Laver Cup

Laver Cup: Berlin, bitte melden!

Auch die zweite Ausgabe des Laver Cups war ein riesengroßer Erfolg. Den Wettbewerb als belanglosen Schaukampf zu deklarieren, geht an der Realität vorbei.

Tennisfans in Chicago haben lange auf solche Momente gewartet. Der Laver Cup machte Halt in der „Windy City“ und wurde zum Spektakel. Von wegen Eintagsfliege, auch die zweite Auflage erzeugte Bilder und Emotionen, die nicht nur im kollektiven Gedächtnis der Zuschauer bleiben werden, sondern auch bei den Spielern selbst. Nach zwei Jahren Laver Cup muss man attestieren: Es ist ein Erfolgsprodukt. Das Konzept: durchdacht. Der Auftritt: hochprofessionell. Das Format: spannend. Die Spieler: mit Herzblut dabei. Die Zuschauer: begeistert.

93.584 Zuschauer strömten an den drei Tagen verteilt auf fünf Sessions ins United Center in Chicago. Immer wieder schwebt das Wort Schaukampf über dem Laver Cup. Liebe Kritiker, der Laver Cup ist alles andere als ein Schaukampf. Bei einem Schaukampf gibt es versuchte Trickshots, inszenierte Ballwechsel oder Späße zwischen den Gegnern. All das sah man weder letztes Jahr in Prag noch dieses Jahr in Chicago. Die Spieler nehmen den Wettbewerb bierernst und geben alles. Wenn es nicht so wäre, dann wären sie richtig gute Schauspieler. Die Freude und die Enttäuschung nimmt man ihnen jederzeit ab. „Das Wort Schaukampf ist so dumm, wenn man über das Event redet. Es ist am weitesten davon entfernt“, sagte John Isner.

Laver Cup ist Werbung fürs Tennis

Hat der Laver Cup den sportlichen Wert wie ein Grand-Slam-Turnier, Olympia oder der Davis Cup? Natürlich nicht! Hat der Laver Cup so viel Prestige wie der Ryder Cup im Golf? Nein, noch nicht! Kann er auch noch gar nicht haben nach zwei Ausgaben. Der Laver Cup ist kein Schaukampf oder ein Spaßturnier, er ist aufregende Unterhaltung mit großem sportlichen Wert. Der Laver Cup ist Werbung fürs Tennis. Als Tennisinsider, der den Sport jahrzehntelang verfolgt, ist es manchmal schwer, sich neuen Formaten zu öffnen. Es kann beides funktionieren: Tradition wie in Wimbledon und neue Faszination wie beim Laver Cup.

Für den normalen Sportfan, der Tennis nicht jede Woche intensiv verfolgt, ist der Wettbewerb ein Geschenk. Er kreiert Emotionen und Bilder, die es bei anderen Turnieren nicht gibt. Aus langjährigen Rivalen werden Teamkameraden. Roger Federer spielt gemeinsam Doppel mit Rafael Nadal und Novak Djokovic. Die Spieler coachen sich untereinander und der Fan kann jedes Wort mithören und vielleicht auch Input daraus für sein eigenes Spiel ziehen. Wer den Laver Cup nicht mag und als Schaukampf abtut, hat wahrscheinlich nie erfahren, wie geil es ist, in einer Mannschaft zu spielen, mitzufiebern, zu gewinnen und dann zu feiern. Der Laver Cup bringt Leute zum Tennis. Darum sollte es gehen.

Wählt Roger Federer den Laver Cup als Karriereende?

Die beiden bisherigen Ausgaben fanden in großen Städten ohne ATP-Turnier statt. Und das ist auch gut so. Der Laver Cup soll dahin gehen, wo Tennis noch nicht die große Rolle spielt. Also nicht in die Weltstädte New York, London und Paris, in denen bereits viel Tennis geboten wird. 2019 wird der Wettbewerb in Genf ausgestragen. Es könnte erneut ein denkwürdiges Wochenende werden. Denn es stellt sich die Frage: Wählt Roger Federer den Laver Cup in seiner Heimat als passendes Event für sein Karriereende? 2020 ist Team World wieder Ausrichter. Es bietet sich Buenos Aires an mit dem argentinischen Volkshelden Juan Martin del Potro. Und 2021? Dann ist Europa wieder an der Reihe. Berlin, bitte melden! Der Laver Cup in der Arena direkt an der ehemaligen Berliner Mauer. Das hätte großen Charme. Ein internationales Tennisevent hat die fünftgrößte Stadt Europas lange nicht mehr gesehen.

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Back to back 😜😊#geneva #champs

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Bei aller Erfolgseuphorie muss man sich auch Fragen stellen. Funktioniert der Wettbewerb jedes Jahr oder wäre es auf Dauer sinnvoller, ihn alle zwei Jahre zu spielen wie der Ryder Cup, um die Bedeutung zu erhöhen? Geht es so erfolgreich weiter, wenn Erfinder Roger Federer nicht mehr aktiv dabei sein wird? Warum ist Nick Kyrgios auf der Tour nicht mit so viel Engagement dabei wie beim Laver Cup oder Davis Cup? Und warum gibt es für den Laver Cup noch keine App, um unterwegs Livescores zu checken?