Event musste sich der 35-jährige im Achtelfinale dem aufschlagstarken US-Amerikaner Alex Michelsen mit 3:6, 4:6 geschlagen geben und verabschiedete sich unter Standing Ovations in den verdienten Ruhestand. Für Goffin endete die Reise genau dort, wo sein Herz schlägt: zu Hause vor den eigenen Fans.

Unmittelbar nach dem verwandelten Matchball gehörte der Centre Court ganz allein dem sichtlich gerührten Lokalmatadoren. Im Rahmen einer feierlichen Zeremonie auf dem Platz überreichten die Veranstalter Goffin eine eigens angefertigte Trophäe für sein Lebenswerk, während auf der großen Videoleinwand emotionale Grußbotschaften langjähriger Weggefährten wie Rafael Nadal, Grigor Dimitrov und Richard Gasquet eingespielt wurden.

Im Beisein seiner Familie und unter anhaltendem Beifall der belgischen Tennisfans kämpfte Goffin mit den Tränen, blickte aber voller Dankbarkeit auf sein Lebenswerk zurück: „Ich bin stolz auf meine gesamte Karriere. Ich habe alles gegeben, um meine Ziele zu erreichen“, zog Goffin Bilanz. „Ich bin stolz auf die Einstellung, die ich angesichts all der Schwierigkeiten immer an den Tag gelegt habe, auf meine Siege und die Gegner, die ich geschlagen habe. Am Ende bereue ich nichts und habe bis zum allerletzten Moment alles reingeworfen.“ Mit Blick auf seine Anfänge im belgischen Rocourt ergänzte er mit einem Lächeln: „Eine jüngere Version von mir würde sagen, dass das eine ziemlich gute Karriere war, mit großartigen Emotionen an beeindruckenden Orten. Hoffentlich wäre der kleine David beeindruckt.“

David Goffin: Konstanz, Finesse und der Londoner Coup

Mit Goffin tritt Belgiens historischer Vorzeigeprofi ab, der die Maßstäbe für sein Land völlig neu definierte: Er war der erste Belgier in den Top 10 der Weltrangliste (Career High Platz 7), der erste in einem Masters-1000-Endspiel (Cincinnati 2019) und der erste, der sich regulär für die ATP Finals qualifizieren konnte. Neben sechs ATP-Einzeltiteln (u.a. Tokio 2017) und vier Grand-Slam-Viertelfinals (Australian Open 2017, Roland Garros 2016, Wimbledon 2019 und 2022) stach vor allem seine bemerkenswerte Konstanz heraus. Sieben Jahre in Serie (2014–2020) schloss er unter den besten 25 der Welt ab.

Sein sportliches Meisterstück lieferte der feinfühlige Konterspieler allerdings bei den ATP Finals 2017 in London ab: Auf dem Weg ins Finale schlug er nacheinander die damalige Nummer eins Rafael Nadal sowie im Halbfinale sein großes Idol Roger Federer und musste sich dann nur Grigor Dimitrov im Finale geschlagen geben. Ein Kunststück, das in der Geschichte des Turniers nur ganz wenigen Profis gelang. Goffin besiegte im Laufe seiner Karriere jedes Mitglied der „Big Three“ (Djokovic, Nadal, Federer) und schlug zudem Kaliber wie Daniil Medvedev, Stan Wawrinka und Carlos Alcaraz.

„David ist ein riesiges Vorbild für uns alle und hat unglaubliche Dinge vollbracht“, würdigte ihn Landsmann Raphael Collignon, mit dem Goffin am Montag sein allerletztes Doppel gemeinsam bestritt. Genau hier schließt sich der Kreis: Mit aufstrebenden Talenten wie Collignon oder dem früheren Junioren-Grand-Slam-Sieger Alexander Blockx hat Goffin einer neuen Generation den Weg geebnet und bewiesen, dass Belgien auf der großen Tennisbühne ein gewichtiges Wort mitreden kann. Die Zukunft der Nation ist gesichert, ihr Pionier aber verlässt den Platz mit erhobenem Haupt: Ein wahrer Gentleman und Tenniskünstler sagt „Au Revoir“!