Rafael Nadal

Die Liste der Verletzungen von Rafael Nadal ist unendlich lang. Kann er noch mal richtig zuschlagen?Bild: Getty Images

Liste des Leidens: Die Verletzungen von Rafael Nadal

Fast über ein Jahr hat Rafael Nadal nicht auf der Profi-Tour gespielt. Nun folgt 2024 vermutlich seine Abschiedssaison. Wir schauen auf seine Rückkehr sowie die zahlreichen Verletzungen von Nadal, die ihn in der Vergangenheit ausgebremst haben.

Das 250er-Turnier Anfang Januar in Brisbane sollte für Rafael Nadal der Start in ein erfolgreiches und verletzungsfreies Jahr 2024 werden. Zunächst verlief alles wie geplant und der 37-Jährige konnte Dominic Thiem sowie Jason Kubler jeweils in zwei Sätzen besiegen. Im Viertelfinale machte der Körper Rafael Nadal jedoch einmal mehr einen Strich durch die Rechnung. Aufgrund einer erneuten Muskelverletzung im Hüftbereich war der 22-fache Grand Slam-Sieger gezwungen, die Australian Open abzusagen.

 

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Die Verletzungen von Rafael Nadal

In der langen Verletzungshistorie des Spaniers war es die 16. Absage bei einem Grand Slam-Turnier. Bereits vor seinem Grand Slam-Debüt 2003 in Wimbledon verpasste er die French Open aufgrund einer Ellenbogenverletzung. Es folgte eine Reihe von Verletzungen, die seines gleichen sucht. Die längsten Leidenszeiten musste Nadal 2012, 2021 sowie 2023 ertragen.

2012 zog er sich einen Patellasehnenriss zu und litt gleichzeitig unter einer Sehnenentzündung im Knie. Dadurch verpasste er nicht nur die US Open und die ATP-Finals, sondern auch die Teilnahme an den Olympischen Spielen. 2021 unterzog er sich einem operativen Eingriff an seinem linken Fuß. Grund dafür war das Müller-Weiss-Syndrom, unter dem er seit Kindheitstagen litt. Dabei handelt es sich um eine Rückbildung äußerer Teile des Kahnbeins. Erneut konnte er nicht an Olympia teilnehmen. Zudem verpasste er Wimbledon, die US Open sowie die ATP-Finals. Im Jahr 2023 verletzte er sich bei den Australian Open am Hüftbeuger und fiel in der Folge für den Rest des Jahres aus.

Die Verletzungen von Nadal in der Übersicht

JahrVerletzungenAbsagen bei Grand Slams, ATP-Finals, OlympiaGrand Slams, bei denen er sich verletzt hat
2003EllenbogenverletzungFrench Open
2004Ermüdungsbruch im MittelfußFrench Open, Wimbledon, Olympia
2005Knieverletzung, BänderverletzungATP-Finals
2006SchulterproblemeAustralian Open
2007Knieprobleme, UnterarmverletzungAustralian Open
2008KnieproblemeATP-Finals
2009Sehnenentzündung in beiden Knien, Bauchmuskelzerrung, RückenproblemeWimbledonFrench Open, US Open
2010Knieverletzung, QuadrizepssehnenrissAustralian Open, Wimbledon
2011Muskelfaserriss im Oberschenkel, Haarriss im Fuß, KnieproblemeAustralian Open, Wimbledon
2012Patellasehnenriss, Sehnenentzündung im Knie, Hoffa-Kastert-SyndromUS Open, ATP-Finals, OlympiaWimbledon
2013Magen-Darm-InfektionAustralian Open
2014Rückenprobleme, Handgelenksverletzung, Blinddarm-OPUS Open, ATP-FinalsAustralian Open
2015Knieverletzung
2016HandgelenksproblemeWimbledon, ATP-FinalsFrench Open
2017Knieverletzung
2018Verletzung am Hüftbeuger, Patellasehnen-Entzündung, Bauchmuskelzerrung, freier Gelenkkörper im SprunggelenkATP-FinalsAustralian Open
2019Handgelenksverletzung
2020US Open (wegen Pandemie nicht angetreten)
2021Körperliche Erschöpfung, Operation Müller-Weiss-Syndrom (seit Kindheit)Wimbledon, US Open, ATP-Finals, OlympiaFrench Open
2022Rippenbruch, Spiele mit betäubtem Fuß, BauchmuskelverletzungWimbledon, US Open
2023Muskelverletzung am HüftbeugerFrench Open, Wimbledon, US OpenAustralian Open
2024Muskelverletzung im OberschenkelAustralian Open

 

Geplatzte Rückkehr in Indian Wells

Beim Masters im südkalifornischen Indian Wells wollte Rafael Nadal nach der erneuten Verletzung zurück zu alter Stärke finden. Das erste 1000er-Turnier im Kalenderjahr konnte er in den Jahren 2007, 2009 sowie 2013 gewinnen. Darüber hinaus stand er 2011 im Finale, das er gegen Novak Djokovic verlor. Übrigens: In diesem Jahr machten sich die beiden Finalgegner von 2011 gemeinsam auf den Weg nach Indian Wells.

