Zverev in Indian Wells 2026: Große Chance, mit den „Big Four“ gleichzuziehen
Alexander Zverev ist stark in Indian Wells gestartet. Sollte er bis in Halbfinale kommen, würde er mit den Besten des Fachs einen Rekord teilen.
Ein paar Sorgen konnte man sich vor dem Auftaktmatch von Alexander Zverev in Indian Wells schon machen. In der Vorwoche war er beim Turnier in Acapulco bereits im Einzel-Achtelfinale rausgeflogen und gegen Matteo Berrettini hatte er die letzten beiden Begegnungen verloren. Zudem hatte er in Indian Wells oft Schwierigkeiten, sein bestes Tennis abzurufen. Letztes Jahr scheiterte er etwa zum Auftakt an Tallon Griekspoor.
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Zverev aber cruiste durch die Partie gegen Berrettini, obwohl er schon um elf Uhr Ortszeit auf den Court musste – viel zu früh für den bekennenden Langschläfer. Doch der Hamburger war von Anfang an hellwach, gab im ersten Satz sogar nur zwei Punkte bei eigenem Aufschlag ab. Am Ende gewann er 6:3, 6:4 und erzielte beachtliche Aufschlagwerte: Wenn das erste Service kam, machte er zu 89 Prozent den Punkt; musste er über den Zweiten gehen, waren es 82 Prozent. Berrettini erspielte sich keinen einzigen Breakball.
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„Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung. Er ist ein extrem aggressiver Spieler mit einer gewaltigen Vorhand und einem starken Aufschlag. Wenn man sich ein wenig zurückzieht, wird es sehr schwer gegen ihn. Aber heute hatte ich das Gefühl, dass ich derjenige war, der Druck machte, ich war derjenige, der aggressiv spielte“, analysierte Zverev im Anschluss und wurde damit seiner neu ausgegebenen Marschroute gerecht. Er wolle, hatte er vor Turnierstart gesagt, „aggressiver spielen, mehr Risiken eingehen.“ Das klappte gegen den Italiener ziemlich eindrucksvoll. Zverev: „Ich war froh, dass ich meinen offensiven Gameplan durchziehen konnte.“
Zverev nun gegen Nakashima
Nächster Gegner ist nun der US-Profi Brandon Nakashima, gegen den Zverev am heutigen Sonntag wieder im 11 Uhr vormittags Ortszeit antreten muss (live bei Sky ab 19 Uhr MEZ). Weil in den USA bereits in der vergangenen Nacht die Uhren auf Sommerzeit gestellt wurden, startet das Match sogar eigentlich schon um 10 Uhr. So früh dürfte Zverev schon ewig nicht mehr zu einem Turniermatch aufgelaufen sein. Natürlich ist der Deutsche gegen den Weltranglisten-30. der große Favorit, zumal er noch nie gegen Nakashima verloren hat. Alle bisherigen fünf Matches gewann Zverev.
Aber: Indian Wells und Alexander Zverev – das hat in der Vergangenheit noch nicht so richtig gut gepasst. Das weiß er natürlich auch selbst: „Indian Wells ist ein Ort, wo ich bislang nicht mein bestes Tennis gespielt habe, aber ich werde alles dafür tun, dass es dieses Jahr besser wird.“ Tatsächlich kam Zverev in der kalifornischen Wüste noch nie über das Viertelfinale hinaus (2021/2024). Es ist damit sein schlechtestes 1000er-Masters-Turnier (s. Tabelle unten). Bei allen acht anderen Events der höchsten Turnierkategorie der ATP-Tour schaffte er es jeweils mindestens bis in Halbfinale.
Zverev: Beste Ergebnissse bei 1000er-Masters-Turnieren
| Turnier | Runde | Jahr |
| Indian Wells | Viertelfinale | 2024/21 |
| Miami | Finale | 2018 |
| Monte Carlo | Halbfinale | 2022/18 |
| Madrid | Sieg | 2021/18 |
| Rom | Sieg | 2024/17 |
| Kanada | Sieg | 2017 |
| Cincinnati | Sieg | 2021 |
| Shanghai | Finale | 2019 |
| Paris | Sieg | 2024 |
Dadurch hat er sich selbst in eine spannende Ausgangslage gebracht. Denn wenn Zverev in Indian Wells bis ins Halbfinale kommen würde, wäre er der erste Spieler seit 1990 neben den „Big Four“, der bei allen neun 1000er-Masters-Turnieren mindestens einmal unter den letzten Vier stand. Seit den Glanzzeiten von Nadal, Federer, Djokovic und Murray hat das noch kein Profi geschafft. Zverev könnte also zumindest in dieser Rubrik mit den „Big Four“ gleichziehen. Es wäre ein weiteres Indiz für die beeindruckende Konstanz von Zverev, der bereits sieben Titel bei den Großevents der ATP-Tour abgeräumt hat und seit etlichen Jahren zur absoluten Weltspitze im Herrentennis zählt.
Allerdings wird er diese Chance, als Erster mit Djokovic und Co. in Sachen 1000er-Halbfinalteilnahmen gleichzuziehen, voraussichtlich nur in diesem Jahr bekommen. Denn: Jannik Sinner, Daniil Medvedev und Grigor Dimitrov haben aktuell auch bei acht 1000er-Masters-Turnieren jeweils mindestens das Halbfinale erreicht. Ihnen allen fehlt noch das Semifinale von Madrid in der Sammlung. Insbesondere Jannik Sinner ist zuzutrauen, dass er es 2026 in Madrid unter die letzten Vier schaffen wird. Wenn Zverev 2026 also wieder „früh“ in Kalifornien patzt, könnten ihm Sinner oder auch Medvedev zuvorkommen. Ach ja, Carlos Alcaraz hat „erst“ sechs der möglichen neun Halbfinals erreicht. Ihm fehlen noch Shanghai, Kanada und Paris.
Zverev: „Werde auch Matches wie in Acapulco verlieren“
Dieses Jahr wird Zverev auf dem Weg ins Halbfinale von Indian Wells auf starke, aber machbare Gegner treffen. Sollte er gegen Nakashima gewinnen, würde er im Achtelfinale gegen Frances Tiafoe oder Acapulco-Sieger Flavio Cobolli antreten müssen. Im Viertelfinale würde dann vermutlich ein Spieler aus dem Trio Arthur Fils, Gabriel Diallo und Felix Auger-Aliassime warten. Als leichter Favorit gilt dabei „FAA“, gegen den Zverev die letzten beiden Begegnungen verloren hat.
Klar ist aber auch, dass es Zverev weniger um 1000er-Masters-Bilanzen geht – er will endlich seinen ersten Grand Slam-Titel. Wenn man ihn nun während der letzten Tage in Indian Wells richtig verstanden hat, dann kalkuliert er inzwischen Niederlage gegen vermeintlich schwächere Gegner ein – Hauptsache er bleibt seiner offensiveren Matchausrichtung treu. „Ich werde wie in Acapulco gegen Spieler verlieren, gegen die ich nicht verlieren sollte, aber damit komme ich klar“, stellte er nach dem Berrettini-Sieg klar.
Für sein eigenes Ego wäre es aber sicherlich ein guter Schub, wenn er nun auch mal in Indian Wells richtig weit kommen würde.
