Gael Monfils sagt Paris Lebewohl

Gael Monfils Bild: Imago

Die Karriere von Gael Monfils ist zu Ende.

Ohne einen letzten Ballwechsel, aber unter großem Applaus: Das Rolex Paris Masters hat Gael Monfils am Dienstagabend mit einer emotionalen Zeremonie verabschiedet. Der 40-Jährige sprach über seine Dankbarkeit, eine schwere persönliche Zeit und seine Tochter Skai.

Kurz nach 20.30 Uhr, nach dem Sieg von Ben Shelton über Cameron Norrie, betrat Gael Monfils den Court Central der Plenitude Arena in Nanterre, diesmal ohne Schläger. Rund eine Viertelstunde lang feierte ihn das Publikum und entrollte einen riesigen „Merci Gaël“-Schriftzug. Es sei ein sehr schwieriger Moment, sagte Monfils auf Französisch, wirkte aber gefasst. Er habe sich zuletzt die Bilder seiner Karriere angeschaut und sei mit dem Erreichten im Reinen: „Ich habe alles gegeben.“

Dass er nur noch winken statt spielen konnte, hat einen privaten Grund. Eigentlich sollte das Masters der Schlusspunkt seiner Abschiedstournee werden. Doch Monfils sagte seine Starts in Lyon und Paris ab und gilt seit dem 5. Oktober offiziell als zurückgetreten. Am 19. Oktober machte Elina Svitolina das Ende ihrer Ehe öffentlich und betonte, es gebe „keinen Schuldigen“. Auf Twitch sagte Monfils später: „Die Trennung von Elina hat mich tief getroffen.“ Sein letztes Match bleibt damit die Zweitrundenniederlage gegen Learner Tien bei den US Open. Mehr zu der Trennung hier. 

Die „neuen Musketiere“ erweisen „LaMonf“ die letzte Ehre

Turnierdirektor Cédric Pioline und Verbandspräsident Gilles Moretton empfingen „LaMonf“, wie viele den Franzosen auf der Tour nannten, auf dem Platz. Hallensprecher Marc Maury zählte daraufhin seine Erfolge auf und nach einer ersten Ehrenrunde liefen Bilder aus seiner Karriere über die Videowände.

Am Ende kamen die Weggefährten aufs Feld: Jo-Wilfried Tsonga, Richard Gasquet und Gilles Simon, mit denen Monfils die „neuen Musketiere“ des französischen Tennis bildete, dazu Benoît Paire und der Sänger M. Pokora. Im Vergleich zum langen, lauten Fest in Roland Garros im Mai war dieser Abend spürbar stiller und melancholischer.

Rührende Worte an die Tochter

Die Zuschauer nannte Monfils das Schönste, was ihm diese Welt geschenkt habe. „Es ist nicht leicht, Auf Wiedersehen zu sagen“, sagte er. 22 Jahre als Profi seien eine Geschichte, die er sich so nie hätte erträumen können. Er dankte auch seinen Eltern, sein Vater saß in der Halle.

Ohne Details zu nennen, sprach er von einer persönlich komplizierteren Phase. Pioline und Moretton hätten ihm geholfen, seine Ängste und Sorgen zu überwinden.

Der berührendste Moment gehörte seiner vierjährigen Tochter, der er seine letzte Ehrenrunde widmete: „Skai, dein Vater war Tennisspieler. Er hat Tennis geliebt.“ Er hoffe, dass sie eines Tages selbst in Paris spiele. Zudem erinnerte er daran, dass seine Beziehung mit Skais Mutter an diesem 3. November acht Jahre zurückliege: „Das ist schon ein symbolisches Datum.“

„Es gibt keinen zweiten Gael Monfils“

„Es gibt keinen zweiten Gael Monfils“, sagte Gasquet im Anschluss. Selbst Carlos Alcaraz, Shelton und Arthur Fils blickten trotz des fehlenden Grand-Slam-Titels noch immer mit der Bewunderung von Kindern auf ihn, weil er sie in ihrer Jugend inspiriert habe.

Tsonga nahm es philosophisch: „Alles hat ein Ende.“ Die Freunde hätten sich aber versprochen, sich jedes Jahr ein oder zwei Tage füreinander freizuhalten. Pioline hatte Monfils bereits im Vorfeld als „wahrscheinlich den populärsten Franzosen der letzten Jahrzehnte“ bezeichnet.

Auch auf der Tour hinterlässt er Spuren. „Er war einer der wenigen Spieler, die ich als Kind geschaut habe“, sagte Learner Tien, sein letzter Gegner. Stefanos Tsitsipas hatte schon im Oktober in Almaty gesagt, Monfils sei wohl „so respektiert wie jemand, der mehrere Grand Slams gewonnen hat“.

In einem ATP-Video verabschiedeten ihn auch die aktuellen Stars. Für den neuen Weltranglistenersten Alexander Zverev ist Monfils „ein absoluter Magier“, dem seit mehr als 20 Jahren alle gern zugeschaut hätten. Alcaraz dankte ihm für alles: Er sei eine echte Inspiration, ein großartiger Athlet und vor allem abseits des Platzes ein großartiger Mensch. Shelton beschrieb ihn als großen Bruder, Freund und Spaßvogel, der allen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert habe.

Alcaraz, Zverev und Co. über Monfils:

Eine Karriere für die Highlight-Rolle

Sportlich bleibt mehr als nur Spektakel: 588 Siege auf der Tour, 13 Titel, Platz sechs der Weltrangliste 2016, dazu die Halbfinals in Roland Garros 2008 und bei den US Open 2016. Mit 146 Siegen ist er der erfolgreichste Franzose auf Masters-1000-Ebene, mit 40 Siegen in Roland Garros teilt er sich mit Yannick Noah die französische Bestmarke der Open Era. Als er 2025 in Auckland mit 38 Jahren gewann, war er der älteste Titelträger seit Ken Rosewall 1977.

Nur der Titel in Paris blieb ihm verwehrt. 2009 unterlag er im Finale Novak Djokovic, 2010 Robin Söderling, nachdem er im Halbfinale Roger Federer ausgeschaltet hatte. An diesem Dienstag spielte das keine Rolle mehr: Paris verabschiedete einen, der diesen Pokal nie brauchte, um geliebt zu werden.