Laver Cup: Roger Federer, Rafael Nadal

Meine 10 Wünsche für das Tennisjahr 2019

Roger Federer, Alexander Zverev, Angelique Kerber, Davis Cup, Fed Cup: Welche Wünsche tM-Redakteur Christian Albrecht Barschel an das Tennisjahr 2019 hat!

Das Schöne am Dezember ist für den Tennisjournalisten, dass man nach vielen ereignisreichen und turbulenten Monaten etwas zur Ruhe kommt und etwas intensiver an seinem eigenen Spiel feilen kann, wenn man möchte. Die Weihnachtszeit bedeutet auch, dass die tennisfreie Zeit dem Ende entgegengeht. In wenigen Tagen beginnt das Tennisjahr 2019. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Gerade der Beginn einer jeden Saison ist extrem spannend. Verschieben sich die Machtverhältnisse oder bleibt alles so wie zum Ende des vergangenen Jahres? Mein Wunschzettel für das Tennisjahr 2019 sieht wie folgt aus. Welchen Wunsch haben Sie an die neue Tennissaison?

Federer wieder auf Sandplatz

Am 12. Mai 2016 spielte Roger Federer zuletzt ein Match auf Sand – das Achtelfinale in Rom gegen Dominic Thiem. Der Schweizer hat 2017 und 2018 die komplette Sandplatzsaison ausgelassen. Hat Federer wegen oder trotz des Sandplatzverzichts 2017 auf Rasen so geglänzt und eindrucksvoll Wimbledon gewonnen? 2018 hat der Verzicht auf die rote Asche nicht zum gewünschten Ergebnis geführt. Federer selbst sagte zu Saisonende, dass er sich während der Rasensaison leicht an der Hand verletzte. 2017 verletzte er sich in Montreal am Rücken. Verletzungen können überall passieren. Ob er 2019 wieder auf Sand antritt, lässt Federer immer noch offen, auch wenn nun eine Quelle sich zu Wort gemeldet hat, dass Federer beabsichtige, die French Open zu spielen und zuvor die Turniere in Rom und/oder Barcelona. Ich wünsche mir, dass Federer im Frühjahr über die Sandplätze Europas pflügt. Das tut nicht nur dem Herrentennis gut, sondern auch Federers zuletzt wackligem Grundlinienspiel.

Großer Titel für del Potro

Immer wenn über Juan Martin del Potro berichtet wird, stelle ich mir die Frage: Was wäre bloß möglich gewesen, wenn der Argentinier nur halb so viel Verletzungspech gehabt hätte? Der letzte bittere Eintrag in der Krankenakte von „Delpo“: eine gebrochene Kniescheibe beim Turnier in Shanghai und somit der unfreiwillige Verzicht auf die ATP-Finals. Del Potro ist die tragische Figur im Herrentennis. „Nur“ drei ganz große Titel hat er gewonnen: die US Open, den Davis Cup und Indian Wells dieses Jahr. Bei zwei Titeln hieß der Finalgegner Roger Federer, der den Sieg in beiden Endspielen verspielte. Das große Problem von del Potro neben dem Verletzungspech: Er spielt zwar immer wieder großartige und erinnerungswürdige Matches, wie dieses Jahr im Viertelfinale in Wimbledon gegen Rafael Nadal, aber er geht dabei in den meisten Fällen als Verlierer vom Platz. 2019 soll es anders sein. Ich wünsche mir, dass Juan Martin del Potro verletzungsfrei bleibt und einen ganz großen Titel gewinnt.

Keine Wunderdige von Zverev erwarten

Alexander Zverev polarisiert. Das bekommt der 21-jährige Deutsche immer mehr zu spüren. Nach seinem Halbfinalsieg gegen Roger Federer bei den ATP-Finals wurde er ausgepfiffen, als er einen Ballwechsel unterbrechen ließ. Für seine offenen Worte gegenüber Kollegen hagelte es zuletzt viel Kritik für Zverev. „Ich will ein ehrlicher Spieler auf der Tour sein“, sagte der ATP-Weltmeister im Gespräch mit tennis MAGAZIN. Auch sein teilweise aufbrausendes Verhalten auf dem Platz mit einigen Schlägerwürfen wird oft zum Anlass genommen, um ihn zu kritisieren. Nach dem Titel bei den ATP-Finals gehen viele davon aus, dass es 2019 den ersten Grand-Slam-Titel gibt. Doch man sollte nun keine Wunderdinge von Zverev erwarten. Spielerisch, taktisch und auch mental ist noch einiges an Luft nach oben beim Deutschen – schön, dass es immer noch so ist. Beendet er auch das nächste Jahr in den Top 5 ohne Grand-Slam-Titel oder Grand-Slam-Finale, wäre es trotzdem ein starke Saison. Ich wünsche mir, dass es mehr Gelassenheit gibt im Umgang mit Alexander Zverev.