 

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Comeback in der spanischen Heimat

Obwohl der Spanier bereits vor Ort in Indian Wells war und dort mehrere Tage trainierte, entschied er sich, seine Teilnahme kurzfristig zurückzuziehen. In der Folge fehlte Nadal auch bei den Masters-Turnieren in Miami und Monte-Carlo. Als Ort seiner Rückkehr wählte der 37-Jährige schließlich das 500er-ATP in Barcelona mit dem nach ihm benannten Centre Court „Pista Rafa Nadal“. Zudem spielte er zur Vorbereitung auf die French Open die Masters-Events in Madrid und Rom.

In Barcelona gewann Nadal ein Match. In Madrid waren es immerhin schon drei. Dort setzte er sich auch gegen Top 20-Spieler Alex de Minaur durch. In Rom folgte ein Sieg gegen Zizou Bergs für Nadal, gegen Hubert Hurkacz war er klar unterlegen. Dabei war ihm anzumerken, dass er in den letzten Monaten kaum Spielpraxis hatte und noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war. Aus diesem Grund ließ er seine Teilnahme bei den French Open zunächst offen.

Nadal bei möglichem Abschied in Paris emotional

Sehr zur Freude der Fans, entschied sich Nadal die French Open zu spielen. Allerdings ging er durch sein Protected Ranking nicht als gesetzter Spieler in das Turnier, wodurch bereits in der ersten Runde Hammer-Lose möglich waren. Und genauso kam es auch: Zum Auftakt wurde ihm niemand geringeres als Alexander Zverev zugelost. Trotzdem war Nadal vor der Partie positiv gestimmt: „Ich hatte eine gute Trainingswoche. Wahrscheinlich war es die erste Woche seit meinem Comeback, in der ich meinen Weg ohne viele Einschränkungen gehen konnte. Das macht mir Mut“, erklärte Nadal. Jedoch war Alexander Zverev mit dem Masters-Sieg aus Rom im Rücken in Topform.

Das Spiel war den Erwartungen entsprechend auf einem hohen Niveau. Vor allem im zweiten Satz drehte Nadal auf, hatte aber im Tie-Break das Nachsehen. Am Ende unterlag er in drei Sätzen mit 3:6, 6:7(5), 3:6. Nach der Partie wurde es dann besonders emotional. Nadal war während seiner Rede vor den 15.000 Zuschauern auf dem Centre Court Philippe-Chatrier den Tränen nahe. „Wenn es das letzte Mal war, habe ich es genossen. Es gibt eine große Wahrscheinlichkeit, dass ich nicht zurückkehren werde“, sagte Nadal in Bezug auf eine French Open-Teilnahme 2025. „Meine Gefühle sind schwer in Worte zu fassen. Es ist so besonders, die Liebe der Menschen an dem Ort zu spüren, der mir selbst am meisten bedeutet.“ Anschließend verließ er unter tosendem Applaus den Platz – vielleicht für immer. In Paris hinterlässt er Zahlen für die Ewigkeit: 19 Teilnahmen, 122 Siege, vier Niederlagen und 14 Titel.

French Open 2024, Rafael Nadal

Au revoir, Paris: Nadal verabschiedet sich vom Court Philippe Chatrier, auf dem er Geschichte geschrieben hat.Bild: Imago/Loic Baratoux

Wegen der Verletzungen: Nadals letztes Karrierejahr?

Neben dem spielerischen Erfolg wird für Rafael Nadal die körperliche Gesundheit im Vordergrund stehen. Bei den French Open schlug er Ende Mai zum möglicherweise letzen Mal auf. Schließlich machte er schon im vergangenen Jahr Andeutungen bezüglich eines zeitnahen Karriereendes. „Das nächste Jahr soll mein letztes sein. Ich kann es nicht 100 Prozent sagen, weil man nie weiß, was passiert. Aber mein Ziel ist es, im kommenden Jahr einmal alle Turniere zu genießen, die mir etwas bedeutet haben“, sagte er auf einer Pressekonferenz im Mai.

Nach den French Open werden die Olympischen Spiele ein großes Ziel des Routiniers sein. Dort holte er 2008 in Peking die Goldmedaille im Einzelwettbewerb. In diesem Jahr finden die Olympischen Spiele in Paris statt. Gespielt wird, wie bei den French Open, im Stade Roland Garros, wo Nadal bereits 14 Grand Slam-Titel gewinnen konnte. Um sich bestmöglich auf das Turnier vorzubereiten, spielt der Spanier mit dem Gedanken, die Rasensaison auszulassen. Unabhängig davon, wie er sich entscheidet, bleibt im Sinne des Sports zu hoffen, dass er frei von Verletzungen seine spielerische Klasse noch ein letztes Mal unter Beweis stellen kann.