Miami Open 2019 – Day 8

Roger Federer: „Geht darum, ein gewisses Niveau zu halten“

Roger Federer hat bei den Miami Open mit einem Zweisatzerfolg über Filip Krajinovic eine klare Leistungssteigerung gezeigt. Anschließend erklärte der Schweizer, es gehe nicht darum, das spielerische Limit zu erreichen.

Dass er in den späteren Turnierrunden eine Art Alterspräsident darstellt, ist für Roger Federer nichts Neues mehr. Manch einer rätselt, wie der 37-Jährige an den meisten der 365 Tage im Jahr immer noch besser sein kann als der Rest der ATP-Tour.

David Ferrer etwa, der hart arbeitende Spanier, hat mit den Jahren an Spritzigkeit verloren. Nach dem Sieg über einen noch nicht ganz auf der Höhe scheinenden Alexander Zverev spielte Ferrer am Montag sein allerletztes Match auf Hardcourt (Dreisatzniederlage gegen Frances Tiafoe). Ferrer tritt nach dem Sandplatzturnier in Barcelona zurück. Er ist ein Jahr jünger als Federer.

Vom Rücktritt ist Federer noch weit entfernt. Es wird nicht erst seit diesen Tagen spekuliert, wie Federer seine Olympiasaison 2020 aufbaut. In der Gegenwart ist allerdings eine Leistungssteigerung zu beobachten. Beim 7:5,6:3-Erfolg über Krajinovic (der zuvor Stan Wawrinka ausschaltete) legte der Schweizer beständig zu. Federer zeigte sich später sehr zufrieden mit seinem Aufschlagspiel und der Quote beim ersten Service (86 Prozent). Es war das zweite Match nacheinander mit zwölf oder mehr Assen (13).

Besser als in Runde eins waren die Returns des Schweizers – oft früher getroffen und mit guter Länge. Federer gewann als Rückschläger exakt doppelt so viele Punkte wie sein serbischer Gegner (36 zu 18).

Die Statistiken lasen sich gut bis sehr gut. Auf dem Centre Court des Hard Rock Stadiums kam Federer nach einem frühen Rückstand Schritt für Schritt in Fahrt und fand ein Zeitfenster von Ende des ersten und Anfang des zweiten Satzes, in dem er spielerisch und ergebnistechnisch davonzog.

Federer: „Ein paar schlechte Minuten reichen – und raus bist du!“

Trotz der guten Werte vermittelte der Miami-Sieger von 2017 während der Pressekonferenz, dass es ihm gar nicht so sehr um die stetige Leistungssteigerung gehe in diesen Tagen. „Die Dinge verlaufen bei Masters-Turnieren im Best-of-three-Modus sehr schnell. Ein paar schlechte Minuten reichen und dann bist du raus. Es geht eher darum, dass ich ein gewisses Niveau halten kann und das ist eine mentale Geschichte.“

Ein einzelner Punkt könne in diesem Modus alles beeinflussen. „Das erhöht den Druck auf mich, weil die physische Komponente nach längeren Ballwechseln nicht so eine Rolle spielt wie auf Grand Slam-Ebene. Dort hoffe ich eher, dass nach vielen langen Ballwechseln mein Gegner körperlich schwächer wird.“

Es zeugt zum einen von einem unheimlichen Selbstverständnis, wenn ein 37-Jähriger davon ausgeht, auf Major-Ebene fitter zu sein als seine jüngeren Gegner. Zum anderen wird die etwas andere Herangehensweise hier in Miami deutlich. Was die Erfahrung und die mentale Stärke angeht, hat der Maestro vielen jüngeren Spielern naturgemäß etwas voraus.

Federer im Achtelfinale gegen Daniil Medvedev

Und es sind noch einige Talente im Rennen um den Titel an der US-Ostküste. Mit Felix Auger-Aliassime (18), Denis Shapovalov (19) und Stefanos Tsitsipas (20), die nun aufeinander treffen werden, Frances Tiafoe (21), Borna Coric (22) und Nick Kyrgios (23, trifft auf Coric) sowie Daniil Medvedev (23) ist die Hälfte aller Achtelfinalteilnehmer unter 23 Jahre alt.

Letztgenannter ist gleich am Dienstag Federers Gegner. Der Russe hat alle seine vier ATP-Titel seit Januar 2018 auf Hardcourts errungen. Den letzten feierte der sehr variabel und unkoventionell spielende Davis Cup-Spieler vor einem Monat in Sofia. Federer fürchtet vor allem „seine recht flachgeschlagene Rückhand, vor allem von weiter hinter der Grundlinie. Das gestaltet er ganz anders als etwa Stan Wawrinka, Dominic Thiem oder Rafael Nadal.“

Was Beobachtern im Zusammenhang mit Federer noch Sorgen bereitet, ist sein momentaner Umgang mit Breakchancen. Gegen Krajinovic verwertete er drei von zehn Breakbällen. 2019 hat er nur eine Quote von 35 Prozent. Über seine gesamte Karriere betrachtet, ist er sechs Prozent besser. Der momentane  Wert ist ordentlich, reicht aber nicht für die absolute Weltklasse und kosteten Federer Titel (Indian Wells gegen Thiem) oder ein besseres Abschneiden (Pleite bei den Australian Open im Achtelfinale gegen Tsitsipas).

Federer: „Die NextGen pusht sich gegenseitig“

Dennoch machte Federer deutlich, dass er nicht besorgt sei – weder über seine Leistung noch über die junge Garde. Im Gegenteil: Er lobte die „NextGen“ und erklärte, es sei gut, dass sie sich gegenseitig pushen. „Und es erinnert mich auch ein wenig an unsere Kampagne“, ergänzte Federer, der mit einem weiteren Sieg Dominic Thiem von Platz 4 der Weltrangliste verdrängen würde.

Federer meinte die „New Balls, Please“-Kampagne aus dem Jahr 2002. „Die war ein bisschen zusammengewürfelt, nicht nur aus U-21-Spielern. Da waren auch etwas ältere Spieler dabei wie Guga Kuerten und Tommy Haas. Aber es half uns beim Übergang, dass wir uns erstmal untereinander beschäftigt haben. Und dann die Großen wie Pete Sampras oder Andre Agassi attackiert haben.“

Neben Federer waren damals  Andy Roddick, Juan Carlos Ferrero, Gustavo Kuerten, Lleyton Hewitt und Marat Safin Teil der Kampagne. Zusammen gewann man 28 Grand-Slam-Titel, 20 alleine Federer.

Wenn die heutige „NextGen“ annähernd so abräumt, wäre dies schon mehr als erfolgreich. Die acht oben genannten Spieler haben in Abwesenheit von Zverev noch nicht mal einen Masters-Titel vorzuweisen. Das ist zwar wohl nur eine Frage der Zeit. Geht es nach den Belangen von Roger Federer, wird es aber noch etwas dauern. Schließlich will der Alterspräsident noch etwas regieren.