Zverev-Acapulco_2026

Etwas ratlos am Ende: Alexander Zverev scheiterte schon in Runde zwei von Acapulco – wie im Vorjahr. Bild: Instagram @abiertomexicanodetenis

Zverev nach Acapulco-Aus: Rutscht er nun aus den Top Five?

Alexander Zverev scheitert überraschend früh in Acapulco und muss nun die Konkurrenz bei den großen US-Turnieren auf Abstand halten.

Eine gute Wendung hielt der Spieltag in Acapulco dann doch noch für Alexander Zverev bereit. Nachdem er im Achtelfinale des 500er-Turniers gegen den Serben Miomir Kecmanovic mit 3:6, 7:6, 6:7 verloren hatte, gewann er spät am Abend mit seinem Kumpel Marcelo Melo die erste Doppelrunde: 6:4, 3:6, 10:4 gegen Pel/Gonzalez. Dennoch: Der Doppelsieg dürfte nur ein schwacher Trost gewesen sein. Zverev hatte sich in der Einzelkonkurrenz wesentlich mehr ausgerechnet.

Es fing ja auch alles so perfekt an. Zverev hatte eine mehr als dreiwöchige Matchpause seit dem Halbfinal-Aus in Melbourne. Er kurierte alle Wehwehchen aus und reiste eine Woche vor Turnierbeginn in den mexikanischen Badeort, um sich in aller Ruhe auf den Wiedereinstieg ins Turniertennis vorzubereiten. Seine Eltern, Dackel Mishka und seine Tochter Mayla begleiteten ihn. Auf Instagram-Beiträgen des Turniers wirkt Zverev entspannt wie selten.

Zverev: „Brauche nicht berühmt sein“

In einem Interview-Format mit Publikum verriet er etwa, dass er auf das Berühmtsein ohne weiteres verzichten könnte. „Ich liebe das, was ich mache. Ich liebe es, Tennisspieler zu sein. Aber ich brauche keine roten Teppiche und all das. Ich habe keine Probleme damit, wenn andere mehr Aufmerksamkeit bekommen als ich, das ist okay“, offenbarte er. Und weiter: „Ich hoffe, dass ich noch die nächsten zehn Jahre nach Acapulco kommen werden.“

Auf einer „White Diner Party“ ließ er sich auf ein Experiment mit dem „Mentalisten“ Diego Winburn ein. Winburn behauptete, dass er die Gedanken von Zverev lesen könnte und demonstrierte dies anhand eines Handy-Spielchens. Zverev ließ das alles gelassen über sich ergehen. Und jeder, der ihn ein bisschen kennt, weiß genau, dass er diese Art der Unterhaltung nicht besonders mag. Aber egal, in Acapulco, seiner Wohlfühloase auf der Tour trotz all der Einschränkungen durch den eskalierenden Drogenkrieg, macht er eben auch so etwas mit.

Auch sportlich schien alles zu passen. Bei seinem Auftaktsieg gegen Courentin Moutet präsentierte sich Zverev in guter Form und ließ den Franzosen erst gar nicht zu dessen Entfaltung kommen. Ganz anders lief es im Achtelfinale gegen Kecmanovic ab. Zverev legte einen Fehlstart hin, gab zweimal seinen Aufschlag ab und lag schnell mit 1:5 hinten. Am Ende ging Satz eins mit 6:3 an den Serben, der aktuell auf Weltranglistenplatz 84 steht und mit vier Erstrundenpleiten hintereinander in die Saison gestartet war. Erst in Dallas Anfang Februar gewann er sein erstes Match 2026.

Im zweiten Durchgang überstand Zverev bei 2:2 und 15:40 bei eigenem Aufschlag eine brenzlige Situation, doch er hielt sein Servicegame. Ohne Breaks ging es in den Tiebreak, den der Deutsche mit 7:3 gewann. Mit einem amtlichen Urschrei quittierte Zverev den Satzausgleich. Spätestens jetzt ging jeder von einem Sieg des haushohen Favoriten aus. Zumal er es nun schaffte, das Publikum mit ins Match zu ziehen. Bei spektakulären Punkten animierte er die Fans ein ums andere Mal dazu, ihm zuzujubeln.

