Zverev gewinnt, Tochter Mayla ist dabei: „Geht auch darum, Spaß zu haben!“
Auftaktsieg im mexikanischen Acapulco: Alexander Zverev schlägt Courentin Moutet und erlebt eine gute Zeit mit Tochter Mayla.
Es gibt Turnierorte, zu denen Tennisprofis eine besondere Beziehung pflegen. Für Alexander Zverev gehört Acapulco, der legendäre Badeort an der mexikanischen Pazifikküste, dazu. Er spielt 2026 nun zum achten Mal dort; 2018 gab er seine Premiere. 2019 stand er im Finale (Niederlage gegen Nick Kyrgios), 2021 holte er sich die birnenförmige Trophäe samt übergroßen Sombrero für den Turniersieg.
2022 folgte erst das rekordträchtige Erstrundenmatch gegen Jenson Brooskby, das um kurz vor fünf Uhr morgens endete und als das späteste Finish einer Partie in die ATP-Annalen einging. Und schließlich, auch 2022: der Zverev-Ausraster im Doppel an der Seite von Kumpel Marcelo Melo. Der Deutsche drosch aus Frust seinen Schläger gegen den Schiedsrichterstuhl, wurde aus dem Turnier genommen, musste 40.000 Dollar Strafe zahlen und spielte ein Jahr lang „auf Bewährung“. Später sagte er: „Das war der wohl größte Fehler meiner Tenniskarriere.“
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Zverev hat also schon eine Menge erlebt in dem einst so mondänen Ferienort, der inzwischen aber einen eher zweifelhaften Ruf hat. Der mexikanische Drogenkrieg wütet vor allem in Acapulco. Die Stadt hat eine der höchsten Mordraten auf der Welt. Aktuell gibt es Reisewarnungen für den mexikanischen Bundesstaat Guerrero, dessen Haupststadt Acapulco ist, weil die Tötung des Drogenbosses „El Mencho“ durch die mexikanische Armee Gewaltexzesse und Unruhen auslöste.
Zverev mit Mayla in Acapulco
Seit dem 16. Februar ist Alexander Zverev bereits in Acapulco. Fotos, die die „Abierto Mexicano“, so der offizielle Turniername, auf ihrem Instagram-Kanal veröffentlichten, zeigen ihn bei seiner Ankunft entspannt lächelnd. Man sieht seinen Vater und Coach Alexander Senior in Hintergrund, der ebenfalls lächelt. Und dazu ein kleines Mädchen im pinken Trainingsanzug, das ein Kuscheltier in der Hand hält: Es ist Zverevs Tochter Mayla, die im März fünf Jahre alt wird. Sie begleitet ihren Papa auf dem Mexiko-Trip. Öffentliche Fotos von den beiden gibt es bislang so gut wir gar nicht. Umso überraschender, dass diese nun von dem ATP-500er-Event auf Instagram gezeigt werden.
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Die Bilder erwecken jedenfalls den Anschein, als hätte Zverev eine gute Zeit mit seiner Tochter in Acapulco – trotz des eskalierenden Drogenkriegs. In Mitteilungen des Turnier-Veranstalters heißt es, dass sich Spieler, Angehörige und Turnier-Mitarbeiter in einer „kontrollierten Blase“ bewegen würden. Es gibt überwachte Transportwege zwischen dem Flughafen, den offiziellen Hotels und der Turnierstätte sowie erhöhte Sicherheitspräsenz. Dennoch hatte der US-amerikanische Tennis-Kommentator Brett Haber (u.a. Tennis Channel) auf der Plattform X gefordert, man solle alle Profis „sofort da rausholen“, nachdem er selbst die Flucht ergriffen hatte: „Habe Mexiko gerade verlassen. Das Polizeiaufkommen am Flughafen war der Wahnsinn.“
Zverev indes hat eine komplette Trainingswoche in Acapulco absolviert und sich bestens an die subtropischen Bedingungen mit hoher Luftfeuchtigkeit gewöhnt. Auf den Bildern sieht man ihn gemeinsam mit Mutter Irina, Dackel Mishka und Tochter Mayla (mit Tennis-Rucksack) auf dem Weg zum Trainingscourt. Einige Sessions spulte er wohl erst am Abend unter Flutlicht bei etwas angenehmeren Temperaturen ab – oberkörperfrei.
Erstes Match von Zverev seit Melbourne
Seit seinem dramatischen Halbfinal-Aus bei den Australian Open gegen Carlos Alcaraz bestritt er kein Match mehr. Seinen Start in Rotterdam hatte er kurzfristig wegen Knöchelproblemen abgesagt. In seiner Auftaktpartie in Acapulco gegen den unberechenbaren Franzosen Courentin Moutet zeigte Zverev sich nun in starker Form und gewann problemlos 6:2, 6:4. Beim anschließenden On Court-Interview wurde er darauf angesprochen, dass er schon eine Weile in Acapulco sei. Zverev: „Ja, weil ich Acapulco so liebe. Ich mag es einfach, hier zu sein und meine Zeit hier zu verbringen.“
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Nach der Partie kommentierte Zverev seinen Sieg so: „Corentin kann ein schwieriger Gegner sein, besonders wenn man wie ich eine Weile keine Matches gespielt hat. Ich bin also auf jeden Fall zufrieden mit meiner Leistung und freue mich auf das, was noch vor mir liegt.“ Nächster Gegner des an eins gesetzten Deutschen ist der Serbe Miomir Kecmanovic. Andere bekannte Namen sind in Acapulco schon ausgeschieden. Alex de Minaur unterlag völlig überraschend dem US-Qualifikanten Patrick Kypson (ATP# 103); Casper Ruud, Cameron Norrie und Grigor Dimitrov überstanden ihre erste Runde ebenfalls nicht.
Vieles spricht also dafür, dass es eine gute Turnierwoche für Zverev werden könnte – in sportlicher und familiärer Hinsicht. „Dieses Jahr möchte ich Tennis ein bisschen mehr genießen. Ich werde älter und weiß, dass es nicht ewig so weitergehen wird. Ich hoffe, dass ich noch mindestens zehn Jahre dabei sein kann. Aber es geht auch darum, Spaß daran zu haben, und den werde ich diese Woche auf jeden Fall haben“, sagte er.
Feststeht schon jetzt: Seine Saisonplanung ist besser strukturiert als 2025. Im vergangenen Jahr spielte er nach dem verlorenen Australian Open-Finale die Sandplatzturniere in Buenos Aires und Rio de Janeiro, wo er jeweils im Viertelfinale ausschied. Danach wechselte er auf den Hardcourt von Acapulco – und verlor im Achtelfinale gegen Learner Tien. Zverev hat aus diesen Fehlern anscheinend gelernt.