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Andy Murray in Bestform

Ende 2016 war Andy Murray auf dem Zenit seiner Karriere. Erstmals ATP-Weltmeister und dank eines fulminanten Schlussspurts Nummer eins zum Jahresende. Zwei Jahre später muss man etwas länger scrollen, um den Schotten in der Weltrangliste zu finden. Murray ist derzeit nur die 257 im ATP-Ranking. Nach seiner Hüftoperation konnte er 2018 nur sechs Turniere spielen. Wie schwer die Rückkehr in die Weltspitze nach einer Hüftoperation ist, zeigt das Beispiel Lleyton Hewitt. Der Australier versank im Mittelmaß. Ob Murray ein ähnliches Schicksal droht? Der dreimalige Grand-Slam-Sieger will 2019 gut ausgeruht wieder voll durchstarten. Die Tour vermisst Murray, auch wegen seiner ironischen Humors. Beim Schotten verhält es sich ein wenig wie bei Jimmy Connors. Umso älter er wird, umso mehr weiß man ihn und seine Spielweise zu schätzen. Ich wünsche mir, dass Andy Murray wieder um die großen Titel mitspielen kann.

Erfolgreiches Duo Kerber/Schüttler

2016 spielte Angelique Kerber ein Fabeljahr, 2017 folgte der Absturz – raus aus den Top 20. 2018 fand „Angie“ wieder in die Spur. Titel in Wimbledon, Nummer zwei der Welt. Zum Jahresende wurde Kerber zum zweiten Mal zur Sportlerin des Jahres gewählt. Doch die Saison endete mit störenden Nebeneffekten. Die Rede ist von der geräuschvollen Trennung von Erfolgstrainer Wim Fissette. Neuer Trainer an der Seite von Kerber ist Rainer Schüttler. Auf den ersten Blick passt diese Kombination sowohl spielerisch als auch menschlich. Kerber und Schüttler sind harte Arbeiter, Konterspieler und äußerst bescheiden. Wie die Zusammenarbeit bewertet wird, hängt sicherlich auch von den Erfolgen ab. Ich wünsche mir, dass Schüttler wie in seiner eigenen Karriere das Beste aus Kerber herausholt.

Fed-Cup-Titel für deutsche Ladys

Seit 1993 wartet Deutschland auf einen Titel im Davis Cup. Noch länger ist die Titeldürre im Fed Cup. 1992 gewann das deutsche Team zum zweiten und bislang letzten Mal den Fed Cup. Es ist wie verhext. Seit Jahren gehören die deutschen Ladys stets zu den Favoritinnen auf den Titel, aber irgendwie soll es nicht sein. Die Aussichten für 2019 stehen auf dem Papier wieder gut. Angelique Kerber und Julia Görges spielten ein starkes Jahr 2018. Zum Auftakt im Februar gibt es ein Heimspiel gegen Weißrussland. Auch im Halbfinale winkt ein weiteres Heimspiel gegen die USA. Träumen vom Titel ist erlaubt. Ich wünsche mir, dass 2019 endlich die große Stunde der deutschen Fed-Cup-Ladys schlägt.