Dann der dritte Satz, in dem Zverev die einzige Breakchance beim Stand von 3:3 hatte. Aber Kecmanovic blieb stabil. Wieder mündete der Durchgang im Tiebreak. Als Zverev dort beim Zwischenstand von 3:3 eine wahre Monsterrally über 25 Schläge gewann, an dessen Ende Kecmanovic einfach die Kräfte verließen, vermutete man nun alle Vorteile beim Deutschen. Doch Zverev machte keinen Punkt mehr und verlor den finalen Shootout mit 4:7.

Für Kecmanovic war es der bislang größte Erfolg seiner Karriere, denn es war sein erster Sieg gegen einen Spieler aus den Top 5. Zuvor hatte der 26-Jährige elf Duelle mit Top Five-Spielern verloren. „Ich glaube, ich war in den entscheidenden Momenten aggressiver. Ich habe viel besser aufgeschlagen als sonst, daher bin ich froh, dass es heute so gut gelaufen ist“, sagte er nach dem Coup. Und weiter: „Er war natürlich der große Favorit, daher hatte ich keinen Druck, aber man muss trotzdem in den entscheidenden Momenten gut spielen und das Match zu Ende bringen.“ Im Viertelfinale trifft er nun auf den Franzosen Terence Atmane.

Zverev Acapulco

Größter Erfolg seiner Laufbahn: Miomir Kecmanovic konnte noch nie einen Gegner aus den Top 5 bezwingen – bis er Alexander Zverev in Acapulco schlug.Bild: Instagram @abiertomexicanodetenis

Zverev mit 17 Rückhandfehlern

Zverev servierte am Ende zwar 17 Asse, leistete sich aber ausgerechnet auf seiner sonst so starken Rückhandseite 17 unerzwungene Fehler – ungewöhnlich für den Deutschen, der sich sonst immer auf seine „Beidhändige“ verlassen kann. Insgesamt unterliefen ihm 34 leichte Fehler und er machte am Ende neun Punkte weniger als sein Gegner (94:103). Immerhin: Neben dem an eins gesetzten Zverev sind auch Alex de Minaur (Nummer 2), Casper Ruud (Nummer 3) und Alejandro Davidovich Fokina (Nummer 4) in Acapulco bereits ausgeschieden.

Welche Auswirkungen hat das überraschende Aus nun für Zverev? Keine sofortigen, zumindest mit Blick auf die Weltrangliste. Auch im letzten Jahr schied er in der zweiten Runde aus (gegen Learner Tien). Seit dem Ende der Australian Open rangiert Zverev aktuell auf Position vier in der Weltrangliste mit 4.555 Punkten. Die beiden Führenden Carlos Alcaraz (13.550 Punkte) und Jannik Sinner (10.400) sind meilenweit entfernt, während sich Novak Djokovic mit 5.280 Punkten auf Platz drei noch in Schlagdistanz befindet.

In den nächsten Wochen muss sich die deutsche Nummer eins eher Sorgen machen, dass ihn seine Verfolger einholen. Denn: Der Vorsprung von Zverev auf Lorenzo Musetti (Nr. 5/4.405 Punkte), Alex de Minaur (Nr. 6/4.235 Punkte) und Taylor Fritz (Nr. 7/4.220) ist gering geworden. Und mit den Großevents in Indian Wells und Miami stehen eine Menge Punkte auf dem Spiel.

Zverevs Vorsprung ist geschmolzen

Der Vorteil von Zverev, um seine Position in der absoluten Weltspitze zu behalten, ist allerdings, dass er im März nur wenige Weltranglistenpunkte zu verteidigen hat. 2025 verlor er in Indian Wells gleich zum Auftakt gegen Tallon Griekspoor. In Miami schied er im Achtelfinale gegen Arthur Fils aus. Heißt: In Summe erspielte er sich 2025 beim „Sunshine-Double“ nur 110 Weltranglistenpunkte. Wenn er also bei einem der beiden Turniere weit kommen sollte, kann er sein Ranking-Konto ordentlich aufstocken.

Seine schärfsten Konkurrenten um Platz vier – Lorenzo Musetti und Alex de Minaur – haben jedoch auch nicht viele Punkte in Indian Wells und Miami zu verteidigen. Bei Musetti sind es 150, bei de Minaur 200. Insofern könnte sich im März ein spannender Dreikampf um die unteren Positionen in den Top Five ergeben. Insbesondere mit Blick auf die Setzung bei den Grand Slam-Turnieren wäre für Zverev eine Position unter den ersten Vier im Ranking wünschenswert. Andernfalls könnte er etwa in Roland Garros schon im Viertelfinale auf Alcaraz oder Sinner treffen.