Schluss mit dem „Toweling“

Wer auf Breitensportebene Tennis spielt, dem fällt schnell auf, dass Handtücher stets auf der Spielerbank gelassen werden. Und dort gehören sie auch hin. Es ist nicht so, dass Amateurspieler weniger schwitzen als die Profis, sondern wegen ihrer mangelnden Fitness meist mehr Schweißperlen auf dem Platz lassen als die großen Könner der Szene. Das sogenannte Toweling, also das ständige Bitten an die Ballkinder um das Handtuch, hat in den letzten Jahren inflationär zugenommen. Es stößt vielen Tennisfans immer mehr sauer auf. Ein lobendes Beispiel ist Alexander Zverev, der sein Handtuch auf seiner Bank liegen lässt. „Manche Spieler benutzen es buchstäblich als Aberglaube. Das ist nicht der Zweck der Sache“, kritisierte Zverev seine Kollegen. Recht hat er. Bei den Next Gen Finals gab es eine Handtuchbox, die dazu diente, dass sich die Spieler selbst ihr Handtuch holen müssen. Ein Schritt in die richtige Richtung. Ich wünsche mir, dass mehr Spieler Zverevs Beispiel folgen und Schluss machen mit dem „Toweling“.

Faire Chance für den Davis Cup

Der Davis Cup ist tot. Das war der überwiegende Tenor, nachdem im August die Reform eines der prestigeträchtigsten Mannschaftswettbewerbe im Sport beschlossen wurde. Schluss mit packenden Fünfsatzmatches in einer feurigen Heimspielatmosphäre. Der Sieger im Davis Cup wird nun in einem Finalturnier mit 18 Nationen im Anschluss an die ATP-Finals ermittelt – 2019 wird in Madrid gespielt. Ich bin kein Fan dieser Reform. Sie ist von vorne bis hinten nicht gut durchdacht. Viele offenen Fragen sind noch gar nicht geklärt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Reform des Davis Cups zum riesengroßen Eigentor der ITF wird. Aber: Bei aller negativen Kritik verdient das neue Format zunächst eine faire Chance. Ich wünsche mir, dass die Zukunft des Davis Cups nach dem Finalturnier in Madrid  offen und ehrlich analysiert wird.

Nächstes Doppel mit Federer und Nadal

Ich bin zwar Traditionalist, aber ich liebe den Laver Cup. Für manche mag es ein Showevent sein, für mich ist es riesengroße Werbung für das Tennis. Auch über den sportlichen Stellenwert und das Punkteformat kann man streiten. Was feststeht: Der Laver Cup erzeugt Emotionen bei Spielern und Fans und schafft Bilder für die Ewigkeit – wie das Doppel bei der Premierenausgabe 2016 mit Roger Federer und Rafael Nadal. Ein emotionaler Leckerbissen in der Tennisgeschichte. Eine Fortsetzung könnte 2019 in Genf anstehen. Neben Federer wird auch Nadal wieder für Team Europe antreten. Hoffentlich spielen bei Team World diesmal die Allerbesten mit, dazu zählen Juan Martin del Potro und Kei Nishikori. Ich wünsche mir, dass Federer und Nadal wieder gemeinsam Doppel spielen und sich deutsche Städte für die Austragung des Laver Cups 2021 bewerben.

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Einheitliche Regelung bei den Grand Slams

Die US Open hatten lange Zeit ein Alleinstellungsmerkmal unter den Grand-Slam-Turnieren. Im Entscheidungssatz kann es zum Tiebreak kommen, so wie dieses Jahr im Viertelfinale zwischen Rafael Nadal und Dominic Thiem. Das Wimbledon-Halbfinale zwischen Kevin Anderson und John Isner (Anderson siegte mit 26:24 im fünften Satz) hat die Tenniswelt verändert und zum Umdenken geführt. In Wimbledon wird es nächstes Jahr solch ein Marathonmatch nicht mehr geben. Steht es 12:12 entscheidenden Satz, kommt es zum Tiebreak. Die Australian Open machen es anders und lassen im Entscheidungssatz bei 6:6 einen Match-Tiebreak bis zehn Punkte spielen. Die French Open lassen erst mal alles, wie es ist. Ein Spieler braucht im entscheidenden Satz zwei Punkte Vorsprung. Bedeutet: Jedes Grand-Slam-Turnier hat für den entscheidenden Satz eine andere Regelung. Ob das wirklich gut und nachvollziehbar für den Tennisfan ist? Mein Favorit ist die traditionelle Zählweise bei den French Open. Möchte man die traditionellen Zählweise unbedingt ändern, bevorzuge ich das Modell in Wimbledon. Ich wünsche mir, dass alle Grand-Slam-Turniere eine einheitliche Regelung im entscheidenden Satz haben.